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Blühen wieder in vielen Gärten: die Pfingstrosen.

Gott und die Welt

Der Geist weht, wo er will – immer da, wo Gutes entsteht

In der neuen Folge von „Gott und die Welt“ macht sich Irmgard Huber, Leiterin der Frauenseelsorge im Erzbischöflichen Ordinariat München, über das Pfingstfest Gedanken.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Pfingsten steht vor der Tür, das Fest des Heiligen Geistes. Die Bibel erzählt davon, dass er mit Feuerzungen und Sturmgebraus die verängstigte Schar der Jünger und Jüngerinnen in Bewegung brachte, sie aus den Häusern trieb und sie in allen Sprachen mitreißend die Frohbotschaft verkünden ließ.

Irmgard Huber ist die Leiterin der Frauenseelsorge im Erzbischöflichen Ordinariat München.

Die große Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen (1098-1179) fasste für ihr eigenes Leben das Wirken des Heiligen Geistes in ein anderes, sanfteres Bild. In einem Brief an einen bedeutenden Geistlichen ihrer Zeit berichtete sie, dass sie sich manchmal wie eine kleine weiße Feder fühle, die aus sich selbst heraus nichts bewirken könne. Erst durch das Wehen des Geistes Gottes werde sie in Bewegung gebracht.

Der Vergleich hinkt ein bisschen, denn eine Feder kann sich aus sich selbst ja tatsächlich nicht bewegen, ein Mensch schon. Hildegard wollte durch dieses Bild zeigen, dass sie ihre Durchsetzungskraft, ihre Kreativität und ihren Einfluss auf ihre Mitmenschen als Gottesgeschenk empfand. Weil sie sich Gottes Führung anvertraute, gelang ihr Vieles, was für eine mittelalterliche Nonne ungeheuerlich war.

Interessant ist, dass das Wort für Gottes Geist im Hebräischen ein weibliches ist: ruach. Das Wehen des Geistes und die Wehen einer Gebärenden haben eine gedankliche Verwandtschaft, denn in der hebräischen Wortwurzel ist das Verb enthalten, das für das stoßende, Leben hervorbringende Atmen der in den Wehen liegenden Frau gebraucht wird. Wo die Geistkraft wirken kann, da entsteht Neues, da geht das Leben weiter, könnte man sagen. Am vergangenen Montag war ich tief berührt von einem Beitrag im „Weltspiegel“: Sechs blutjunge afghanische Frauen haben es geschafft, aus Autoteilen ein extrem preisgünstiges Beatmungsgerät für Corona-Patienten zu entwickeln. Ausgerechnet in einem Land, wo gewalttätige Taliban Mädchen am liebsten ganz von Bildung fernhalten würden und Frauenrechte extrem klein schreiben wollen, gelingt einer Gruppe technikbegeisterter Mädchen eine Sensation. Einfach göttlich, könnte man sagen.

Der Geist weht, wo er will – immer da, wo Gutes entsteht. Davon bin ich überzeugt. Der Geist Gottes bringt Menschen nicht nur dazu, ihren Glauben frohmachend und mitreißend zu bekennen, er ist die Ursache für alle Kreativität, die Positives schafft – überall in der Welt. Gerade jetzt, wo wir mühsam weltweit nach Wegen suchen, um den Lockdown hinter uns zu lassen und trotz Corona ein Miteinander und Füreinander zu versuchen, sollten wir pfingstlich denken und darauf vertrauen, dass Gottes Geist uns Menschenkinder nicht im Stich lässt.

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