Im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Seniorenbeirats

Banken betreiben immer weniger Filialen: „Das macht das Leben schwieriger“

Viele Senioren sind nicht im Internet zu Hause. Für sie ist es ein Problem, wenn die Banken ihre Filialen auf dem Land schließen. Wir haben damit mit dem Vorsitzenden des Seniorenbeirats gesprochen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wer seine Bankgeschäfte zu 100 Prozent online abwickelt, dem ist die Schließung einer Bankfiliale im Zweifelsfall egal. Aber was ist mit den Senioren, die nicht im Internet zu Hause sind und die jetzt keinen Ansprechpartner vor Ort haben? Darüber sprach Volker Ufertinger mit Herrmann Lappus, Vorsitzender des Seniorenbeirats.

Herr Lappus, stellen Filialschließungen ältere Mitbürger vor Probleme?

Herrmann Lappus: Natürlich, sie machen das Leben auf dem Land für die Senioren schwieriger. Es wird einigen nichts anderes übrig bleiben, als einmal die Woche oder alle zwei Wochen mit dem Bus in die nächstgrößere Stadt zu fahren und sich so viel Bargeld zu besorgen, wie sie für die eine Woche benötigen. Das mindert die Lebensqualität. Früher war es selbstverständlich, dass noch eine Post, ein Tante-Emma-Laden und eine Bank vor Ort vertreten waren. Das ist vorbei.

Inzwischen kann man fast überall mit EC-Karte zahlen. Braucht es wirklich immer Bargeld?

Herrmann Lappus:Das ist nicht zuletzt eine Frage der Gewohnheit. Viele Senioren zahlen halt am liebsten bar, das kann man an jeder Aldi-Kasse beobachten. Und nicht überall kann man Kleinstbeträge bei uns mit Karte zahlen, denken Sie an Kleinstbeträge wie die Semmel in der Bäckerei. In Städten wie London ist es üblich, dass man selbst Cent-Beträge mit Karte zahlt. Ganz so ist das bei uns noch nicht.

Ist die Hürde Onlinebanking für Senioren so hoch?

Herrmann Lappus:Ich persönlich kenne nur wenige ältere Mitbürger, die sich das zutrauen, sogar bei den jüngeren Senioren ist die Zahl verschwindend gering. Vielleicht gibt es hie und da jemanden, der beruflich am Computer gearbeitet hat. Mag sein, dass für den die Hemmschwelle nicht so hoch ist. Aber nehmen wir, ganz klassisch, den Fall einer Hausfrau auf dem Land, wo sich der inzwischen verstorbene Mann um alles Geschäftliche gekümmert hat. Die wird sich das Internet und gar Online-Banking gewiss nicht mehr antun.

Ist die Situation in den Städten einfacher als auf dem Dorf?

Herrmann Lappus:Ja, gewiss. In den Städten gibt es eine gewisse Filialdichte. Wenn die Bank X verschwindet, kann ich mein Geld immer noch zur Bank Y bringen. Da hat man weiterhin kurze Wege.

Welche Lösung sehen Sie?

Herrmann Lappus:Leider keine. Vielleicht wird es irgendwann so zugehen wie in den dünn besiedelten Gebieten in Skandinavien. Da schauen in regelmäßigen Abständen die Dienstleister vorbei und kümmern sich um die Leute. Auch die Banken sind mobil und bringen einen Tresor mit, um die Bevölkerung mit Bargeld zu versorgen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Rubriklistenbild: © dpa

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