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Premiere: Erstmals fand die Jahresversammlung des Badehaus-Vereins an Ort und Stelle statt.

„Da entsteht etwas ganz Wunderbares“

Badehaus-Verein tagt erstmals in künftiger Gedenkstätte

Zum ersten Mal konnte die Jahresversammlung der „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ in den eigenen vier Wänden stattfinden. Die Dokumentationsstätte nimmt Form an.

Wolfratshausen – Die Kabel für die Computeranschlüsse hingen noch von der Decke. Die Stühle stellte Dekan Gerhard Beham zur Verfügung. Doch die Farbe an den Wänden und auch der Boden waren trocken. Es sprach also nichts gegen die erste Jahresversammlung des Vereins „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ im eigenen Gebäude. Über 100 Gäste – unter ihnen Wolfratshausens Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller und Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller – drängten in den fast überfüllten Raum.

Bevor Zeitzeuge Robbi Waks sowie die beiden Autoren Hans-Peter Föhrding und Dr. Heinz Verfürth das Buch „Als die Juden nach Deutschland flohen“ vorstellten, blickten die Badehaus-Vorsitzenden Dr. Sybille Krafft und Wolfgang Saal auf ein arbeitsreiches Jahr zurück. Demnach leisteten die derzeit 337 Mitglieder allein im vergangenen Jahr 3086 ehrenamtliche Stunden. Zudem wurde die Finanzierung des geplanten Dokumentations- und Begegnungszentrums nach einem wahren „Antrags-Marathon“ aus verschiedenen Fördertöpfen sichergestellt. „Allein an der Baustelle haben im letzten Jahr 45 Männer und Frauen zusammen über 2000 Stunden gearbeitet“, berichtete Saal.

Eröffnung im nächsten Jahr geplant

Während die Sanierungsarbeiten auch dank der Mithilfe von verschiedenen Schulen weit fortgeschritten sind, sichtet und beschriftet die Dokumentationsgruppe immer noch fleißig Material. „Sie erstellen ein inhaltliches Konzept für die einzelnen Räume“, erklärte Krafft. Auf die Frage eines Mitglieds, wann die Dokumentationsstätte eröffnet werden könne, räumte Saal einen leichten Verzug ein: „Es wird wohl nicht wie anfangs geplant im Frühjahr 2018, sondern ein paar Monate später so weit sein.“

Dem Projekt ganz fest die Daumen drückt der Israeli Robbi Waks. Der heute 70-jährige Historiker lebte als Kind von 1949 bis 1957 im ehemaligen Displaced-Persons-Lager Föhrenwald. „Ich habe nur gute Erinnerungen daran“, sagte er. „Das war für uns Kinder das Paradies.“ In jiddischer Sprache las Waks Passagen aus dem autobiografisch geprägten Buch „Als die Juden nach Deutschland flohen“ vor. Verschmitzt gab er zu, dass er als kleiner Junger die Milchglasscheibe der Duschräume im Badehaus mit einem Stein eingeworfen hatte. „Da sind die jungen Mädels dann schreiend rausgerannt“, erinnerte er sich. Heute komme er schon allein wegen der frischen Weißwürste und dem Bier, die er von der Familie Henschelchen serviert bekommt, immer wieder gerne zurück nach Waldram. Bei den anschließenden Führungen durch die Räume des Badehauses zeigte sich der 70-Jährige beeindruckt. „Da entsteht etwas ganz Wunderbares“, ist er sich sicher.

Peter Herrmann

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