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Haarschnitt mit Maske: Friseursalons dürfen wieder öffnen

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Haarschnitt mit Maske: Friseursalons dürfen wieder öffnen
Weniger Dauerwelle, mehr Desinfektion: Emel Mert (li.) und Selen Mertn müssen in ihrem Salon nach jedem Kunden gründlich sauber machen. © sh

Heute ist es endlich soweit: Friseursalons öffnen wieder. Die Salons erwarten eine erhöhte Nachfrage und mehr Aufwand.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Viele haben es herbeigesehnt: An diesem Montag dürfen Friseure in Bayern wieder öffnen. Von einem normalen Betrieb sind die Salons aber weit entfernt: Es gilt einige Einschränkungen und Regeln zu beachten. Die Terminbücher der Friseure im Landkreis sind trotzdem gut gefüllt.

Friseure dürfen in Bayern wieder öffnen

Emel Mert hat in ihrem Laden „4 Haareszeiten“ in Wolfratshausen aufgerüstet und Desinfektionsstationen im Eingangsbereich installiert. „Das sind Vorkehrungen, die wir alle im Moment treffen müssen“, sagt Mert. 

Dazu zähle auch, dass sie deutlich weniger Kunden als normalerweise drannehmen könne. „Wir brauchen mehr Zeit für jeden Einzelnen“, sagt sie. Obligatorisches Haarewaschen vor jedem Schnitt, möglichst keine Kontakte unter den Besuchern und aufwendige Desinfektionen nach jedem Besuch sind Pflicht.

Obligatorisches Haarewaschen vor jedem Schnitt

So mancher Kunde, der wie alle seit mindestens sechs Wochen unfrisiert ist, wird sich noch länger gedulden müssen, bis er wieder zum Haareschneiden kann. „Wir haben schon sehr viele Termine“, sagt Emel Mert im Gespräch mit unserer Zeitung. Wie aufs Stichwort klingelt im Hintergrund das Telefon ihres Geschäfts. Die nächste Kundin möchte einen Termin ausmachen.

„Wir haben schon sehr viele Termine“

Bei „Die 3 Friseure“ in Geretsried melden sich derzeit viele Stammgäste, die einen neuen Haarschnitt benötigen. Ganz so schnell wie erhofft wird es auch hier für die meisten nicht gehen: „Wir können nicht so viele Kunden betreuen wie üblich“, sagt Petra Deininger, Inhaberin des Salons. Sie plant für die einzelnen Besucher wegen der zusätzlichen Hygienemaßnahmen deutlich mehr Zeit ein. Statt einer halben Stunde benötigen Deininger und ihr Team künftig eine Stunde pro Männer-Haarschnitt. „Wir müssen nach jedem Besuch alles desinfizieren.“

Auf Disziplin der Kunden angewiesen

Deininger ist zudem auf die Disziplin ihrer Kunden angewiesen. „Wenn jemand deutlich zu spät zu seinem Termin kommt, kann das den ganzen Zeitplan umschmeißen“, erklärt die Chefin. Wer dagegen viel zu früh kommt, wird vor dem Laden warten müssen, bis er an der Reihe ist, weil die Kunden sich nicht begegnen sollen. 

Der gewohnte Wartebereich mit Zeitschriften zum Zeitvertreib muss zubleiben. Im Laden selbst dürfen sich neben den Friseuren nur drei Kunden aufhalten. Je einen Radius von über 20 Quadratmetern braucht es pro Kunden, in dem sich nur er selbst und der Friseur aufhalten dürfen. „Unser Geschäft ist zum Glück groß genug, dass wir diesen Platz für drei Kunden bieten können“, berichtet Deininger.

Verlängerte Öffnungszeiten

Um den großen Ansturm an Isolations-Frisuren bändigen zu können, hat Claudia Drexl-Weile die Öffnungszeiten ihres Salons verlängert. Im „Alpenföhn und Isarwelle“ in Icking werden Kunden künftig auch montags frisiert. „Nach Absprache machen wir den Salon auch mal früher auf oder später zu“, sagt die Friseurmeisterin. Sie begegnet damit den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie und den Kunden, die schon lange auf einen Friseurbesuch warten, gleichermaßen. 

„Es ist schon eine riesige Nachfrage im Moment.“ Erst gegen Ende Mai seien wieder einige Termine frei. Drexl-Weile: „Wir haben jetzt erst einmal viele Kunden, deren Termine in den vergangenen Wochen abgesagt werden mussten.“

„Es ist schon eine riesige Nachfrage im Moment“

Während der Zwangsschließung habe sich eine ganze Menge aufgestaut, sagt Drexl-Weile. Auch wenn die Friseurmeisterin kreativ darauf reagierte: Sie erklärte online in Videos, wie man sich mit einfachen Mitteln zuhause die Haare selbst pflegen kann. Das sollte die Überbrückung bis zum nächsten Friseurbesuch erleichtern.

Das volle Programm dürfen die Salons auch jetzt noch nicht anbieten: Jegliche Behandlungen im Gesicht der Kunden – zum Beispiel Bartpflege bei den Männern oder Wimpernbehandlungen bei Frauen – sind ausgeschlossen. Und „waschen, schneiden, färben“ muss mit Maske im Gesicht des Kunden und des Friseurs vonstattengehen.

Salons dürfen nicht volles Programm anbieten 

„Ich bin wirklich gespannt, wie das funktioniert“, sagt Deininger. Vor allem für die Kommunikation sehe sie „eine gewisse Herausforderung“. Mert berichtet, dass „viele Leute wirklich Probleme mit der Atmung bekommen“, wenn sie die Masken zu lange vor Mund und Nase tragen. Eine Neun-Stunden-Schicht mit etwas eingeschränkter Atmung – „das wird schwierig“.

Trotzdem sind alle drei froh, dass es weitergeht. „Nach den vielen Wochen ist es wirklich schön, wieder aufmachen zu können“, sagt Mert. Die Einnahmen der vergangenen Wochen werden allerdings kaum aufgeholt werden können: „Dafür müssten wir 24 Stunden durcharbeiten.“ 

Verluste durch Corona können kaum aufgeholt werden

Deininger stimmt zu: „Unsere Umsätze waren gleich null und werden in den nächsten Wochen auch eingeschränkt sein. Aber wir freuen uns, dass wir jetzt wieder anfangen dürfen.“ Und die Einschränkungen? „Das wird sich schon einpendeln.“

Große Erleichterung herrscht auch bei dem Betreiber des Isar-Kaufhauses: Auch er darf sein über 800 Quadratmeter großes Geschäft ab Montag wieder öffnen.

dst

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