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Die Welt soll digitaler werden - auch in Wolfratshausen.

So digital sind Wolfratshausens Ladenbetreiber

„Barrieren abbauen, Unsicherheit nehmen“

Wolfratshausen – Zwei Arbeitskreise beschäftigen sich mit dem Thema „Digitale Einkaufsstadt“. Die Einzelhändlervereinigung Werbekreis – unter Führung von Ingrid Schnaller – setzt sich bereits lange mit dem Thema auseinander.

Im Mai gründete der Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen eine Arbeitsgruppe, die Ernst Gröbmair leitet. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Dominik Stallein sprechen die beiden Verantwortlichen über Chancen des Internets, Hemmschwellen der Ladenbetreiber und wie digital ihre eigenen Geschäfte aufgestellt sind.

Frau Schnaller, Herr Gröbmair, wie digital ist Wolfratshausen?

Ingrid Schnaller: (lacht) Noch nicht ausreichend, zumindest sind wir noch nicht optimal aufgestellt.

Ernst Gröbmair: Wenn man sich anschaut, was digital möglich wäre, sind wir in Wolfratshausen noch ziemlich am Anfang.

Trotzdem gibt es Pioniere. Haben Sie Positivbeispiele?

Schnaller: Die gibt es sicher. Im Werbekreis setzen einzelne Mitarbeiter die Möglichkeiten sehr gut um: eine gepflegte Homepage, Google-Einträge, Inneneinsichten in den Laden. Es gibt Läden, von denen sich die anderen etwas abschauen können.

Sie beide führen selbst ein Geschäft. Sind Sie gut aufgestellt?

Schnaller: Ich bin mit meinem Geschäft (Ingrid Schnaller ist Besitzerin der Raritätenstube; d. Red.) noch nicht sehr stark digital aufgestellt. Aber daran arbeiten wir momentan. Die Erfahrung, die wir alleine mit der Anmeldung bei Google und Online-Bewertungen gemacht haben, haben uns dazu bewogen, mehr zu machen. Zum Beispiel kam kürzlich ein Kunde nur deswegen in den Laden, weil wir eine sehr gute Bewertung erhalten haben. Das fand er so interessant, dass er vorbeischauen wollte. Dass das so schnell geht, hätte ich nicht erwartet.

Gröbmair: In meiner Branche ist ein starker Online-Auftritt noch einmal wichtiger. Immobilien werden mittlerweile fast ausschließlich online gesucht. Wir haben eine Homepage, einen Google My Business-Eintrag, einen Facebook-Auftritt. Das ist einfach ein Muss. Ich würde die Digitalisierung in zwei Aspekte aufteilen. Zum einen ist da natürlich die Außenwirkung. Was sieht der Kunde, wie präsentiert sich das Unternehmen? Und dann ist natürlich auch die interne Digitalisierung wichtig. Wollen Sie ein Beispiel hören?

Gerne.

Gröbmair: Wenn Kundenanfragen kommen, werden diese automatisch erfasst und authentifiziert. Für mich ist dann das Ausmachen eines Besichtigungstermins durch diesen Prozess oft nur noch ein Knopfdruck auf dem Smartphone. Das ist aber eine Branchenfrage. Im Dienstleistungssektor ist eine interne Digitalisierung sehr wichtig.

Gibt es Rückmeldungen von Kunden, die bemängeln, dass Wolfratshausen zu schlecht aufgestellt ist?

Gröbmair: Die Frage ist so direkt noch nicht an mich gestellt worden.

Schnaller: Ich wurde auch noch nicht direkt darauf angesprochen. Wir haben aber die Zeichen der Zeit erkannt. Gerade junge Leute suchen viel im Internet und erkundigen sich vorab, welche Waren es zum Beispiel gibt. Wenn Fachhändler nicht sichtbar sind, werden viele vielleicht nicht gefunden. Das ist übrigens dasselbe bei städtischen Veranstaltungen.

Gröbmair: Die Online-Suche ist insgesamt sehr intensiv. Manche Unternehmer und Geschäftsleute – so die Erfahrung im LAW – haben das noch nicht erkannt. Das ist einer der Gründe, warum es diese Arbeitskreise überhaupt gibt. Ein Trend ist momentan auf dem Vormarsch. Nämlich, dass Menschen online nach Waren und Angeboten suchen, diese dann aber offline, sprich stationär, kaufen. Das wächst zunehmend.

Wie reagiert man auf diesen Trend?

Gröbmair: Man kann mit wenig Zeitaufwand und wenig Geld eine bessere Sichtbarkeit im Internet erreichen. Dann sind wir bei dem Effekt, den Frau Schnaller beschrieben hat: Es kommen mehr Kunden in den Laden. Das Problem ist also weder finanzieller noch zeitlicher Natur.

Sehen die Unternehmer die Chancen nicht, die das Internet bietet?

Gröbmair: Das würde ich so nicht sagen. Vielleicht ist bloß noch nicht erkannt worden, wie wichtig dieses Thema ist.

Schnaller: Das zum einen, zum anderen gibt es bei manchen Geschäftsinhabern eine gewisse Hemmschwelle. Deshalb braucht es manchmal die Unterstützung unserer Arbeitskreise, damit sie diese Scheu verlieren. Wenn dann noch positive Rückmeldungen von anderen Marktteilnehmern kommen, klappt das umso besser.

Gröbmair: Wir haben zum Beispiel eine tolle Resonanz erfahren: Unser Arbeitskreis hat einen Wolfratshauser Unternehmer dabei begleitet, einen Google-Eintrag zu verfassen. Einen Monat später kam eine E-Mail von Google, in der ihm aufgeschlüsselt wurde, dass er mehrfach nur über diesen Eintrag angerufen wurde. Das war ihm vorher gar nicht bewusst, wie sich das lohnen kann.

Wie gehen die Arbeitskreise konkret vor? Bisher klingt es so, als sei es vor allem eine Motivations- und Überzeugungsarbeit.

Schnaller: Das ist es auch. Wir gehen aber nicht nur zu den Unternehmern hin und sagen: ‚Komm, probier es doch mal aus.‘ Wir bieten auch Workshops an, erklären dort, wie sich die Unternehmer im Internet angemessen aufstellen können. Wenn die sehen, wie einfach das sein kann, ist das oft Überzeugung genug. Außerdem plant der Werbekreis, für seine Mitglieder Google-Einträge – mit Adressen, Telefonnummer und Öffnungszeiten – für die Unternehmer zu erstellen, die noch keinen haben. Die Ladenbetreiber können ihren Eintrag dann selbst verwalten.

Gröbmair: Es gilt in erster Linie, Barrieren abzubauen, damit sich die Leute überhaupt mit dem Thema auseinandersetzen, den Unternehmern die Unsicherheit nehmen. Beide Arbeitskreise verdienen durch die Arbeit kein Geld. Dadurch haben wir mehr Glaubwürdigkeit bei den Einzelnen. Leider wird sehr viel in diese Richtung angeboten. Händler verkaufen Internetseiten für 6000 Euro, andere bieten telefonisch Homepages für 3000 Euro an. Dabei gibt es viel günstigere Möglichkeiten. Die Arbeit, die beide Arbeitskreise machen, ist sehr zeitintensiv. Es ist sehr schwer, schnell etwas zu erreichen. Trotzdem: Seit wir unseren Arbeitskreis im Mai gegründet haben, gibt es über 20 neue Wolfratshauser Google-Einträge, drei Marktteilnehmer haben jetzt einen neuen Facebook-Auftritt, vier eine neue Internetseite.

Es gibt zwei Arbeitskreise, die sich mit dem Thema beschäftigen. Warum?

Schnaller: Ganz einfach weil es sehr zeitintensiv ist.

Gröbmair: Es ist wahnsinnig zeitintensiv.

Schnaller: Und wir haben unterschiedliche Strukturen. Im LAW sind nicht – wie im Werbekreis – primär Geschäftsinhaber Mitglied. Die müssen sich natürlich vor allem um das Geschäft kümmern. Deswegen ist es für uns, den Werbekreis, nicht machbar, einen Arbeitskreis mit einem solchen Aufwand, wie ihn der LAW gegründet hat, aufzubauen. Wir stehen uns aber gegenseitig nicht im Weg.

Gröbmair: Ganz im Gegenteil. Wir profitieren voneinander.

Schnaller: Außerdem soll es ja nicht so sein, dass nur die Werbekreis- oder LAW-Mitglieder Hilfe bekommen.

Gröbmair: Richtig: Es geht um die gesamte Stadt.

Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Bis zum Jahr 2020…

Gröbmair: ...ist Wolfratshausen voll digital sichtbar, jeder kann sich informieren, welche Produkte und welche Marken angeboten werden. Die Kunden sollen sich wohlfühlen beim Einkaufen. Bis 2020 sollte natürlich die Altstadt mit allen Geschäften wieder gut belebt sein.

Schnaller: So ist es. Das ist das erklärte Ziel. Entscheidend ist, dass die Kunden uns schnell finden können und schnell erfahren, was es in den Läden gibt. Der Zeitfaktor spielt eine große Rolle. Niemand möchte lange suchen müssen.

dst

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