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Schutz gegen das Virus: In vielen Apotheken im Landkreis ist der Mundschutz momentan vergriffen.

„Wir sind bestens vorbereitet“

Gewappnet gegen das Coronavirus: So reagieren Unternehmen, Kliniken und Betriebe im Landkreis

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Nachdem sich im Kreis Starnberg ein Coronavirus-Verdacht bestätigte, reagieren auch Kliniken und Betreiber im Landkreis auf die gefährliche Krankheit aus China. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Das neuartige Coronavirus legt derzeit weite Teile Chinas lahm, mehrere Millionen Menschen stehen im Reich der Mitte unter Quarantäne. Am Montag wurde im Nachbarlandkreis Starnberg der erste deutsche Fall bekannt. Unternehmen, Kliniken und Apotheken im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen haben bereits darauf reagiert.

Coronavirus: Unternehmen, Kliniken und Apotheken sind gewappnet

„Eine Zehnerpackung Mundschutz habe ich noch da, dann ist alles weg“, sagt Christopher Hummel, Apotheken-Sprecher im Landkreis. Vom Großhandel habe er erfahren, dass die Nachfrage nach Mundschutz am Dienstag auf das über Zehnfache gestiegen sei. Hummel: „Das ist wirklich interessant, normalerweise verkaufe ich die kaum.“ Doch der Apotheker weiß auch: „Mit normalem Mundschutz kann man sich nur bedingt schützen.“ Effektiver sei es, sich oft die Hände zu waschen und große Menschenmassen zu meiden.

Die Kreisklinik Wolfratshausen hat sich für einen möglichen Virus-Ausbruch gewappnet. „Wir sind bestens vorbereitet“, sagt Geschäftsführer Ingo Kühn. Mitarbeiter seien geschult, ein Isolationszimmer errichtet und Schutzmaßnahmen, wie Mundschutz und Personalkittel, besorgt, damit „alle sicher sind“. Die Stimmung in der Klinik sei gut und „relativ gelassen“. Kühn: „Als Klinik ist es schließlich unsere Aufgabe, jederzeit auf infektiöse Erkrankungen vorbereitet zu sein.“

Bad Tölz-Wolfratshausen: Mundschutz in Apotheken wird knapp

Harro Harms, Geschäftsführer der Tölzer Firma Sitec, flog am Dienstagabend mit dem Flieger nach Singapur. „Ein bisschen grummelt es mir schon im Bauch“, sagte er am Dienstag kurz vor dem Abflug gegenüber unserer Zeitung. „Aber ich bin mir sicher, mein Gesellschafter würde mich nicht fliegen lassen, wenn die Situation kritisch wäre.“ In China unterhält Sitecs Mutterkonzern Singapore Aerospace Manufacturing ein Werk. Klassische Vorkehrungen, wie Schutzmasken oder das Vermeiden von Nies-und Hustenkontakt, seien dort laut Harms bereits getroffen. Der Maschinenhersteller Dorst Technologies aus Kochel am See pflegt ebenfalls intensive Geschäftsbeziehungen mit Fernost. „Wir stimmen uns zur Zeit genau mit den chinesischen Kunden ab“, sagt Hubert Löcherer. Ob Montagen oder Geschäftsreisen durchgeführt werden, entscheide das Unternehmen von Fall zu Fall.

Die Wolfratshauser Firma Eagle Burgmann betreibt Standorte in China. „Wir nehmen die Situation mit Besorgnis wahr“, sagt Leonie Schultens von der Freudenberggruppe, zu der die Firma gehört. In China unterstütze man die Kollegen mit Hygiene- und Verhaltensempfehlungen und Mundschutz. Auch Mitarbeiter in Deutschland möchte das Unternehmen schützen. „Deshalb sind überhaupt nur dringende und nicht verschiebbare Reisen erlaubt“, so Schultens.

Coronavirus: Betriebe „nehmen Situation mit Besorgnis wahr“

Glück hatte Geretsrieds Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl. Als Gesellschafter der Musikinstrumentenfirma Buffet Campon muss er oft nach China, in letzter Zeit aber nicht. Doch dem Vielreisenden fiel auf: „In Frankreich am Flughafen gibt es viel mehr Kontrollen wegen des Virus.“ Das Rote Kreuz stehe direkt am Ankunftsterminal, verteile Info--Zettel und teste vereinzelte Leute auf das Virus. Meinls Meinung nach wäre dieses Vorgehen in Deutschland ebenfalls nötig: „Wir haben hier so viel Reiseverkehr. Deshalb wird das Virus hier immer mehr werden.“

Ausbruch von Coronavirus betrifft auch Schule in Bad Tölz

Unmittelbare Auswirkungen hat der Ausbruch des Coronavirus an der Beruflichen Oberschule Bad Tölz. Dort pflegt man seit mehreren Jahren eine Partnerschaft mit der Polytechnic Highschool in Wuhan – also just der Millionenstadt in Zentralchina, in der die Epidemie mutmaßlich ausgebrochen ist und in der es viele Fälle gibt. Die Schulleitung hat am Dienstag beschlossen, einen für Ende März geplanten Schüleraustausch mit Wuhan abzusagen. „Das ist uns unter den aktuellen Umständen zu gefährlich“, sagt Schulleiter Andreas Stefan. In Zukunft solle die Partnerschaft auf alle Fälle fortgesetzt werden.

In China ist derweil die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten weiter drastisch gestiegen. Deutsche könnten schon bald aus China ausgeflogen werden. Ein Virus-Experte warnt nun vor der Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland.

Wegen einer möglichen Coronavirus-Infektion sitzen Tausende Menschen auf einem Kreuzfahrtschiff vor Italiens Küste fest.

VON FRANZISKA KONRAD UND ANDREAS STEPPAN

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