Hans-Jürgen Mayer öffnet das Geretsrieder Einrichtungshaus „Sitzmacher!
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Der rote Teppich ist ausgerollt: Hans-Jürgen Mayer freut sich darauf, wieder Kunden im Geretsrieder Einrichtungshaus „Sitzmacher“ zu begrüßen.

Erleichterung – aber auch Unsicherheit

Einzelhandel darf Montag öffnen: Der rote Teppich liegt bereit

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Ab Montag gelten in Bayern Lockerungen. Die Öffnungsperspektive für den Einzelhandel sorgt für Erleichterung im Nordlandkreis – aber auch Unsicherheit.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Bleibt die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis auf dem Niveau der vergangenen Tage, dürfen Geschäfte am kommenden Montag wieder öffnen. Bei einem stabilen Wert unter 50 ist das möglich, so die Aussage von Ministerpräsident Markus Söder am Donnerstag. Die Freude bei Einzelhändlern darüber ist allerdings noch verhalten, da die neue Verordnung noch nicht vorliegt.

Hans-Jürgen Mayer wollte seine Kunden direkt mit einer Werbeanzeige informieren, dass sein Geretsrieder Einrichtungshaus „Sitzmacher“ am Montag wieder für sie da ist. Doch mangels klarer Instruktionen ruderte er lieber wieder zurück. „Erst war ich euphorisch, jetzt verunsichert“, so der Geschäftsführer am Donnerstagnachmittag. „Noch fehlen die klaren Instruktionen.“ Fest steht für Mayer aber: Wenn er darf, liege der rote Teppich für seine Kunden bereit. „Die für uns beste Zeit, November bis Februar, wurde uns genommen. Es muss jetzt weitergehen“, sagt Mayer.

„Die Kunden sind es leid und wir auch“

Auch Ines Boodevaar vom gleichnamigen Modehaus in Wolfratshausen ist froh um die Öffnungsperspektive. „Wir hängen jeden Tag am Telefon, aber die Kunden wollen lieber selbst an die Waren gehen und auch ein paar Sätze im Geschäft wechseln“, berichtet die Einzelhändlerin. „Die Kunden sind es leid und wir auch.“ Nun müsse sie allerdings erstmal sehen, wie die Regelungen umzusetzen sind. Auch sei im Laden noch das eine oder andere vorzubereiten, bevor sie aufsperren kann. „Wir sind sehr perfektionistisch“, betont Boodevaar.

Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 im Landkreis sieht der Beschluss von Bundes- und Landesregierung vor, dass Händler mit ihren Kunden Termine zum Einkaufen vereinbaren können. „Das wäre schon eine Verbesserung“, meint Boodevaar. Allerdings frage sie sich, wie sich das organisieren lasse. „Ich kann mir nicht vorstellen, Kunden in ein Zeitkorsett zu zwängen“, so die Kauffrau. Hans-Jürgen Mayer vom Sitzmacher hätte es da leichter. „Als Fachmarkt könnten wir das umsetzen“, sagt er.

Zufrieden? „Ja und nein“

Noch am Mittwoch war Ludwig Schmid, Vorsitzender von ProCit Geretsried, mit anderen Vertretern von Innenstadtinitiativen und Händlern bei Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, um ihm die Resolution „Wir bluten aus“ zu überreichen (wir berichteten). Ob er mit der nun verkündeten Öffnungsperspektive zufrieden ist? „Ja und nein“, sagt Schmid. Bei Aiwanger sei es primär um Folgemaßnahmen gegangen. Mit den Regelungen ab Montag sei der Handel noch lange nicht gerettet. „Wir freuen uns über jegliche Perspektive, aber die Planbarkeit ist nur schwer gegeben“, so der ProCit-Vorsitzende. Auch gehe es beim Einkaufen ja um mehr als den benötigten Bedarf zu stillen. Aber „Einkaufen im gesellschaftlichen Sinne ist auch das nicht“. Zudem müsse man sehen, ob es für einzelne Händler wirtschaftlich Sinn macht zu öffnen, wenn die Kundenzahl durch vorgegebene Zeitfenster limitiert ist. „Ich würde mir wünschen, dass wir einen vernünftigen Umgang mit Corona finden, der alle Aspekte abdeckt – gesundheitliche und wirtschaftliche.“

Der Werbekreis Einkaufstadt Wolfratshausen hat sich am Donnerstagmorgen per Mail an Landrat Josef Niedermaier gewandt. In dem Schreiben setzt sich der Verein für die Öffnung des Handels und der Freiluftgastronomie ein. „Der Landrat hat auch schon geantwortet, er ist im Geiste bei uns“, berichtete Vorsitzender Hans-Joachim Kunstmann am Nachmittag. Angesichts der stark gebesserten Zahlen sei die zwischenzeitig beschlossene Regelung ein angemessener Schritt. „Wir sind erleichtert“, so Kunstmann. Allerdings müsse man weg von einer Verbotskultur. „Wir müssen es als Gesellschaft schaffen, eine Kultur des freundlichen Abstands zu schaffen.“

Buchhandel atmet auf

Unabhängig der Entwicklung des Inzidenzwerts dürfen Buchhandlungen am Montag öffnen. Sie zählen nun wie Blumenläden und Gartenmärkte zum Einzelhandel des täglichen Bedarfs. „Das hätten wir uns schon vor einem Jahr gewünscht, freuen uns aber auch jetzt“, sagt Sarah Ulbrich von der Geretsrieder Buchhandlung Osiander. Da sie Click & Collect angeboten hat, sei alles im Geschäft bereit, auch Neuerscheinungen vorhanden. Ulbrich: „Es ist sehr schön, dass sie jetzt wieder zum Stöbern kommen dürfen.“

sw

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