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Gefahr durch Sonnenbrand: Die Wolfratshauser Dermatologin Dr. Ilona Schreiber warnt vor allem Sportler vor einem ungeschützten Aufenthalt im Freien. 

Beim Fußballspielen, Bergwandern oder Skifahren vor der Sonne schützen

Freiluftsportler: Hautkrebsrisiko steigt

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Bergwandern, Radfahren, Skilaufen: Kaum jemanden hält es in den vier Wänden, wenn sich die Sonne blicken lässt. Doch so schön das Gefühl der wärmenden Strahlen auf der Haut ist – der Eigenschutz wird dabei oft vergessen. Dr. Ilona Schreiber vom Hautarztpraxis-Zentrum Wolfratshausen schlägt Alarm: „Sport treiben wird immer mit ,gesunder Lebensform‘ gleich gesetzt. Das stimmt – aber nur mit entsprechendem Sonnenschutz.“ Gerade bei Freiluftsportlern sei die Zahl der Hautkrebserkrankungen in den vergangenen Jahren enorm gestiegen.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Welcher Fußballer denkt angesichts des Gegners primär an Sonnencreme? Einer, der seit 25 Jahren bei jedem Training und bei jedem Spiel an der Seite seiner Kicker steht, ist Fußballtrainer Klaus Brand. „Bei uns war und ist Hautkrebs nie ein Thema gewesen“, räumt der 62-Jährige ein. „Ich kenne auch keinen Spieler, der sich erst einmal eincremt, bevor er aufs Spielfeld läuft.“

Bei zwei- bis dreimal Training pro Woche plus Spiel und Aufwärmzeiten kommen locker acht Stunden in der Sonne zusammen. „Steht im Hochsommer ein Spiel an, haben wir von der Vereinsführung schon einmal überlegt, es von 15 Uhr in die Abendstunden zu verlegen“, sagt Brand. „Das war aber nicht dem Thema Hautkrebsgefahr geschuldet, sondern der tropischen Hitze.“

Nicht umsonst warnen Hautärzte seit Jahren vor zu langen Sonnenbädern ohne ausreichenden Schutz. Die Folgen sind schmerzhafte Sonnenbrände, hervorgerufen durch UV-B-Strahlen, die in den oberen Hautbereich eindringen. Noch Jahre später kann aus geschädigten Zellen Hautkrebs entstehen. UV-A-Strahlen galten lange Zeit als weniger gefährlich. Ein Irrtum, denn sie dringen tief bis zur Lederhaut vor. Die Folgen sind eine schnellere Hautalterung sowie Flecken- und Faltenbildung. Zudem verändern sie das Erbgut in den Zellen. „Durch Sonnenbrände wird die Haut langfristig geschädigt – und zwar irreparabel. Die Haut vergisst nie“, sagt Medizinerin Schreiber.

Berg- und Skisportler, die sich auf die neue Saison freuen, zählen laut Schreiber zu der absoluten Risikogruppe. Pro Höhenmeter steigt die Kraft der Sonnenstrahlung um sechs Prozent, Schnee und Eis reflektieren etwa 80 Prozent wieder zurück. Ähnlich sieht’s für Segler aus: Neben der Reflektion durch die Wasseroberfläche setzen sich kleine Tröpfchen auf die Haut, die die Sonnenstrahlen wie Brenngläser bündeln.

Regelmäßige Hautscreenings 

„Es ist grundsätzlich wichtig, dass sich Menschen, die sich oft im Freien aufhalten, in gewissen Zeitabständen einem Hautscreening unterziehen“, betont Schreiber. Hierbei wird die Haut nach Auffälligkeiten untersucht, Muttermale und Leberflecke mittels Technik auf das Zwanzigfache vergrößert. „So kann man frühzeitig bösartige Hauttumore oder deren Vorstufen erkennen und umgehend reagieren.“

Immerhin findet ein erstes Umdenken statt. „Der nach Tiroler Nussöl riechende, braun gebrannte Italienurlauber wie in den 1970er-Jahren ist nicht mehr ,in‘“, stellt Schreiber fest. Auch in Vereinen wird das Thema zunehmend ein Thema. „Wir empfehlen unseren Mitgliedern, sich auf alle Fälle vor der UV-Strahlung zu schützen“, betont Anke Ellmann von der Tölzer Sektion des Deutschen Alpenvereins. „Bei Tagesausflügen steht die Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor ganz automatisch auf der Mitbringliste.“

Dermatologin Ilona Schreiber legt Wert auf die Feststellung: „Ich möchte keine Ängste schüren, ich möchte auf die Prävention hinweisen. Denn: „Der Körper ist das Kapital eines jeden Sportlers. Ihn zu schützen, sollte oberstes Gebot sein.“

Welche Arten von Hautkrebs gibt es?

Der helle Hautkrebs ist zwar behandelbar, aber nicht heilbar. Er entsteht an Körperstellen, die jahrelang der UV-Strahlung ausgesetzt waren, wie Nase, Ohren oder Unterarme. Anzeichen für hellen Hautkrebs ist eine rote, sich schuppende und leicht herausstehende Stelle, die nicht von selbst abheilt, sondern mit der Zeit größer wird. Das maligne Melanom, auch schwarzer Hautkrebs genannt, ist der gefährlichste Hauttumor. Hier wandeln sich pigmentbildende Zellen in bösartige Zellen um. Wachsen diese unkontrolliert weiter und dringen in benachbartes, gesundes Gewebe ein, spricht man von einem bösartigen Tumor. Die große Gefahr ist, dass die bösartigen Zellen über Blut und Lymphe in andere Körperteile gelangen und sich dort ansiedeln. Hier entstehen dann sogenannte Metastasen. Maligne Melanome entwickeln sich häufig aus bereits vorhandenen Leberflecken. Asymmetrie, ausgefranzte Ränder, unterschiedliche Farbtöne und Knotiges in die Höhe wachsen sind Warnsignal.

Wie schützt man sich vor Hautkrebs?

Am sichersten ist es, übermäßige UV-Strahlung zu meiden. Besonders intensiv ist diese zwischen 11 und 15 Uhr. Bei Sonnencreme sollte man, insbesondere bei erhöhter Schweißneigung, zu sogenannten liposomalen Produkten greifen. Die UV-Schutzfilter sind hier in kleinste Fettkügelchen verpackt, die in die Haut eindringen und die Filter in die oberste Hautschicht transportieren. Bei Aktivitäten im Freien ohne ausreichenden Sonnenschutz weicht der Schweiß, ebenso wie das Wasser beim Schwimmen, die Haut auf – als Folge dringt die Strahlungen leichter ein. Zudem sollte an einen ausreichenden Lippenschutz gedacht werden. Auch Nachcremen ist wichtig: Durch Schwitzen und Reibung verliert der Lichtschutzfaktor mit der Zeit seine Wirkung. Der beste Vorbeugung ist gerade beim Sporttraining die Kleidung. Insbesondere Kopf, Schultern und Fußrücken sowie die Unterarme sollten geschützt werden, da die UV-Strahlen hier fast senkrecht auf die Haut treffen. Eine Kopfbedeckung mit Schild kann diese um bis zu 70 Prozent verringern.

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