Ein Skelett in einem Schaufenster
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Die Gastronomiebetriebe müssen weiter warten. Ob sie ihre Innenbereiche wieder öffnen dürfen, wird erst am 22. März diskutiert. Von dem Gast in diesem Cafè ist wohl keine Bestellung zu erwarten. (Symbolfoto)

Lockdown-Lockerungen

Der große Frust: Gastronomen enttäuscht von Corona-Beschlüssen

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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In Bayern werden die Corona-Regeln gelockert - die Gastronomie bleibt zu. Wirte im Landkreis sind enttäuscht und fordern Planungssicherheit.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Lockerungen des Corona-Lockdowns eröffnen gewissen Bereichen des Handels, der körpernahen Dienstleistungen und der Kultur eine Perspektive. Gastronomie und Hotellerie sind diese Woche dagegen leer ausgegangen. Das sorgt in der Branche für große Enttäuschung, Frust und Unverständnis.

Monika Poschenrieder findet deutliche Worte für die jüngsten Beschlüsse von Bund und Ländern. „Für die Gastronomie ist es Mist, für die Hotels eine Katastrophe“, urteilt die Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA). Gehofft habe man auf eine klare Ansage und verständliche Öffnungsstrategie. Stattdessen sei das Chaos nun perfekt.

Demnach darf ab dem 22. März lediglich die Außengastronomie öffnen – aber nur, wenn die Inzidenz in den 14 Tagen zuvor unter 50 lag. Liegt der Wert zwischen 50 und 100, müssen Termine gebucht werden. Bei verschiedenen Hausständen sind außerdem Schnell- und Selbsttests geplant. „Die gibt es noch nicht mal“, moniert Poschenrieder. Und auch sonst seien die Vorgaben viel zu kompliziert und nicht durchdacht. „Was sollen wir zum Beispiel machen, wenn das Wetter umschlägt, die Gäste aber nicht ins Innere dürfen?

„Wir sind Unternehmer, wir müssen planen können.“

Noch schlimmer trifft es aus Poschenrieders Sicht die Hotels. Sie bekämen jetzt die Anfragen für Ostern, für Hochzeiten und Tagungen. Über die Öffnungen von Hotels und Ferienwohnungen will die Bundesregierung aber erst am 22. März debattieren. Dann soll es auch um das Thema Innengastronomie gehen. „Aber wir sind Unternehmer, wir müssen planen können.“ Außerdem habe sich gezeigt, dass die Inzidenzwerte nach der Schließung von Gastronomie und Hotellerie nicht gesunken seien. „Wir sind nicht schuld.“ Dass die Branche dennoch nicht öffnen dürfe, nennt die DEHOGA-Kreisvorsitzende eine „Farce“.

Anfang der Woche standen vor vielen Wirtschaften im Landkreis gedeckte Tische. Die Aktion sollte auf die prekäre Lage der Branche aufmerksam machen. Beteiligt hatten sich auch die Oberhausers in Egling, die Gasthof, Metzgerei und Hotel betreiben. „Es hat gar nichts gebracht“, ärgert sich Doreen Oberhauser. Dass nun wieder mehr private Treffen möglich sind, aber nicht mit Abstand und Registrierung in einer Wirtschaft, kann die Gastronomin nicht nachvollziehen. Jeder, der am Montag an ihrem gedeckten Tische vorbeikam, hätte ebenfalls Unverständnis geäußert. „Die Leute sind hungrig danach, wieder Essen zu gehen.“

Dass Oberhauser möglicherweise den Biergarten ab 22. März wieder öffnen kann, ist keine wirkliche Perspektive. „Ich denke nicht, dass das etwas bringt“, sagt sie. Die Inzidenz müsse passen, und das Wetter auch. „Unser Biergarten liegt im Schatten.“ Viele Unsicherheiten, dafür dass Mitarbeiter aus der Kurzarbeit geholt werden müssten. Immerhin das Mitnehm-Angebot des Gasthofs und die warmen Gerichte aus der Metzgerei würden gut angenommen. Unter der Woche kämen Monteure im Hotel unter. Dass dort bald auch wieder andere Gäste reservieren, darauf macht sich Oberhauser allerdings wenig Hoffnung. Auch in Sachen Feiern sieht es düster aus. „Für April, Mai und Juni sagen viele jetzt schon wieder ab.“ Insgesamt sind im Wirtshaus wegen Corona nun bereits sieben Monate lang die Lichter aus. „Und jetzt ist es noch schwieriger als im vergangenen Jahr“, sagt Oberhauser.

Wirte fürchten, nach ein paar Tagen wieder schließen zu müssen

Am Freitag fielen Schneeflocken auf den Biergarten der Flößerei in Wolfratshausen. Wer weiß, wie es Ende März an der Loisach aussieht? „Es ist eine sparsame Variante, die Außengastronomie im Winter zu öffnen“, sagt Flößerei-Wirt Dominik Tabak. Er nennt das einen „Alibibeschluss, damit Ruhe einkehrt“. Er freue sich, wenn er wieder aufmachen dürfe, allerdings brauche er Planbarkeit. „Wir müssen sieben Tage vorher Ware bestellen und Personal aus der Kurzarbeit holen“, erklärt Tabak. Und das, ohne viel Umsatz erwarten zu können oder zu wissen, ob die Inzidenz zum Tag X stimmt. Was dem Ganzen die Krone aufsetzt: „Die November- und Dezemberhilfen sind noch gar nicht angekommen.“

Auch Daniele Sangermano vom Geretsrieder Restaurant „Da Daniele“ fragt sich, wie er die Regelung in der Praxis umsetzen soll. „Ich kann doch nicht alles vorbereiten, wenn ich nicht weiß, ob ich in drei Tagen wieder schließen muss. Was ist das für ein Spielchen?“, fragt der Gastronom. Sangermano betont, dass er das Problem respektiere. „Meine Nichte ist Krankenschwester.“ Doch sein Lokal sei sein Traum, für den er alles gegeben habe. „Ich erlaube nicht, dass es den Bach runter geht.“ Er habe aufgrund der Pandemie im vergangenen Jahr extra ein Zelt im Außenbereich aufgestellt, um mehr Abstand zwischen den Tischen zu haben. Auch für den Mitnehm-Service lasse er sich immer etwas Neues einfallen. „Ich mache alles, was die Politiker sagen.“ Von den Beschlüssen werde er jedoch immer wieder enttäuscht. „Haben sie uns vergessen?“ Er hätte sich eine vernünftige Entscheidung erhofft. Sangermano: „Wenn die Inzidenz steigt, könnten wir zum Beispiel mit weniger Tischen weitermachen.“

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