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Leidensweg: Auch an den Todesmarsch der KZ-Häftlinge wird im Badehaus erinnert. 

„Wer keine Erinnerung hat, hat auch keine Zukunft.“

Badehaus-Eröffnung in Waldram: Warum der Erinnerungsort so wichtig ist

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Mit der Eröffnung des Badehauses in Waldram wurde ein Erinnerungsort geschaffen. Das ist gerade heute wichtig.

Waldram – Was wohl Max Mannheimer am Sonntag beim Festakt zur Eröffnung des Badehauses gesagt hätte? Man hätte es nur zu gerne gehört. Doch da der große Zeitzeuge, Ehrenmitglied des Vereins „Bürger fürs Badehaus“, vor zwei Jahren verstorben ist, blieb nichts, als an ihn zu erinnern und ihn zu zitieren. So wiederholte der Staatsminister Florian Herrmann Mannheimers Worte: „Wer keine Erinnerung hat, hat auch keine Zukunft.“ Wahrscheinlich wäre Mannheimer mit seiner lakonischen Art auf die aktuelle Stimmungslage der Republik eingegangen. Und dass es neuerdings wieder Politiker gibt, die die NS-Zeit verharmlosen.

Statt seiner ergriffen andere das Wort. „Zu Beginn des Projekts 2012 hätten wir nie gedacht, welche Aktualität der Erinnerungsort innerhalb kurzer Zeit bekommen würde“, erklärte Dr. Sybille Krafft bei ihren einleitenden Worten. Den AfD-Politiker Alexander Gauland nannte sie nicht beim Namen. Doch jeder wusste, dass er gemeint war, als Krafft sagte: „Heute hören wir wieder schamloses Gefasel von der NS-Zeit als ,Fliegenschiss der Geschichte’ und müssen erleben, wie Erinnerungsarbeit als Gutmenschentum denunziert wird.“ Und: „Wer es heute noch nicht verstanden hat, wie wichtig es ist, aus unserer Geschichte zu lernen, dem ist wahrlich nicht zu helfen.“

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Staatsminister Florian Herrmann verwies darauf, welche Gefahr in diesem Punkt vom Internet und seinen „Echokammern“ ausgeht. „Wer mit 200 Rechtsradikalen befreundet ist, dessen Timeline schaut natürlich aus wie eine Ausgabe des ,Stürmers’“, sagte er, mit Anspielung auf das antisemitische Hetzblatt der Nationalsozialisten. Es gehe darum, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen statt sich immer nur in seiner Meinung bestätigen zu lassen.

So deutlich wie möglich wurde auch die evangelische Landesbischöfin Susanne Breit-Keßler bei der Weihe des Badehauses: Sie mahnte: „Wer auf Mitgefühl pfeift, wer egoistische Kaltschnäuzigkeit propagiert, stellt sich selbst ins Abseits.“ Und: „Feiern wir ein intelligentes Fest des Lebens, sagen wir Ja zu Toleranz, Demokratie und Rechtsstaat.“  vu

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