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Staubtrocken: Der Osten Deutschlands, hier ein Bild aus Thüringen, leidet derzeit besonders unter den ausbleibenden Niederschlägen. Im Süden soll sich die Lage ab Freitag entspannen: Es ist Regen angekündigt.

Klima

Frühjahr zu trocken - doch Meteorologe gibt Entwarnung  

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Im April fiel im Oberland kaum Regen. Doch noch sind die Landwirte kaum besorgt. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Peter Fichtner ist gelassen. Als Landwirt ist es der Kreischef des Bayerischen Bauernverbands gewohnt, „im Hier und Jetzt“, zu leben. „Wenn ich wüsst’, wann’s regnet oder nicht, oder ob die große Trockenheit droht, würde ich jetzt sofort in die Lotto-Annahmestelle marschieren, spielen und dem Herrgott einen schönen Tag wünschen“, sagt der Bad Heilbrunner und lacht. Das Problem der vergangenen Tage sei der stete Ostwind gewesen. „Der trocknet das Land aus. Aber wir Grünland-Bauern zehren noch von der Winterfeuchtigkeit, und die Vegetationsphase beginnt gerade erst.“ Fichtner weiß natürlich, „dass es im Wald anders ausschaut“.

Kai Zorn teilt Fichtners Gleichmut. „Im Süden ist der Spuk ab Freitag vorbei, dann regnet’s nämlich“, prophezeit der Meteorologe aus Ellbach. Er ist unter anderem für den Online-Dienst wetter.com und diverse Fernsehsender tätig. Überregional sei die aktuelle Trockenheit natürlich ein Thema – etwa „ab der Holledau nordwärts bis zur Ostsee“. In Franken seien ganze Wälder vertrocknet. „Sie können aber nicht abgeholzt werden, weil das Wasser fehlt, um wieder aufzuforsten.“

Die Wälder im Oberland stehen aktuell unter Beobachtung. Die Regierung von Oberbayern wies das Tölzer Landratsamt an, auf Überwachungsflügen vom Segelflugzentrum (SFZ) in Königsdorf aus nach Waldbränden Ausschau zu halten. Am Dienstag startete die erste Maschine, bis zu diesem Donnerstag sollen weitere Flüge folgen. „Danach ist ja Regen angekündigt“, sagt Thomas Wendl, stellvertretender Leiter des Luftbeobachtungsstützpunkts.

Die Flugroutine sieht so aus: Jeweils gegen 15 Uhr startet ein Motorsegler mit einem von sechs speziell ausgebildeten Luftbeobachtern des Landratsamts an Bord und fliegt eine festgelegte Route ab. Sie führt von Königsdorf Richtung Südwesten, am Ostufer des Starnberger Sees entlang und dann nach Osten zum Ebersberger Forst und weiter über Miesbach und Aying zurück nach Königsdorf. Der Luftbeobachter ist per Digitalfunk mit der Einsatzzentrale des Katastrophenschutzes verbunden. Seit den ersten Jahren der Gründung ist auch das SFZ für die Luftrettungsstaffel Bayern unentgeltlich und ehrenamtlich im Einsatz. Die Königsdorfer stellen laut Wendl „zehn Piloten sowie fünf Motorsegler und zwei Flugzeuge bereit“. Da bei gutem Wetter auf dem Stützpunkt während des ganzen Jahres Segelflugsport betrieben werde, seien die Maschinen – zugleich die Schleppflugzeuge für die Segelflieger – in kürzester Zeit startklar. Zum Aufgabengebiet der bestens geschulten Staffel zählt die Luftbeobachtung von Schadensereignissen wie Waldbrände und Windbruch, die vorbeugende Überwachung, Gewässer- und Umweltschutz, Lawinenkontrolle und die Schadensdokumentation.

Tierschutz-Organisationen empfahlen in den vergangenen Tagen, in den Gärten insbesondere für Vögel Tränken aufzustellen. „Das ist sinnvoll“, sagt Dr. Sabine Tappertzhofen vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Wichtig sei jedoch, das Wasser täglich zu wechseln, „sonst bekommen wir ein Hygieneproblem“. Außerdem, mahnt die Leiterin der Wolfratshauser LBV-Geschäftsstelle, „müssen die Wasserstellen katzensicher sein“.

Die große Frage bleibt: Müssen wir uns auf einen weiteren Glutofen-Sommer einstellen? Experte Zorn, dem der notorische Hype um an sich ganz normale Wetter-Ereignisse generell „oft viel zu groß“ ist, winkt ab. Das Klima wandle sich, habe sich schon immer gewandelt und werde dies auch künftig tun – ungeachtet der Dinge, die der Mensch zusätzlich dazu beiträgt. In den zurückliegenden Jahrhunderten habe es in Deutschland heiße Sommer gegeben, „gegen den war der von 2018 gar nichts“. Und der kommende? Wird laut Zorn wohl weder megatrocken noch superheiß. In den vergangenen 500 Jahren sei es nämlich „genau einmal“ vorgekommen, dass sich das Wetter einer Jahreszeit in der gleichen des folgenden Jahres wiederholt habe, sagt der Wetter-Mann: „Die Winter 1600 und 1601 waren beide sehr kalt und schneereich.“ Die Chance, einen neuerlichen Hitze-Sommer zu bekommen liege „bei 2,5 Promille“ – oder 0,25 Prozent.

peb

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