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Grundrente für Geringverdiener: Das sagt der VdK im Landkreis dazu

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Von: Carl-Christian Eick

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Altersarmut: „Ich kenne persönlich Menschen, die nicht mehr als 50 bis 100 Euro im Monat zur Verfügung haben“, sagt Cornelia Irmer, Vorsitzende des VdK-Ortsverbands Geretsried. © dpa

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) pocht auf der Einführung einer Grundrente für Geringverdiener. Der VdK im Landkreis begrüßt diese Pläne - und fordert mehr.

Bad Tölz-WolfratshausenDer Koalitionspartner CDU/CSU ist skeptisch, die Grünen zweifeln die Finanzierbarkeit an. Der Sozialverband VdK im Landkreis hält Heils Vorstoß für einen Schritt in die richtige Richtung. „Doch eine Grundrente alleine wird nicht ausreichen“, meint die Vorsitzende des VdK-Ortsverbands Geretsried, Altbürgermeisterin Cornelia Irmer.

Heils Pläne sehen vor, dass Millionen Geringverdiener nach einem langen Arbeitsleben automatisch höhere Renten bekommen. Kleine Renten sollen um bis zu 447 Euro im Monat aufgestockt werden. „Aus VdK-Sicht ist das der richtige Weg“, sagt Irmer im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie fordert darüber hinaus eine verbindliche Zusage der Politik, dass die Renten über das Jahr 2025 hinaus entsprechend den Löhnen steigen. Wer sein Leben lang gearbeitet hat, „muss im Alter von seiner Rente leben können“, so Irmers Credo. Die Lebensleistung von Millionen Menschen müsse „honoriert werden“, stellt die Altbürgermeisterin fest.

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Um der Altersarmut vorzubeugen, ist laut Irmer zeitnah eine Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro notwendig. Derzeit sind es 9,19 Euro, im kommenden Jahr klettert die Lohnuntergrenze um 16 Cent. Vor allem Frauen und Männer, die im Niedriglohnsektor tätig sind – „zum Beispiel Altenpflegerinnen, Reinigungskräfte und Friseurinnen“ –, seien von Altersarmut bedroht, begründet Irmer ihre Forderung.

Marianne Estner, Vorsitzende des VdK-Kreisverbands Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach, ist derselben Meinung. Viele Niedriglohnbezieher würden von der Hand in den Mund leben. „Wie sollen die denn privat fürs Alter vorsorgen?“ Es gebe „ganz, ganz viele arme Menschen“ in den gemeinhin als Schlaraffenland geltenden Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach. Vor allem verwitwete Frauen, die mit ihrer kargen Rente kaum das Nötigste kaufen können. „Denken Sie nur mal an die extremen Mietpreise und die hohen Lebenshaltungskosten in unserer Region.“

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„Ich kenne persönlich Menschen, die nicht mehr als 50 bis 100 Euro im Monat zur Verfügung haben“, berichtet Irmer. „Jedes unvorhersehbares Ereignis, eine kaputte Waschmaschine oder eine Krankheit“ seien gleichbedeutend mit einer Katastrophe. Existenzangst sei für viele Senioren ein ständiger Begleiter, ein täglicher Peiniger. „Wir helfen, soweit es möglich ist“, betont VdK-Kreisvorsitzende Estner. Doch die Fischbachauerin weiß auch: „Viele Rentner, die kaum genug zum Leben haben, schweigen aus Scham, statt um Hilfe zu bitten.“

Knapp 11 000 Mitglieder zählt der Sozialverband in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach, fast zwei Millionen Frauen und Männer gehören bundesweit dem VdK an. „Die Beratungsnachfrage unserer Mitglieder ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen“, sagt Estner. Das Problem, dass die Rente am Tag x nicht reicht, „ist seit Jahrzehnten bekannt“, sagen Estner und Irmer unisono. Beide erinnern sich noch sehr gut an das gebetsmühlenartig vorgetragene Versprechen des ehemaligen CDU-Bundesarbeitsministers Norbert Blüm, dass die Rente sicher sei. „Die Rente ist sicher, ja, aber sie reicht nicht“, merkt Estner an. Für die Kreisvorsitzende des VdK wäre eine Grundrente „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“. Estner: „Es wäre ein Anfang“, doch angesetzt werden müsse bei den Niedriglöhnen. „Das weiß auch jede Partei“, meint Irmer. Doch noch habe offenbar niemand den Mut, das Übel an der Wurzel zu packen. Dem Bundesarbeitsminister Heil attestiert Irmer, das Grundrenten-Modell „gut durchgerechnet“ zu haben.

Dass Rentnern häufig eine starke Lobby fehle, führt die VdK-Kreisvorsitzende nicht zuletzt darauf zurück, dass die jungen Semester das Thema Altersversorgung häufig gar nicht auf dem Radar hätten. Estner: „Doch das Thema holt sie ein.“

cce

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