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Knall, Puff und Peng: Die Stadt Wolfratshausen wird laut Bürgermeister Heilinglechner künftig auf die imposanten Effekte verzichten. 

„Es besteht noch viel Aufklärungsarbeit“

Feuerwerke stehen im Landkreis auf der Abschussliste

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Schlechte Luft, Lärm und Straßen voller Müll: Auch die Städte im Landkreis wollen beim Thema Feuerwerk mit gutem Beispiel vorangehen: Bad Tölz setzt auf eine Lasershow, Wolfratshausen wird keine Feuerwerke mehr in Auftrag geben.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ohrenbetäubender Lärm, zahllose Verletzte, riesige Abfallberge und tonnenweise Feinstaub: Das traditionelle Silvesterfeuerwerk ist in den Augen vieler Menschen aus der Zeit gefallen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat in dieser Woche gegenüber 31 Städten mit hoher Luftbelastung ein Verbot privater Böllerei zum Jahreswechsel beantragt. Auch im Landkreis steht das kontrovers diskutierte Thema inzwischen auf der Tagesordnung.

Deutsche Umwelthilfe fordert Verbot von privater Böllerei

Schon in der jüngsten Silvesternacht ging die Stadt Bad Tölz einen neuen Weg. Neben dem traditionellen Barock-Feuerwerk mit musikalischer Untermalung am Kurhaus ließ die die Kommune an der Isarbrücke ein zweites abbrennen. An die Bürger richtete die Stadt den Appell, die Choreografie der Profis zu bestaunen statt selbst Raketen in den Himmel zu schießen. „So richtig geklappt hat es aber noch nicht“, räumt Susanne Frey-Allgaier, stellvertretende Kur- und Tourismusdirektorin, im Gespräch mit unserer Zeitung ein. Doch die Kreisstadt bleibe auf dem Kurs, mittelfristig „die private Böllerei gänzlich einzudämmen“.

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Theoretisch könnte die Kommune die Isarbrücke und das Flussufer komplett zum Veranstaltungsort erklären und dort privates Feuerwerk in der Nacht auf Neujahr verbieten. „Praktisch wären aber 60 bis 80 Sicherheitskräfte notwendig, um das Verbot konsequent durchzusetzen“, weiß Frey-Allgaier. „Das macht keinen Sinn.“ Zudem würde der Tölzer Stadtrat bei seiner Entscheidung mutmaßlich vor den horrenden Personalkosten zurückschrecken.

„Es braucht noch viel Aufklärungsarbeit“

Steter Tropfen höhlt den Stein: Dieses Motto gilt für die Leiterin des Veranstaltungsreferats in puncto Kracher und Raketen. „Es braucht noch viel Aufklärungsarbeit“, meint Frey-Allgaier. Derweil werde die Stadt Bad Tölz mit gutem Beispiel vorangehen, beim Kurparkfest am kommenden Sonntag wird’s – anders als bislang – kein Feuerwerk geben. „Wir feiern gleichzeitig 50 Jahre Heilklima“, so die Vize-Kurdirektorin. Gesunde Luft und Schwarzpulver-Schwaden: „Das passt für uns nicht zusammen.“ Alternativ wird eine Lasershow zu sehen sein – allerdings ist auch dieses extrem intensive Licht nicht unumstritten. „Aber es gibt im Kurpark ja zum Glück keine Wildtiere“, meint Frey-Allgaier mit einem Augenzwinkern.

Auch interessant: Kommentar: Warum das Silvesterfeuerwerk abgeschafft gehört

Mit Blick auf den Jahreswechsel 2019/2020 sind die Würfel in Bad Tölz ebenfalls gefallen: Es wird erneut ein zentrales Feuerwerk am Kurhaus sowie eins an der Isarbrücke geben. Wiederum mit dem Ziel, dass weniger Privatpersonen ihre Raketen und Böller abfeuern.

Bad Tölz: Zentrales Feuerwerk am Kurshaus

In der Wolfratshauser Altstadt ist es seit Jahren untersagt, Pyrotechnik zu zünden. Der Grund: vorbeugender Brandschutz. Hinsichtlich des Feuerwerks, mit dem laut Programmheft Ende Juli das Flussfestival an der alten Floßlände hätte enden sollen, intervenierte Bürgermeister Klaus Heilinglechner persönlich. Das heißt, er legte sein Veto ein. In der Flößerstadt werde das Thema Klimaschutz groß geschrieben, ein Feuerwerk würde die Bemühungen konterkarieren, meint der Rathauschef. Heilinglechner weist auf das Bürgerbegehren für mehr Artenschutz („Rettet die Bienen“) sowie Dieselfahrverbote in deutschen Städten hin: „Umweltschutz ist keine Einbahnstraße“, für ihn haben die Kommunen Vorbildfunktion.

„Mündige Bürger“ müssen selber entscheiden

Von einem generellen Pyro-Verbot in der Silvesternacht hält Heilinglechner nichts. „Bevormunden“ wolle er die Wolfratshauser nicht. Der „mündige Bürger“ müsse selbst entscheiden, ob er durch den Verzicht auf Böller und Raketen seinen Beitrag zum Schutz der Natur und der Tierwelt beitragen wolle. Aber: „Die Stadt wird keine Feuerwerke mehr in Auftrag geben“, kündigt Heilinglechner an. Dies tat sie bis dato beim Flussfestival sowie bei der Johanni-Floßprozession.

Von seiner Entscheidung unberührt bleibt das Feuerwerk, das bisher das Sommerkonzert der städtischen Musikschule krönte: „Das gab nie die Stadt in Auftrag“, erklärt der Bürgermeister, „sondern es wurde gespendet.“

Dazu ein Kommentar von unserem Redaktionsleiter: Warum das Silvesterfeuerwerk zum Jahreswechsel gehört

Die Stadt Geretsried hat in der Vergangenheit keine eigenen Feuerwerke veranstaltet. Ob im Jubiläumsjahr 2020 – gefeiert wird die Erhebung zur Gemeinde- beziehungsweise zur Stadt – Raketen gen Himmel geschossen werden, „wird zu gegebener Zeit geprüft“, sagt Geschäftsleiterin Ute Raach. 

cce

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