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12,5 Millionen Euro investiert die Baugenossenschaft in die Sanierung beziehungsweise Erneuerung der Wohnanlage an der Blombergstraße.

Interview

Baugenossenschaft zum Wohnen in Wolfratshausen: „Es landet niemand auf der Straße“

Die Baugenossenschaft Wolfratshausen hat große Pläne – eine Projekt betrifft möglicherweise in Geretsried.

Wolfratshausen– Die Stadt will an vier Standorten einkommensorientiert geförderten Wohnraum schaffen. Diesem Ziel hat sich auch die Baugenossenschaft Wolfratshausen (BGW) verschrieben. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Dominik Stallein erklärt Vorstandsmitglied Josef Wehbe, welche Projekte auf der Agenda stehen, wieso sich der Neubau von Sozialwohnungen oft schwierig gestaltet und warum das Thema nicht nur die untersten Einkommensschichten betrifft.

Herr Wehbe, was plant die Baugenossenschaft für das Jahr 2018?

Josef Wehbe: An der Blombergstraße bauen wir neue Wohnungen und sanieren den Bestand. Es geht um zwei Gebäude in Farchet, nämlich die Blombergstraße 2-4 und 6-8. Zunächst sanieren wir in zwei Schritten die 20 Wohnungen der Blombergstraße 2-4 und bauen das Dachgeschoss aus. Damit erhalten wir vier weitere Wohnungen. Wir wollen im März mit der Blombergstraße 2 beginnen, Anfang nächsten Jahres steht Nummer 4 an. Wenn wir damit fertig sind, also vermutlich im Jahr 2020, wird das Gebäude an der Blombergstraße 6-8 abgerissen. Stattdessen bauen wir zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 44 Wohnungen und einer Tiefgarage.

Klingt nach einem großen Projekt. Wie teuer wird das Vorhaben?

Josef Wehbe: Insgesamt handelt es sich um ein Gesamtbauvolumen von 12,5 Millionen Euro.

Beide Gebäude sind bewohnt. Was passiert mit den Mietern?

Josef Wehbe: Das Wichtigste: Es landet niemand auf der Straße. Alle Bewohner kommen in anderen Gebäuden der Baugenossenschaft unter. Diejenigen, die wieder in die Blombergstraße ziehen möchten, können das nach der Kernsanierung beziehungsweise nach dem Neubau, soweit die Kriterien der einkommensorientierten Förderung eingehalten sind.

Was versteht man unter einkommensorientierter Förderung (EOF)?

Josef Wehbe: Es gibt drei Förderstufen. In die Einkommensstufe 1 fallen die Mieter mit dem geringsten Einkommen. In die Einkommensstufe 2 und 3 gehören Mieter mit einem höheren Einkommen.

Können Sie das konkretisieren?

Josef Wehbe: Zwei Beispiele für die Einkommensstufe 3: Ein verheiratetes Rentnerpaar, beide 65 Jahre, mit einer monatlich gemeinsamen Durchschnittsrente von 3525 Euro brutto, ist berechtigt, in eine solche Wohnung zu ziehen. Kommt das geplante neue Wohnraumförderungsgesetz, so darf die gemeinsame Durchschnittsrente monatlich 4100 Euro betragen. Oder ein Elternpaar mit zwei Kindern, das im Monat durchschnittlich 5310 Euro verdient. Wenn der Mann Alleinverdiener ist, reden wir da von gutem Einkommen. Das Thema EOF-Wohnungen betrifft nicht nur – wie oft in der Öffentlichkeit wahrgenommen – die niedrigsten Einkommensklassen. Das bedeutet: Geförderte Wohnungen werden dringend benötigt. Das ist das Ziel der Baugenossenschaft, dem haben wir uns voll und ganz verschrieben.

Dafür wollte die BGW vor Jahren in Waldram bauen. Wieso hat es nicht geklappt?

Josef Wehbe: Richtig, wir hatten vor, 50 neue Wohnungen in Waldram zu schaffen. Das Projekt haben wir seinerzeit intensiv bei den Stadträten und den Fraktionen beworben. Leider fand es im Gremium mehr Kritik als Zustimmung. Der Hauptgrund für das Nein war damals die fehlende Infrastruktur.

An der Infrastruktur hat sich nichts geändert. Trotzdem baut die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (StäWo) jetzt auf der sogenannten Coop-Wiese 52 Wohnungen.

Josef Wehbe: Stimmt.

Arbeitet denn die Baugenossenschaft im Moment mit der Stadt zusammen?

Josef Wehbe: Wir sind derzeit in keinen Gesprächen. Die Stadt hat uns zuletzt das alte Krankenhaus an der Sauerlacher Straße 15 zur Sanierung mit Neubauten angeboten. Das haben wir aber nach einer Prüfung abgelehnt, weil dieses Projekt für uns nicht realisierbar gewesen wäre.

Wie geht es für die BGW nach Abschluss der Blombergstraße weiter?

Josef Wehbe: Mit der Firma Krämmel stehen wir in Kontakt wegen eines Nachfolgeprojekts. Das ist aber noch nicht konkret. Es haben lediglich Sondierungen stattgefunden, die das Projekt auf dem ehemaligen Lorenz-Areal betreffen.

Wandern Sie nach Geretsried ab?

Josef Wehbe: Das Projekt ist für uns interessant, weil bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. Aber nochmal: Konkret ist das noch nicht.

Und in Wolfratshausen?

Josef Wehbe: Da müssen wir sehen, was möglich ist. Es gibt durchaus Flächen, auf denen gebaut werden könnte. Da muss man das Gespräch suchen. Die BGW hat selber keine unbebauten Grundstücke. Wir sind also auf Zukäufe angewiesen.

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