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Auslastung lässt zu wünschen übrig: Grüne auf Werbetour für den X-Bus

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Von: Peter Herrmann

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Fühlten sich wohl im Expressbus: Mitglieder der Wolfratshauser und Geretsrieder Grünen fuhren am Freitag zu ihren Tölzer Parteifreunden.
Fühlten sich wohl im Expressbus: Mitglieder der Wolfratshauser und Geretsrieder Grünen fuhren am Freitag zu ihren Tölzer Parteifreunden. © Peter Herrmann

Die Grünen-Ortsverbände wünschen sich bessere Auslastung der neuen Linien. Bei einer Fahrt durch den Landkreis machten sie Werbung.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Seit fast einem halben Jahr sind die Linien X970 und X320 zwischen Starnberg, Wolfratshausen, Geretsried und Bad Tölz beziehungsweise zwischen Wolfratshausen und Furth unterwegs. Die Nutzung des günstigen ÖPNV-Angebots lässt nach Ansicht der Grünen aber noch zu wünschen übrig. Grund genug für die Ortsverbände aus Wolfratshausen, Geretsried und Bad Tölz, kräftig die Werbetrommel zu rühren.

Mit einigen Minuten Verspätung hält der Expressbus am Freitagnachmittag an der gegenüber vom Bahnhof liegenden Haltestelle an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen. Sofort erkennt der Fahrer den Rollstuhl eines wartenden Fahrgasts und erleichtert ihm mit einer mobilen Rampe den Einstieg. Ihm folgen die Wolfratshauser Grünen-Stadträte Dr. Hans Schmidt, Jennifer Layton, der Beuerberger Kreisrat Jakob Koch sowie weitere Grünen-Mitglieder. Vor dem Geretsrieder Rathaus stoßen dann noch Marius Schlosser und weitere Grüne hinzu, sodass der Bus mit gut zwei Dutzend Fahrgästen – darunter ein 13-jähriger Schüler und einige Berufspendler – gut gefüllt ist.

Bad Tölz-Wolfratshausen: Grünen-Ortsverbände fahren X-Bus

Dass diese hohe Auslastung eher ungewöhnlich ist, weiß die Reisegruppe. „Manchmal sitze ich fast alleine im Bus, dabei sind der Tarif und die Taktung doch sehr angenehm“, erklärt Andreas Sander. Als Rechtsanwalt vertritt er oft Mandanten am Wolfratshauser Amtsgericht und bevorzugt bei der An- und Abfahrt die ÖPNV-Variante.

Etwa 35 Minuten nach der Abfahrt von Wolfratshausen erreicht der Expressbus seine vorletzte Haltestelle. Das kühle Kellergewölbe der nur wenige Meter entfernt gelegenen Tölzer Mühlfeld-Brauerei bietet sich bei hochsommerlichen Temperaturen für einen Vortrag von Jakob Koch mit anschließender Debatte an. „Wir müssen“, schickt der Wolfratshauser Grüne Hans-Georg Anders voraus, „alle Möglichkeiten ausschöpfen, damit dieser tolle Bus erhalten bleibt.“ Dr. Thomas Maurer, Ortssprecher der Tölzer Grünen, gibt ihm Recht. Sein Sohn sei kürzlich in Schiedsrichterausrüstung mit dem Bus zu einem Fußballspiel nach Geretsried gefahren.

Mit Neun-Euro-Ticket lohnt sich Umstieg finanziell noch mehr

Mit dem am Freitag vom Bundesrat beschlossenen Neun-Euro-Monatsticket werden solche Fahrten sogar noch günstiger. „Da hat man schon bei einer Hin- und Rückfahrt mit dem Expressbus fast die Ausgaben eingespielt“, rechnet Marius Schlosser vor. Er arbeitet im Büro des Holzkirchner Bundestagsabgeordneten Karl Bär und plädiert für eine langfristige Reduzierung des Autoverkehrs bei gleichzeitiger Bevorzugung des Bus- und Schienenverkehrs.

Jakob Koch verweist in seinem Vortrag auch auf das Erreichen ambitionierter Klimaziele, die mit geringerem Flächenverbrauch und sozialer Teilhabe einhergehen. Der junge Kreisrat rechnet damit, dass die Einwohnerzahl im Landkreis in den kommenden 16 Jahren von derzeit 127.000 auf 137.000 steigt. Davon nutzen etwa 63 Prozent mindestens ein Auto. „Der ÖPNV muss die Daseinsvorsorge für Mobilität im gesamten Landkreis sicherstellen und soll mittelfristig eine attraktive und nachhaltige Alternative zum motorisierten Individualverkehr bilden“, wünscht sich Koch.

„Nur bei höherer Auslastung wird der Expressbus auf Landkreisebene zum Erfolgsmodell“

Dass dies eine finanzielle Belastung für den Landkreis ist, räumt er ein. So würden die Betriebskosten des Expressbusses jährlich bei 2,45 Millionen Euro liegen, rund 1,6 Millionen Euro zahle der Freistaat. Über den Ticketverkauf würden in diesem Jahr wahrscheinlich etwa 300 000 Euro eingenommen, wodurch der Kreis 2022 ein Defizit von 558.000 Euro stemmen müsse. „Dieses Geld fehlt im Kreishaushalt leider an anderen Stellen“, bedauert Koch. Sein Fazit: Nur bei höherer Auslastung wird der Expressbus auf Landkreisebene zum Erfolgsmodell. Um das Angebot auch bei den im Landkreis lebenden Ausländern bekannter zu machen, regt Lena Gneist die Erstellung von Piktogrammen und mehrsprachigen Hinweisschildern an.

Am Ende der rund dreieinhalbstündigen Werbetour erreicht auch Jakob Koch am Wolfratshauser Bahnhof seinen Anschlussbus nach Beuerberg. Die Abstimmung der Fahrpläne auf andere Regionalbuslinien und die S-Bahn hat zumindest an diesem Tag bestens funktioniert.

Peter Herrmann

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