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Gespart – und zur Kasse gebeten: Sparer fürchten Strafzinsen. 

Schreckgespenst Strafzinsen

Banken beteuern: Der „normale Sparer“ soll nicht unter Politik der EZB leiden

Viele Bürger fürchten sich vor Strafzinsen. Hiesige Banken können eine solche Maßnahme nicht kategorisch ausschließen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Bei Sparern geht die Angst um: Immer mehr Bankkunden fürchten um ihr Erspartes. Der Grund ist die anhaltende Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Geldinstitute haben schon lange damit zu kämpfen. Derzeit bezahlen sie einen sogenannten Negativzins von 0,4 Prozent auf Einlagen – und die Sorge wächst, dass die Banken diese Kosten auf ihre Kunden umlegen könnten.

Ein Umkehrschwung ist nicht in Sicht. Anfang September tritt der Rat der EZB erneut zusammen und könnte, zumindest wird das von einigen Analysten erwartet, den Zinssatz sogar noch einmal senken. Sollte das passieren, könnten sich einige Geldinstitute gezwungen sehen, die darauf resultierende finanzielle Belastung auf die Kunden umzulegen.

„Derzeit ist es nicht geplant, die Einlagen von Privatanlegern damit zu belasten“, betont der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank im Oberland eG, Manfred Gasteiger, auf Nachfrage unserer Zeitung. Aktuell sei die Angst unbegründet – „für die Zukunft können wir einen Strafzins aber nicht kategorisch ausschließen“. Das Thema könnte an Brisanz gewinnen, wenn der Leitzins der EZB tatsächlich noch weiter gesenkt würde. Sollte sich die Raiffeisenbank im Oberland für die Einführung von Strafzinsen entschließen, möchte sie explizit den Kleinsparern nicht an den Geldbeutel: „Wenn es überhaupt so weit kommt, würden wir vermutlich erst über Kunden mit sehr hohen Anlagebeträgen nachdenken.“ Der „normale Sparer“ soll durch die Zinspolitik der EZB „nicht belastet werden“, beteuert Gasteiger.

Ähnlich sieht die Situation bei der Raiffeisenbank Isar-Loisachtal eG aus. Vorstand Uwe Massong betont, dass sich das Geldinstitut, das seinen Hauptsitz in Wolfratshausen unterhält, bislang lediglich mit dem Gedanken „beschäftigt“ habe. Je nachdem, wie sich die Zinssituation verändere, könne es konkreter werden. Massong: „Wir hoffen allerdings, dass dieser Kelch an den Normalsparern vorbeigeht.“ Ausschließen könne man eine schrittweise Einführung von Strafzinsen derzeit nicht, „aber es ist ad hoc nicht geplant“.

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Auch die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen nimmt noch keine sogenannten Verwahrentgelte von Privatkunden. „Momentan prüfen wir die Einführung für sehr hohe und kurzfristig angelegte Girokonto- und Geldmarktkontobestände“, berichtet Pressesprecher Willi Streicher im Gespräch mit unserer Zeitung. Davon ausgenommen seien Guthaben mit vereinbarten längeren Laufzeiten. „Auch der Großteil der Sparer, insbesondere der normale Anleger, ist davon nicht betroffen“, versichert Streicher. Üblich seien inzwischen Verwahrentgelte bereits bei hohen Guthaben im Firmenkundengeschäft. Ähnliche Regelungen gelten auch bei der Raiffeisenbank Isar-Loisachtal sowie der Raiffeisenbank im Oberland.

An ihre Privatkunden hat die VR Bank München Land eG noch keine Negativzinsen weitergegeben. Das berichtet Vertriebsmanagement-Chef Peter Wein. Er räumt aber ein: „Wir wissen nicht, wie sich das Ganze weiter entwickelt.“ Wenn sich „das Phänomen Niedrigzins in dieser Region weiter ausbreitet“ – sprich: wenn die Wettbewerber von ihren Kunden Strafzinsen erheben würden –, „könnte sich die VR Bank den Strömungen nicht entziehen“ – und würde es ihnen gleich tun.

Dominik Stallein

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