26.900 Wohnungen im Kreis werden vonEigentümern genutzt Für den Großteil der jüngeren Generation ist es undenkbar, eine Wohnung zu kaufen – von einem Hausbau ganz zu schweigen. Foto: DPA „Die ticken andersals die Generationihrer Eltern“

Wohnen in den eigenen vier Wänden

25- bis 40-Jährige sind die Verlierer

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Die Quadratmeterpreise für Bauland im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen schrauben sich Jahr für Jahr in die Höhe. Wohnen in den eigenen vier Wänden ist für viele unerschwinglich. Die „Verlierer-Generation“ sind die 25- bis 40-Jährigen.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Das teuerste Pflaster im Landkreis ist Icking. Durchschnittlich 900 Euro müssen in der Isartalgemeinde für einen Quadratmeter unbebauten Grund auf den Tisch gelegt werden. „Aber es gibt natürlich Lagen, in denen man noch deutlich mehr zahlt“, weiß Peter Schneider, Sachverständiger im Gutachterausschuss des Landkreises. Das Gremium ermittelt regelmäßig die sogenannten Bodenrichtwerte – die Daten basieren auf den tatsächlich im Landkreis getätigten Grundstücksverkäufen.

Derjenige, dessen Traum vom eigenen Haus aus finanziellen Gründen platzt und stattdessen mit dem Erwerb einer Eigentumswohnung liebäugelt, muss ebenfalls tief in die Tasche greifen. Ein Beispiel: Die Sparkasse vertreibt die Wohnungen, die im Zuge des Neubauprojekts „Centrum 20“ auf dem Geretsrieder Karl-Lederer-Platz entstehen. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis: 4600 Euro. Nicht zu vergessen: Die sogenannten Erwerberkosten, die sich durch den Notartermin, die Grunderwerbsteuer, die Maklerprovision und die Eintragung ins Grundbuch summieren. Faustregel: Kaufpreis plus zehn Prozent.

Im Landkreis gibt’s aktuell rund 26 900 Wohnungen, für die keine Miete bezahlt werden muss, weil sie ihre Eigentümer selbst nutzen. Das ist das Ergebnis einer Regional-Untersuchung, die das Pestel-Institut in Hannover in Auftrag gegeben hat. Die Wohneigentumsquote im Kreis liegt bei rund 48 Prozent. Zum Vergleich: In Bad Tölz sind es 36, in Wolfratshausen 47 und im bundesweiten Durchschnitt 45 Prozent. In puncto Wohneigentum sieht das Pestel-Institut zwischen Icking und Jachenau „noch Luft nach oben“.

  Die Hannoveraner haben im Süden Münchens eine „Verlierer-Generation“ ausgemacht. „Insbesondere die 25- bis 40-Jährigen können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten“, stellt der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther, fest. „Dabei gehören gerade die Jobstarter und Familiengründer zur typischen Klientel für Wohnungskauf und Hausbau.“ Und: Bei den Mittzwanzigern bis Enddreißigern handele es sich um eine relativ große Bevölkerungsgruppe. Rund 21 500 Frauen und Männer dieser Altersgruppe leben im Landkreis, davon allein rund 3100 in Bad Tölz sowie zirka 3200 in Wolfratshausen. Deren Aussicht auf Wohneigentum ist stark gesunken: „Bei den 25- bis 40-Jährigen ist die Eigentumsquote innerhalb von zwölf Jahren um 17,9 Prozent zurückgegangen“, berichtet Günther mit Blick auf den neuen Mikrozensus.

„Die eigenen vier Wände rangieren bei vielen zwar ganz oben auf der Wunschliste. Aber es hapert oft an guten Bedingungen für eine solide Finanzierung“, weiß der Institutsleiter. Daran sei mitunter eine unsichere berufliche Perspektive schuld: „Häufig werden gerade jungen Menschen nur Zeitverträge angeboten. Für einen Immobilienkredit wären allerdings unbefristete Jobs notwendig.“ Einen Vorwurf macht der Experte der Politik: Mit der Abschaffung der Eigenheimzulage sei vor elf Jahren die letzte Förderung von Wohneigentum in Deutschland „faktisch eingestellt worden“. Diese Entscheidung würde sich nun rächen: „Wohneigentum ist nämlich ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge. Und die kommt bei vielen jetzt zu kurz.“

Der Stellenwert, den die eigenen vier Wände im Alter hätten, lässt sich laut Günther auch daran erkennen, dass es derzeit bei den Senioren, die auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind, kaum Wohnungseigentümer gebe. Günther fordert Bund und Länder zu einer „politischen Kehrtwende pro Wohneigentum“ auf. Diesen Appell richtet er auch ausdrücklich an Landes- und Bundespolitiker aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Peter Schneider

Peter Schneider, Marktberichterstatter für den Immobilienverband Deutschland Süd, stößt ins selbe Horn. Er plädiert für die Streichung der Grunderwerbsteuer und die Wiedereinführung der Eigenheimzulage. „Wir brauchen nicht nur bezahlbare Mietwohnungen, sondern müssen auch die Eigentumsquote erhöhen.“ Von einer „Verlierer-Generation“ will Schneider aber nicht sprechen. Allenfalls gebe es „Tendenzen“, dass 25- bis 40-Jährige im Landkreis seltener als Immobilienkäufer auftreten. „Das hat natürlich auch mit der Eigenkapitalquote zu tun.“ Schneider rät, mindestens 20 bis 30 Prozent der benötigten Kaufsumme anzusparen. Das sei für viele, die zum Beispiel nach einem Studium relativ spät ins Berufsleben starten, eine große Hürde. Ohne „fremde Hilfe“, sprich eine Schenkung oder Erbschaft, bliebe der Immobilientraum für unter 40-Jährige häufig ein Traum.

„Sie dürfen aber nicht vergessen: Die 20- bis 30-Jährigen ticken anders als die Generation ihrer Eltern“, weiß der Immobilienwirt. Studium und/oder Job seien häufig mit Ortswechseln verbunden – mit dem Gedanken sesshaft zu werden, „spielen viele erst mit 40“, sagt Schneider. Denen, denen der schnöde Mammon für die schmucke Villa im Grünen fehlt, empfiehlt er: „Nicht jeder muss sich gleich ein Reihenhaus kaufen. Eine schöne Eigentumswohnung tut’s vielleicht auch.“

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