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Ein unbequemer Anwalt der Natur feiert runden Geburtstag

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Von: Volker Ufertinger

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Isar in der Pupplinger Au
Bewahrenswert: Die Pupplinger Au und deren Erhaltung waren eines der zentralen Anliegen des Bund Naturschutz in der Gründerzeit Anfang der 1970er-Jahre. © Hans Lippert

Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz feiert 50-jähriges Bestehen – bei einem Sommerfest am 17. Juli.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Man schrieb das Jahr 1970. Damals tat sich in Wolfratshausen eine Gruppe von Leuten zusammen, die sich vornahm, die Natur zu schützen – auch wenn das unbequem sein sollte. Zu ihnen gehörte Helmut Steininger aus der Oberpfalz, später Landesgeschäftsführer des Bund Naturschutz und maßgeblicher Mitbegründer des Nationalparks Bayerischer Wald. Auch der Zoologe und Forschungsreisende Hans Krieg schloss sich kurz vor seinem Tod an. Es war die Geburtsstunde der Kreisgruppe des Bund Naturschutz. Dies wird, coronabedingt mit zweijähriger Verspätung, am Sonntag, 17. Juli, in der Jugendsiedlung Königsdorf gefeiert.

Bad Tölz-Wolfratshausen: Ein unbequemer Anwalt der Natur feiert runden Geburtstag

Friedl Krönauer (62), Vorsitzender der Kreisgruppe mit aktuell 2600 Mitgliedern, spricht voller Bewunderung über diese Gründergeneration. „Es war eine Zeit, in der der Naturschutzgedanke auch in der Politik ankam“, erzählt er. Die Gründung des ersten bayerischen Umweltministeriums etwa fiel in jene Zeit. Aber: Es gab Verflechtungen zwischen Politik und Naturschutz. Letzterer war nicht unabhängig und im Grunde viel zu brav. „Das haben Steininger, Krieg und einige andere geändert“, so Krönauer. „Sie haben den Naturschutz aus der staatlichen Umklammerung gelöst.“ Dafür hätten sie auch in Kauf genommen, schief angeschaut, ja sogar angefeindet zu werden. „Ihre Botschaft an die Politik war: Ihr könnt machen, was Ihr wollt, aber wir schauen Euch auf die Finger.“

Friedl Krönauer
Friedl Krönauer, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. © Archiv

Themen gab es in den Gründerjahren genug, vom Erhalt der Moorlandschaft zwischen Loisach und Kochelsee bis zur Errichtung des Naturschutzgebiets Pupplinger Au. Und sie gingen der Kreisgruppe des Bund Naturschutz auch nicht aus. Einer der größten Erfolge ist für Krönauer, eine Müllverbrennungsanlage im Landkreis verhindert und den Gedanken der Mülltrennung durchgesetzt zu haben. „Das war revolutionär, heute ist es selbstverständlich.“ Aktuell sieht der Schlehdorfer ein großes Thema auf den Bund Naturschutz zukommen, nämlich die Windkraft und ihre Folgen. 400 Windräder sollen bekanntlich im Speckgürtel von München entstehen, um so schnell wie möglich eine Alternative zu russischem Gas zu finden. „Da müssen wir genau hinschauen“, sagt er. Der Artenschutz dürfe auch dann nicht vernachlässigt werden, wenn man schnell Strom braucht. „Da wird es noch gewaltig rauschen“, prophezeit er.

Wir sollten uns darüber klar werden, wie wir auf diesem Planeten weiterleben wollen. 

Friedl Krönauer

Die Gesellschaft, findet Krönauer, ist an einem Punkt angekommen, wo sie sich grundsätzliche Fragen stellen muss. „Wir sollten uns darüber klar werden, wie wir auf diesem Planeten weiterleben wollen“, sagt er. „Brauche ich wieder einen Flachbildschirm? Muss ich mit dem T-Shirt durch die Bude laufen?“ Die Maßlosigkeit sei ein Grundübel dieser Zeit, wobei sich Krönauer persönlich davon keineswegs ausnimmt. Er findet: Die Definition von Wohlstand sollte überprüft werden.

Das Festprogramm am 17. Juli

Die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz feiert ihr 50-jähriges Bestehen am Sonntag, 17. Juli, in der Jugendsiedlung Königsdorf. Das Programm im Überblick:

11 Uhr: Podiumsdiskussion „Drei Jahre Volksbegehren Artenschutz – alles gut?“ auf der Bühne am Biergarten. Diskussionsteilnehmer: Gisela Sengl (Grüne), Alexander Radwan (CSU), Tobias Ruff (ÖDP), Ruth Müller (SPD) und Peter Fichtner (Bauernverband), Moderation: Dr. Georg Bayerle.

14 Uhr: Heini Zapf spielt mit dem Trio Zapf Weltmusik mit Swing, Musette und Tango sowie bayerisch, dazu kabarettistische Einlagen.

15 Uhr: „Dr. Döblingers geschmackvolles Kasperltheater“ mit dem Stück „Kasperl und die Freiheit“ von und mit Josef Parzefall, Richard Oehmann und Stefan Betz.

19.30 Uhr: Hans Well & Wellbappn spielen im Sternenzelt. Hans Well, Spiritus Rector der Biermösl Blosn, bringt mit seinen Kindern ein politisch-unterhaltsames Stück mit viel Musik auf die Bühne. Eintrittskarten zu 30 Euro gibt es im Vorverkauf bei Käse Jäger in Kochel am See, bei der Raiffeisenbank Beuerberg, in der Buchhandlung zum Winzerer und im „Ois ohne“-Laden in Bad Tölz sowie bei Uhren und Schmuck Thanner in Wolfratshausen und Zeitschriften Baumgartner in Icking.

Darüber hinaus: Biergartenmusik mit den BirnBaumBuam, Infostände der Kräuterpädagoginnen, des Landesbund für Vogelschutz, der Energiewende Oberland, der Akademie Linden und der Solidarischen Landwirtschaft Isartal, umfangreiches Kinderprogramm mit Eselwanderungen, Exkursionen und Spielen.

Es sei an der Zeit, an die nächste Generation zu denken, oder besser: an die nächsten Generationen. „Ich glaube, dass es besser ist, den Kindern eine intakte Umwelt zu hinterlassen als ein gefülltes Bankkonto“, sagt der Vater von zwei Kindern. Der Gletscherabbruch an der Marmolata, die Dürre in Italien: „Das sind alles Schüsse vor den Bug.“ Doch es gibt auch Momente der Hoffnung für den Schlehdorfer, etwa, als er kürzlich in Oberfranken eine Feldlerche gehört hat. Sie galt in Deutschland schon als beinahe ausgestorben.

Podiumsdiskussion mit prominenten Gästen

Zum 50-jährigen Bestehen hat die Kreisgruppe unter dem Titel „Brotzeit, Kultur und Artenschutz“ ein Programm entworfen, das sich sehen lassen kann (siehe Kasten). Den Auftakt bildet eine Podiumsdiskussion mit einem brisanten Thema: „Drei Jahre Volksbegehren Artenschutz – alles gut?“ Dabei ziehen Peter Fichtner (Kreisobmann des Bauernverbands), Alexander Radwan (Bundestagsabgeordneter der CSU), Ruth Müller (Landtagsabgeordnete der SPD), Tobias Ruff (ÖDP-Stadtrat in München und Mitverfasser des Begehrens) sowie Gisela Sengl (Landtagsabgeordnete der Grünen) eine Zwischenbilanz. (vu)

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