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Wer Bargeld aus dem Automaten zieht, muss bei manchen Banken neuerdings eine Gebühr bezahlen. 

Sparkasse und Raiffeisenbanken

Bargeld abheben bleibt kostenlos

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Immer mehr Banken erheben Gebühren fürs Geldabheben. Nicht so im Landkreis. Sparkasse und Raiffeisenbank setzen auf Transparenz. Das Bargeld wird aber immer mehr zum Problem.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Nur Bares ist Wahres. Was lange galt, gerät so langsam ins Wanken. Rund 40 von 400 deutschen Sparkassen verlangen laut dem „Handelsblatt“ je nach Kontomodell Gebühren, wenn ein Kunde mit seiner Karte am Automaten Geld abhebt. Das haben demnach inzwischen auch über 150 von 1000 Genossenschaftsbanken eingeführt. Unter den Landkreisbürgern sorgt das für Unsicherheit. Einige Sparkassenkunden haben sich bereits bei ihren Beratern nachgefragt. Willi Streicher, Pressesprecher der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, hat deswegen ein Schreiben an seine Kollegen geschickt. Darin erklärt er, was die Berichte über die Automatengebühren für Kunden im Landkreis bedeuten: „Nichts.“

„All unsere Kunden können nach wie vor an den über 25 000 Geldautomaten in Deutschland kostenlos Geld abheben“, erklärt Streicher. Dahinter stecken die angebotenen Kontomodelle für Privatkunden. Bei der Sparkasse beträgt die Gebühr zwischen 5,95 und 7,95 Euro im Monat. „Der Kunde kann jeden Tag zehn Euro abheben – ohne Gebühr, das ist in dem Giropreis enthalten“, sagt Streicher.

Es gibt keine Überlegungen in diese Richtung

So ist das auch bei den Raiffeisenbanken im Landkreis. „Wir haben aktuell nicht vor, Geld dafür zu verlangen, wenn unsere eigenen Kunden am Automaten Geld abheben oder einzahlen“, sagt Andreas Pentenrieder, Marketingleiter der Raiffeisenbank Isar-Loisachtal. Hier kostet ein Privatkonto zwischen 3,50 und 7,90 Euro. In dieser Monatsgebühr ist das Abheben enthalten. Gleiches gilt für die Girokonten der Raiffeisenbank Tölzer Land (zwischen 4 und 8,50 Euro im Monat), der VR Bank München Land (bis zu 5,50 Euro) und der Raiffeisenbank Beuerberg-Eurasburg (zwischen 2,50 und 9 Euro).

„Es gibt keine Überlegungen, das zu ändern“, versichert Christian Glasauer, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Beuerberg-Eurasburg. Er hält Abhebegebühren für die eigenen Kunden auch für kaum durchführbar. „Wir fordern sie auf, ihr Erspartes zu uns zu bringen und verlangen dann Geld, wenn sie es wiederhaben wollen“, sagt er. Das mache wenig Sinn. „Komplettmodelle sind auch transparent“, findet Streicher. So wisse der Kunde immer, mit welcher Gebühr er im Monat rechnen müsse.

Nun möchte man meinen, es dürfte kein Problem sein, wenn ein Bankkunde sein eigenes Geld abheben möchte. Von den Banken verlangt das aber einiges ab: Das Bereitstellen des Automaten, Strom, Reinigung, Werttransport, Bestücken mit Bargeld. Andreas Gams von der Raiffeisenbank Tölzer Land hat ausgerechnet, dass die Bank 15 000 Euro pro Jahr für einen Automaten ausgibt.

„Man denkt, die Bank hat mein Geld, aber aus Sicherheitsgründen haben wir das nicht im eigenen Tresor, sondern geben es zur Bundesbank“, erklärt Pentenrieder. Da stecke eine Menge an Logistik dahinter. „Früher haben wir das quersubventioniert, indem wir mit dem Geld gearbeitet haben“, sagt Gams. In der Niedrigzinsphase sei das aber kaum noch möglich.

Auf dem Land ist Bargeld noch verbreiteter

Das gilt übrigens nicht nur für Scheine. Auch Münzen machen den Banken Probleme. „Wenn ein Kunde Münzen bei uns abgibt, müssen wir sie an die Bundesbank zur Echtheitsüberprüfung schicken und bekommen geprüftes Geld für die Auszahlung zurück“, so Gams. Deswegen verlangt die Raiffeisenbank inzwischen eine Gebühr dafür, wenn jemand eine Münzgeldrolle holt – 25 Cent von Kunden und bis zu ein Euro von Nicht-Kunden.

Wenn das mit dem Bargeld so kompliziert ist, sollte der Kartenbesitzer nur noch mit Plastik bezahlen? „Das ist eine Philosophiefrage“, sagt Gams. Früher habe man mit Bargeld in der Börse den besten Überblick gehabt. Inzwischen würden Banken aber sagen, der Kunde hätte bei Kartenzahlungen eine bessere Kostenkontrolle. „Für eine direkte Empfehlung ist die Zeit aber noch nicht reif“, sagt Gams. „Das sollte jeder nach seinem Gusto machen.“

Im Landkreis ist Bargeld durchaus noch gefragt. „Gerade bei uns im ländlichen Bereich ist es ja eher unüblich, Beträge unter 20, teilweise sogar 50 Euro mit der Karte zu bezahlen“ sagt Glasauer. Während in den skandinavischen Ländern jeder kleinste Kronenbetrag den Besitzer auf elektronischem Weg wechselt, „herrscht bei uns noch reger Bargeldverkehr“.

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