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Kleine Stärkung: Dr. Sybille Krafft, Vorsitzende des Badehaus-Vereins, packt selbst mit an und hält die Helfer mit Plätzchen und Tee bei Laune.

Einsatz im Badehaus

Ramadama mit dem Vorschlaghammer

Waldram - Ehrenamtliche Helfer leisten beim Ramadama im Badehaus Schwerstarbeit, um den Traum von einem modernen Dokumentations- und Begegnungszentrum am Kolpingplatz zu realisieren.

Der gelernte Elektriker Andreas Weinert ist einer der ersten von mehreren Helfern, die am Samstagmorgen zum letzten Ramadama-Tag des Vereins „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ erscheinen. Fachmännisch entfernt er zunächst an der Fassade alte Stromkabel. Eine Etage tiefer schuften Wolfgang Saal und der 80-jährige Karlheinz Rauh im Heizungskeller. Der unermüdliche Einsatz des rüstigen Pensionärs, der schon in den vergangenen Wochen nahezu jeden Tag in dem Gebäude wichtige Vorarbeiten geleistet hatte, beeindruckt nicht nur die Badehaus-Vereinsvorsitzende Dr. Sybille Krafft. „Wenn es ein Badehaus-Verdienstkreuz gäbe, hätte er es am meisten verdient“, lobt Weinert.

Warum aber opfern Menschen wie Ernst Gruber, Thomas und Florian Heider, Werner Henschelchen, Karlheinz Rauh, Bernhard Reisner, Wolfgang Saal, Harald Stebner, Dr. Hans Schmidt, Martin Walter und Paul Brauner unzählige Stunden ihrer Freizeit, um ein stark sanierungsbedürftiges Haus in neuem Glanz erstrahlen zu lassen? „Für mich hatte das Gebäude schon als Kind einen besonderen Charme“, erklärt Weinert. Er wuchs in unmittelbarer Nachbarschaft des Badehauses auf und pflegt bis heute Kontakte zu den einst dort untergebrachten Schülern beziehungsweise Studenten des benachbarten St. Matthias-Seminars.

Dass bei den Ramadama-Arbeiten auch die Muskeln nicht zu knapp beansprucht werden, zeigt der Einsatz des 18-jährigen Florian Heider: Mit einem schweren Vorschlaghammer schlägt er unter anderem Sicherungskästen von den Innenwänden. „Wir sind froh, dass wir so einen starken jungen Mann dabei haben“, freut sich Sybille Krafft.

Schon eine Woche zuvor mussten die Helfer 49 gusseiserne Heizungsradiatoren in einen Container laden, den eine Wolfratshauser Firma extra zur Verfügung gestellt hatte. Zwölf der massiven Geräte mussten vom Dachgeschoss nach unten, elf aus dem Gartengeschoss nach oben gehievt werden. „Das war schweißtreibende Arbeit“, erinnert sich Krafft. Parallel dazu wurde eine Lüftungsanlage der früheren Wäscherei demontiert und in einen weiteren Container geladen, den ein anderes Unternehmen kostenfrei bereitgestellt und abtransportiert hat. Zudem galt es, mehrere Badewannen zu zerkleinern und schwere Türrahmen zu entfernen. Dass bei den Räumungsaktionen ein goldener Bilderrahmen gefunden wurde, wertete Krafft augenzwinkernd als „Lohn der Mühen“.

Völlig unerwartet bekam die Bautruppe während ihrer Arbeit Besuch von amerikanischen und australischen Gästen, die auf familiärer Spurensuche in Waldram waren: Phyllis Lee, die Tochter des ersten Feuerwehrkommandanten von Föhrenwald, der von 1945 bis 1948 im Lager lebte, wollte mit ihrem Cousin Paul Littman das väterliche Haus in der einstigen Florida Street (heute Bettingerstraße) suchen. Dr. Sybille Krafft half gerne und zeigte den ausländischen Spurensuchern noch weitere historische Häuser von Waldram.

Am Ende des letzten Ramadama-Tages in diesem Jahr füllten sich nicht nur die Container rasch: Auch die penibel geführte Liste, auf der alle ehrenamtlichen Stunden und die Art der Arbeiten aufgeführt sind, erreichte eine stattliche Länge. „Wir müssen die Eigenleistung genau dokumentieren“, erklärt Krafft im Hinblick auf eventuelle Fördergelder.

ph

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