Badehaus, Exponat
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Im Waldramer Badehaus können Besucher das Schicksal der DPs (Displaced Persons, heimatlose Ausländer) auf drei Stockwerken sehr gut nachvollziehen.

Landrat Niedermaier kündigt Antrag an

Landkreis soll Mitglied im Badehaus-Verein werden

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Das Badehaus und sein Konzept haben Landrat Josef Niedermaier überzeugt. Dieser will, dass der Landkreis Mitglied im Verein wird.

Wolfratshausen – Der Festakt „75 Jahre DP Lager Föhrenwald“ hat nicht nur auf Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber Eindruck gemacht. Auch Landrat Josef Niedermaier, wie Stoiber erstmals vor Ort, hat einen guten Eindruck gewonnen. „Das war eine Top-Veranstaltung mit perfekt aufbereiteten Themen. Das verdient höchsten Respekt“, sagt er. Das Badehaus zeige einen wichtigen Bestandteil der deutschen Nachkriegsgeschichte. Dieser müsse dargestellt und für die Jugend verfügbar gemacht werden. Die geschichtliche Aufarbeitung sei wichtig. „Sie wirkt über den Landkreis hinaus und liegt in der Verantwortung aller staatlichen Ebenen vom Bund bis in die Kommunen.“

Der Landkreis hat in den vergangenen Jahren bereits einen Beitrag zum Fortbestand geleistet. „Konkret hat das Badehaus zwischen 2017 bis 2020 Förderleistungen in Höhe von 38 715 Euro erhalten“, erklärt Niedermaier auf Nachfrage unserer Zeitung. Dabei will er es nicht bewenden lassen. „Ich werde dem Kreisausschuss vorschlagen, dass der Kreis dem Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald beitritt.“

Dem schließt sich der Grünen-Landtagsabgeordnete Hans Urban, ebenfalls Teilnehmer am Festakt, an. „Gerade in Zeiten von Geschichtsrelativierung, wachsendem Rassismus, Rechtsradikalismus und Antisemitismus wird es wichtiger, dass die demokratischen Kräfte diesen inakzeptablen gesellschaftlichen Entwicklungen entgegentreten“, teilt er mit. Arbeit, wie sie im Badehaus geleistet wird, sei ein wichtiger Faktor, die Erinnerung an eine dunkle Zeit wachzuhalten, damit das „Nie wieder“ zum Tragen kommt.

Was die von den Ehrenamtlichen angemahnte, dauerhafte institutionelle Förderung angeht, findet Urban: „Es würde dem Freistaat gut anstehen, wenn er hier Geld in die Hand nehmen würde, um den jahrelangen Einsatz der Ehrenamtlichen zu honorieren und für eine angemessene finanzielle Ausstattung des Badehauses zu sorgen, möglicherweise auch über eine Unterstützung durch die Stiftung Bayerische Gedenkstätten.“

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Die vom Eurasburger Grünen ins Spiel gebrachte staatliche Stiftung mit Sitz in München gibt es seit 2003. Sie trägt die Verantwortung für die KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg. Der Etat der Stiftung entstammt dem Haushalt des Freistaats. Die endgültige Entscheidung, wer welche Summe erhält, fällt der Stiftungsrat, dem auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner angehört. Bisherige Vorstöße der Badehaus-Verantwortlichen sind stets negativ beschieden worden, per Satzung geht das Geld nur an KZ-Gedenkstätten. Wie schlüssig das Argument ist, sei dahingestellt. Schließlich sind viele KZ-Häftlinge, die auf den Todesmarsch geschickt wurden, nach ihrer Befreiung in Föhrenwald untergekommen. „Hier haben sie zum ersten Mal die Luft der Freiheit geatmet“, erklärt Badehaus-Vorsitzende Dr. Sybille Krafft. „Das allein wäre schon eine Gedenkstätte wert.“

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