Ein Fuchs schaut aus dem Wald.
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Der Fuchs gilt als potenzieller Überträger des Tollwut-Virus. Doch laut den Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit ist Deutschland seit 2008 tollwutfrei.

Tierarzt beruhigt: Tollwut im Kreis seit Jahren kein Thema

Jogger trifft Fuchs: Besteht die Gefahr einer Tollwut-Übertragung?

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Muss man sich in unserer Region vor dem Fuchs als Überträger der Tollwut fürchten, fragt sich ein Geretsrieder Jogger nach einer Begegnung der tierischen Art. Die Antwort liefert der Dietramszeller Tierarzt Dr. Georg Unterholzner.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Auf seiner morgendlichen Laufrunde stieß ein Geretsrieder kürzlich im Stadtgebiet auf einen Fuchs. Der beäugte den Jogger interessiert – und schlug sich schließlich wieder in die Büsche. Den Geretsrieder beschäftigte in der Folge die Frage: „Muss man sich in unserer Region vor Füchsen als Überträger der Tollwut fürchten?“ Nein, stellt Dr. Georg Unterholzner, Tierarzt im Veterinäramt in Bad Tölz, auf Nachfrage unserer Zeitung fest. Sich im Landkreis mit Tollwut zu infizieren, „ist nahezu zu 100 Prozent ausgeschlossen“.

Tierarzt erinnert sich mit Grausen an Anschauungsfilme

Über Jahrhunderte war die Ansteckungsgefahr in ganz Europa groß. Tausende Menschen erlagen dem Virus, denn die Tollwut, die eine Gehirnhautentzündung verursacht, verläuft fast immer tödlich. „Es ist eine fürchterliche Krankheit“, sagt Unterholzner, der sich mit Grausen an Anschauungsfilme in seiner Zeit als junger Medizinstudent erinnert: „Sie löst extreme Krämpfe aus – und der Patient bekommt das alles bei vollem Bewusstsein mit.“ Im Endstadium bleibe nicht viel mehr zu tun, als mit Morphium die körperlichen Schmerzen des Todgeweihten zu lindern. In Deutschland ist das Virus längst so gut wie ausgerottet, in anderen Ecken der Welt stellt Tollwut weiterhin eine Bedrohung dar. Zum Beispiel auf Müllkippen in Indien, die sich Menschen und Tiere als Lebensraum teilen.

Dr. Georg Unterholzner ist Tierarzt im Veterinäramt in Bad Tölz.

Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sei „sicher“ seit 20 Jahren kein Mensch mehr an Tollwut erkrankt, so der Veterinär. Das sei nicht zuletzt auf die großflächigen Impfungen zurückzuführen. Oftmals mittels Flugzeugen sind vor vielen Jahren Impfköder in den Wäldern ausgebracht worden. „Mit Glasscherben versetztes, angefaultes Fleisch“, angereichert mit Impfstoff. Glasscherben? Das klingt nach Tierquälerei, doch das Gegenteil sei der Fall gewesen, beteuert der Dietramszeller. Die Scherben hätten zu „ganz leichten Ritzungen“ der Mundschleimhäute der Füchse geführt, über die der oral aufgenommene Impfstoff in die Blutlaufbahn der Vierbeiner gelangen konnte. Die aufwendige Impfaktion „war ein super Erfolg“, bilanziert Unterholzner. Seit 2008 gilt Deutschland nach den Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit als tollwutfrei.

Vorsicht bei Tieren, die aus dem Ausland eingeführt werden

Auf den Menschen übertragen werden kann Tollwut nur von einem Tier im Endstadium der Krankheit. Das tödliche Virus reichert sich in den Speicheldrüsen an, durch einen Biss erfolgt die Übertragung. „Durch eine einfache Berührung kann nichts geschehen“, sagt Unterholzner, „nur durch Kontakt über eine offene Wunde.“ Zur Vorsicht rät der Veterinär bei Tieren, die aus dem Ausland eingeführt werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass es geimpft sei und bereits Antikörper gebildet habe.

Angst vor der Begegnung mit einem Fuchs müsse niemand haben, beruhigt Unterholzner. „Es gibt bestimmt ein paar junge, freche, die sehr neugierig sind, doch ein ganz normaler Fuchs haut ab, wenn ihm ein Mensch begegnet.“  cce

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