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Ein Fall von Bandenkriminalität wurde am Mittwoch am Wolfratshauser Amtsgericht verhandelt. „Das Ganze lässt eher drauf schließen, dass es eine Schnapsidee war“, meinte der Staatsanwalt.

Prozess vor dem Amtsgericht

Bande klaut 30 Tonnen Altbatterien - und kommt mit glimpflichen Strafen davon

  • vonRudi Stallein
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Sie haben knapp 30 Tonnen Altbatterien vom Hof eines Autoteile-Fachhandels in Geretsried gestohlen und „den Müll“ für rund 19 000 Euro an Münchner Schrotthändler verkauft. Nun mussten sich drei Männer und eine Frau aus der Landeshauptstadt wegen schweren Bandendiebstahls und gewerbsmäßigen Betrugs vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Wolfrathausen verantworten.

Wolfratshausen/Geretsried  Einen Porsche Cayenne vor der Garage, der eigene Kurierdienst kurz vor der Pleite, dazu eine ausgeprägte Spielsucht – und keine Kohle in der Tasche: In dieser Situation kam ein 33-jähriger Ungar auf die Idee, seinen Lebensunterhalt für eine Weile mit den Batteriediebstählen aufzubessern. Ein Bekannter in ähnlich misslicher Lage – arbeitslos, Hartz IV-Empfänger, die Freundin schwanger – musste nicht lange zum Mitmachen überredet werden. „Ich hab’ gesagt, ich bin dabei“, räumte der 36-jährige Rumäne ein. „Um Lebensmittel zu kaufen, und Kleidung für meine Frau. Sie hat ja ständig zugenommen.“

Kurz vor Weihnachten 2016 sei der Plan gereift. Als der Kumpel bei einer seiner Kurierfahrten das Geretsrieder Unternehmen als ideales Einbruchsziel ausgeguckt hatte, starteten sie am 23. Februar 2017 Jahres ihre Diebestouren. Es war so einfach: „Hinfahren, einladen so viel, wie geht, und am nächsten Tag beim Schrotthändler verkaufen“, schilderte der 36-Jährige den Ablauf. Innerhalb von drei Monaten tauchten sie elf Mal in Geretsried auf. Immer mit einem Renault Master, manchmal mit zwei Autos, einmal mieteten sie für den Transport der Batterien eigens ein größeres Fahrzeug an.

„Das Geld war schnell aufgebraucht, da haben wir gedacht: Jetzt machen wir es richtig“, erklärte der 36-Jährige. Selbst durch die Überwachungskameras auf dem Gelände des Zubehörmarktes ließen sie sich nicht stören. „Wir dachten, das ist Fake, weil nie was passiert ist“, erklärte der 36-Jährige.

Das wurde ihnen zum Verhängnis. Bei der zwölften Tour, in der Nacht des 27. Mai vorigen Jahres, wurde der Ungar auf frischer Tat ertappt. Sein Kumpel war bereits zuvor durch die Videoaufzeichnung aufgefallen: Über den bei einem Baumarkt auf seinen Namen gemieteten Transporter hatte die Polizei seine Personalien ausfindig gemacht. Beim Verhör des Verdächtigen fanden sich in dessen Auto noch die Quittungen der Münchner Schrotthändler.

Das dilettantische Verhalten des Duos wirkte sich vor Gericht strafmildernd aus. „Er war sicher nicht der kriminalistische Mastermind“, vermutete der Staatsanwalt. „Das Ganze lässt eher darauf schließen, dass es eine Schnapsidee war.“ Große kriminelle Energie sei nicht von Nöten gewesen, formulierte später Richter Helmut Berger, da ihnen die Diebstähle durch das meist unverschlossene Tor am Firmengelände sehr leicht gemacht worden war.

Das Schöffengericht verurteilte die beiden Haupttäter jeweils zu zwei Jahren Gefängnis, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden, sowie jeweils 160 Stunden Sozialdienst. Die damalige rumänische Lebensgefährtin (31) des Ungarn wurde wegen Beihilfe zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung sowie 80 Stunden Sozialdienst verurteilt. Sie hatte nach Überzeugung des Gericht wissentlich den Renault zum Transport der Batterien zur Verfügung gestellt und war drei Mal mit an den Tatort gefahren. Ihr Bruder (28), der Vierte im Bunde, kam mit 2250 Euro Geldstrafe (90 Tagessätze) davon. Der Rumäne war nach einem Diebstahl gleich wieder ausgestiegen.

rst

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