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Besuchermagnet: Im Waldramer Erinnerungsort Badehaus wurden seit der Eröffnung im Herbst 2018 über 5500 Besucher willkommen geheißen. Ein derartiger Erfolg war nicht vorherzusehen.

Sitzung wurde mit Spannung erwartet

Badehaus: Stadtrat bewilligt Zuschuss für Betriebskosten

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Der Wolfrathauser Stadtrat hat einen früheren Beschluss aufgehoben und bewilligt dem Badehausverein einen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 20.000 Euro jährlich. 

Update 14. Februar: Zuschuss ist bewilligt worden

Der Erinnerungsort Badehaus in Waldram hat sich zu einem Publikumsmagneten mit inzwischen über 5500 Besuchern entwickelt. Das Museum drücken jedoch Geldsorgen: Jahreseinnahmen von rund 56 000 Euro stehen Ausgaben in Höhe von 78 000 Euro gegenüber. Die Ehrenamtlichen baten die Stadt Wolfratshausen deshalb um eine Kofinanzierung des internationalen Marketings – und wurden erhört.. Der Stadtrat beschloss am Dienstagabend einstimmig, dem Verein Bürger fürs Badehaus unter die Arme zu greifen. Bis zu 20 000 Euro jährlich möchte die Kommune dafür in die Hand nehmen. „Das Badehaus hat eine überregionale Bedeutung erreicht“, betonte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW), der dem Verein für die „hervorragende Arbeit“ dankte. „Diese politische Bildung ist gerade in der heutigen Zeit ungemein wichtig.“ SPD-Fraktionschef Fritz Meixner betonte, dass der Verein und der Ort selbst „etwas Besonderes, ein Alleinstellungsmerkmal“ in der Stadt seien. Vor dem Engagement „aus der Mitte unserer Bürgerschaft“ könne der gesamte Stadtrat nur den Hut ziehen, so Meixner. Er wolle „den nächsten Schritt gehen“ und das Badehaus künftig auch „zu unserem Badehaus“ machen. Das heißt: Die Stadt solle den Verein bei Zuschussanträgen nicht mehr „als Bittsteller“ betrachten und der Stadtrat bei Veranstaltungen im Erinnerungsort mehr Präsenz zeigen. Josef Praller, Fraktionschef der Bürgervereinigung, sieht in der Unterstützung für das Projekt eine Signalwirkung für übergeordnete Stellen. Der Landkreis hatte wie berichtet einen Zuschuss abgelehnt. Heilinglechner betonte die fraktionsübergreifende Einigkeit in Wolfratshausen, das Badehaus zu unterstützen. Bis zu 20 000 Euro ist die Stadt bereit, dem Verein jährlich zuzuschießen. Dieser muss dafür einen Nachweis der jährlichen Einnahmen und Ausgaben erbringen.

Badehausverein beantragt Zuschuss für Betriebskosten

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wie geht es weiter mit dem Erinnerungsort Badehaus in Waldram? Seit einigen Monaten ist bekannt, dass die Ehrenamtlichen, die das Projekt nach wie vor tragen, am Rande ihrer Kapazitäten sind. Doch nicht nur das: Auch Geldsorgen drücken den knapp 500 Mitglieder zählenden „Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald e.V.“, wie er offiziell heißt. Betriebskosten, Reinigung und anderes mehr summieren sich inzwischen auf ein stattliches Minus. Daher hat der Verein bei der Stadt Wolfratshausen einen Antrag auf finanzielle Unterstützung gestellt, der gestern im Kulturausschuss nicht öffentlich vorberaten wurde und der am kommenden Dienstag in der Stadtratssitzung öffentlich behandelt wird. Um welche Summe es genau geht – darüber wird Stillschweigen bewahrt.

Klaus Heilinglechner, Wolfratshauser Bürgermeister

Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) ist inzwischen erklärter Fan des Badehauses. Er gibt zu, anfangs unterschätzt zu haben, welchen Rang es hat und wie viele Besucher es anziehen würde. „Inzwischen kann ich nur sagen: Hut ab“, erklärt er angesichts der Leistung, die die Ehrenamtlichen erbringen. „Gerade in diesen Zeiten ist die Erinnerung an die NS-Zeit wahnsinnig wichtig. Auch wenn es viele gibt, die es nicht mehr hören wollen oder verleugnen möchten.“ Der Stadtrat müsse sich überlegen, wie er mit der Beschlusslage umzugehen gedenkt. Er ist schon einige Jahre alt und besagt: In Zukunft keine Betriebskostenzuschüsse für das Museum.

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Finanziell sieht der Rathauschef nicht nur die Stadt Wolfratshausen in der Pflicht, sondern auch Vereine, Kommunen und Institutionen in der Umgebung. „Das Badehaus hat eindeutig überregionale Bedeutung.“ Daher sei es auch bedauerlich, dass sich der Landkreis – der übrigens nicht Mitglied ist – kürzlich geweigert habe, Geld zuzuschießen. Das Argument: Man dürfe andere Museen nicht benachteiligen. „Man muss da schon unterscheiden“, betont Heilinglechner. Ein Heimatmuseum sei mit dem Badehaus nicht vergleichbar. Zudem: „die Glentleiten bekommt auch staatliche Mittel vom Regierungsbezirk.“

Ein Beispiel, das Mut machen könnte, ist die Gemeinde Münsing. Nach den Städten Wolfratshausen, Geretsried und Penzberg sowie den Gemeinden Berg, Dietramszell, Egling und Königsdorf ist das Dorf am Ostufer des Starnberger Sees jetzt die achte Kommune, die Mitglied geworden ist. Für eine solche „juristische Person“ werden 150 Euro pro Jahr fällig. „Auch wir sollten einen Beitrag zur Unterstützung und Wertschätzung der jahrelangen ehrenamtlichen Aufbauarbeit für diese bedeutende Gedenkstätte leisten“, sagte Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) in der Gemeinderatssitzung am Dienstag. Ernst Ramert (Wählergruppe Holzhausen) ergänzte, er habe kürzlich an einer Führung durch den Erinnerungsort teilgenommen. „Es war beeindruckend. Man sollte solche Dokumentationsstätten in Zeiten, in denen der Radikalismus um sich greift, unbedingt unterstützen.“ Grasl wies darauf hin, dass die Gemeinde bereits in 15 Vereinen Mitglied sei, vom Bund Naturschutz über den Planungsverband bis zu den Freunden der Kreisklinik Wolfratshausen.

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Und noch ein ermutigendes Signal hat der Badehausverein empfangen, und zwar von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Michael in Wolfratshausen. Mitglied ist man schon seit 2013. Doch jetzt hat der Kirchenvorstand auch noch beschlossen, „als Zeichen der Wertschätzung bis auf Weiteres eine jährliche Förderung von 500 Euro aus Haushaltsmitteln vorzusehen“, wie Pfarrer Florian Gruber erklärt. „Der Erinnerungsort Badehaus ist nach Überzeugung des Kirchenvorstands ein für Wolfratshausen und für die ganze Region wesentlicher Ort, um die eigene – und weltweit einzigartige – Geschichte am historischen Ort zu dokumentieren und zu vermitteln“, schreibt er. Dabei ähnle es weniger einem Heimatmuseum, als vielmehr – wenn auch im kleineren Rahmen – einer KZ-Gedenkstätte oder dem NS-Dokumentationszentrum in München. Sein Appell: „Es sollte dringend und dauerhaft von Kreis und Stadt als eigene Aufgabe begriffen und gefördert werden.“

Dr. Sibylle Krafft, Vorsitzende des Vereins, will über den Antrag an sich nichts sagen: „Wir haben alles auf den Tisch gelegt, es liegt jetzt am Stadtrat.“ Als der Beschluss gefasst wurde, kein Geld zu Betriebskosten beizusteuern, sei nicht absehbar gewesen, welcher Erfolg dem Badehaus beschieden sein würde. Seit der Eröffnung im Herbst 2018 seien weit über 5000 Besucher gezählt worden. „Damit brauchen wir uns vor keinem hochsubventioniertem Museum in München verstecken.“ 

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