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Mehr Sicherheit auf 50 Metern: Am Mühlpointweg wird die Stadt auf eigene Kosten einen Schutzzaun errichten lassen. Dieser, das verlangt die Bahn, muss geerdet werden, um bei eventueller Überspannung den Starkstrom abzuleiten.

Brennpunkt Mühlpointweg

Die Bahn bewegt sich keinen Zentimeter

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Das ungesicherte Gleis am Mühlpointweg macht den Kommunalpolitikern große Sorgen. Jetzt errichtet die Stadt in Eigenregie einen Zaun -  weil die Bahn nicht kompromissbereit ist. 

WolfratshausenMiguel de Cervantes Romanheld „Don Quijote“ kämpfte einen aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen. Dass auch die Deutsche Bahn trotz aller Bemühungen nicht in die Knie zu zwingen ist, musste Peter Plößl nun akzeptieren. Der CSU-Stadtrat hatte wie mehrfach berichtet dafür plädiert, dass entlang des ungesicherten S-Bahngleises am Mühlpointweg ein Schutzzaun errichtet wird. Dass die Bahn trotz des enormen Risikos, dass in dem Bereich Menschen zu Schaden kommen können, seit Jahren die Hände in den Schoß lege, sei „skandalös“, so Plößl.

Hartnäckig schrieb der CSU-Politiker E-Mail um E-Mail, bat schließlich sogar persönlich seinen Parteifreund, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, um Schützenhilfe. Bürgermeister Klaus Heilinglechner schlug sich auf Plößls Seite und hakte bei der Bahn wiederholt nach. Die gab dem Rathauschef schließlich die Antwort: Das unbefugte Betreten von Bahnanlagen sei gesetzlich verboten, eine bauliche Absicherung könne daher nicht verlangt werden. Frauen, Männer und Kinder hätten sich einfach an die Regeln zu halten.

Minister Dobrindt ließ derweil aus Berlin wissen: Am Mühlpointweg – auf dem Grundstück der Bahn – darf eine „Einfriedung“ gebaut werden. Voraussetzung: Die Flößerstadt bezahlt Planung, Bau und Instandhaltung des Zauns. Plößl übersetzte das sarkastisch so: „Die Bahn sagt: ,Ihr könnt da gerne etwas machen, wir haben nichts dagegen.‘“ Heilinglechners erste Reaktion: Das komme partout nicht in Frage. Für die Sicherheit sei der Grundstückseigentümer verantwortlich, nicht die Stadt. Der Bürgermeister befürchtete zudem, dass auch andere Unternehmen Pflichten auf die Kommune abwälzen, sobald ein Präzedenzfall geschaffen worden ist.

Doch Heilinglechner zeigte sich schließlich kompromissbereit und stellte den Antrag der CSU-Fraktion in der Bauausschusssitzung am Mittwochabend zur Diskussion. Die fiel kurz aus – einstimmig beschloss das Gremium, einen zirka 50 Meter langen Schutzzaun im Schienenbereich am Mühlpointweg errichten zu lassen. Die Kosten sind noch nicht exakt berechnet, werden sich aber zwischen 10 000 und 20 000 Euro bewegen. Der Zaun, das verlangt die Bahn, muss geerdet werden, um bei eventueller Überspannung den Starkstrom abzuleiten.

Grüne wollen auch Zaun am Flussufer

Für Plößl hat die Stadt „zumindest die moralische Verpflichtung“, an der neuralgischen Stelle präventiv tätig zu werden. Auf entsprechende Nachfrage von Stadträtin Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung) erklärte Plößl: „Ja“ – mit dem Spatenstich zur Verlängerung der S 7 von Wolfratshausen nach Geretsried müsse der Zaun (auf Kosten der Stadt) wieder zurückgebaut werden. Laut Prognose des bayerischen Verkehrsministers Joachim Herrmann (CSU) wird das frühestens im Jahr 2022 der Fall sein. „Ich bin ein gläubiger Mensch“, sagte Plößl, doch mit Blick auf das Datum „bin ich skeptisch“.

Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt kündigte am Mittwoch an, in der nächsten Sitzung des Bauausschusses „einen ähnlichen Antrag“ vorzulegen. Schmidt möchte „eine Absicherung des westlichen Loisach-Fuß- und Radwegs zwischen Hatzplatz und Andreasbrücke“. Auf dem Abschnitt seien bereits mehrere Kinder mit ihren Fahrrädern das Flussufer hinabgestürzt. 

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