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Faszinierende Himmelskunde: Auch der Bau der Isartalsternwarte in Königsdorf wurde durch Fördermittel der EU unterstützt. Eingeweiht wurde das Gebäude im Jahr 2014.

Europäische Union

So profitieren Landkreisbürger von Förderungen der EU

Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen profitieren die Bürger von der Europäischen Union. Bis zu 50 Prozent der Nettokosten eines Projekts werden von ihr finanziert. Ein Mammutprojekt in Lenggries wurde durch die EU-Mittel überhaupt erst denkbar. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ob beim Sporteln am Bewegungsparcours in Geretsried oder beim Wandern im Tölzer Land: Landkreisbürger profitieren von der Europäischen Union (EU). Sie fördert in allen 28 Mitgliedsstaaten Projekte und Programme. Beispielsweise ermöglichten europäische Fördergelder die 24 Millionen Euro teure Ertüchtigung und Modernisierung des Sylvensteindamms. Und Angebote wie der Bewegungsparcours und das Wanderwegekonzept wurden mit Leader-Mitteln umgesetzt.

Fördermittel ermöglichten Modernisierung von Sylvensteindamm

Leader steht für „Liaison entre actions de développement de l’économie rurale“, zu deutsch „Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“. Bewertet werden die Projekte in der Leader-Region Bad Tölz-Wolfratshausen von einer Lenkungsgruppe, die Dr. Andreas Wüstefeld leitet. Ihm geht es um mehr als das bloße Verteilen von Geldspritzen. „Durch die Fördermittel werden Projekte ermöglicht, die sonst nicht zustande kommen würden“, sagt Wüstefeld. „Es geht vor allem um ideelle Werte, die geschaffen werden.“

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Gerade ehrenamtlich organisierte Einrichtungen, wie die Sternwarte in Königsdorf oder der Erinnerungsort Badehaus in Waldram, „wurden von einem unglaublichen und bemerkenswerten Einsatz getragen“, so der Leiter der Leader-Lenkungsgruppe. Dieses „hochehrenamtliche Engagement“ alleine würde oftmals nicht ausreichen, um die Kosten für die teuren Projekte komplett abzudecken. Bis zu 50 Prozent der Nettokosten eines Projektes werden kofinanziert. „Leider scheitern manchmal hoffnungsvolle Ideen, wenn die zweite Hälfte der Finanzierung nicht gestemmt werden kann.“

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Bis zu 50 Prozent der Nettokosten kofinanziert

Wüstefeld sieht es als großen Vorteil, dass im Landkreis selbst entschieden wird, welche Angebote von der Förderung profitieren. Der Lenkungsausschuss setzt sich aus zwei Vorsitzenden, Vertretern des Landkreises, der Städte Bad Tölz und Geretsried, der Gemeinde Eurasburg und einigen Verbänden wie dem Landesbund für Vogelschutz oder dem Bayerischen Bauernverband zusammen. Bei allen Entscheidungen des Gremiums „geht es immer um die Frage, was ein Projekt für die Menschen der Region bringt“. Grundlage ist ein Strategiepapier, das unter anderem die Ziele festlegt, ein attraktives Lebensumfeld zu sichern und zu entwickeln und die Lebensraumqualität für alle Altersgruppen zu verbessern.

EU unterstützt Wolfratshauser Surfwelle

Positive Beispiele für erfolgreiche Leader-Projekte gibt es zuhauf. Unterstützt wurde etwa das Radverkehrskonzept des Landkreises, das mehr Menschen im Alltag auf den Drahtesel bringen soll. Und in der Jugendsiedlung Hochland können Politik-Interessierte dank EU-Fördergeldern in einem geschichtlichen Archiv zur politischen Bildung stöbern. Eine kräftige Finanzspritze aufgezogen hat die EU zudem für die in Wolfratshausen geplante künstliche Surfwelle: 335 000 Euro Zuschuss sind zugesagt.

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„Von diesen Einrichtungen können Menschen im Landkreis tagtäglich profitieren“, sagt Wüstenfeld. Die Projekte würden Menschen zusammenbringen und „Produkte schaffen, die eine große Bereicherung in ganz unterschiedlichen Feldern bringen“. Beim Besuch einer der vielen Leader-Projekte im Landkreis erlebe man ein Stück EU hautnah. „Das ist der eigentliche Nutzen der Förderung“, so Wüstefeld.

Zum Abschluss des Millionenprojekts „Sanierung des Sylvensteindamms“ kamen 2016 Umweltministerin Ulrike Scharf (li.) sowie Staatskanzleichef Marcel Huber und dessen Frau Adelgunde – nach vier Jahren Bauzeit

Ein finanzielles Mammutprojekt, das nur durch EU-Mittel denkbar wurde, ist die Modernisierung des Sylvensteindamms. Möglich waren die 24 Millionen Euro teuren Umbauten, weil die Europäische Union tief in die Tasche gegriffen hatte und das Bauprojekt mit üppigen Fördergeldern unterstützte. Seinerzeit „wurde von den bayerischen Ministern entschieden, dass dieses Projekt in das Förderprogramm rutschen konnte“, erklärt Tobias Lang, am Weilheimer Wasserwirtschaftsamt (WWA) zuständig für den Stausee. Ein Grund für diese Entscheidung war, dass ohne die modernisierte Dichtungsanlage ein „hohes Schadenspotenzial für die Anwohner der Isar entstanden wäre“.

Nachdem der Landkreis davon nicht ganz so stark betroffen war wie einige Regionen in Niederbayern wurde die Förderung für die Baumaßnahme formell an einen niederbayerischen Landkreis gezahlt – ein normaler Vorgang, wie Lang betont. Auch wenn der Damm im Landkreis liegt, „wirkt er ja für den ganzen Bereich von Bad Tölz bis nach Plattling“.

dst

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