Drei Leute an einem Tisch.
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Pro Umwelt- und Klimaschutz: Dr. Hans Schmidt (Grüne), hier bei einer Veranstaltung im Geltinger Hinterhalt mit Emmi Fröhner (li., Fridays for Future Wolfratshausen) und Dr. Sigrid Bender, Vorsitzende des Ortsverbands des Bund Naturschutz.

Jahresbericht des Umweltreferenten

Baumschutz: Gab‘s vor der Kommunalwahl „Zusicherungen“ anderer Parteien an die Grünen?

  • Carl-Christian Eick
    VonCarl-Christian Eick
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Dr. Hans Schmidt, Umweltreferent des Wolfratshauser Stadtrats, hat seinen Jahresbericht vorgelegt. Darin spart er nicht mit Kritik.

Wolfratshausen – Vor 14 Monaten, nach der Kommunalwahl 2020, wählte der Stadtrat ein Mitglied aus seinen Reihen zum neuen Umweltreferenten des Gremiums: Grünen-Vertreter Dr. Hans Schmidt. Aus Sicht vieler Naturschützer kann man sich wohl keinen besseren Anwalt für Mutter Erde vorstellen, Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) wünscht sich dagegen mutmaßlich dann und wann ein weniger widerspenstiges Gegenüber. „Zwei Minuten“ gestattete der Rathauschef mit einem Lächeln dem Umweltreferenten in der jüngsten Stadtratssitzung für dessen Jahresbericht – es wurden knapp fünf Minuten, in denen Schmidt nicht mit Kritik sparte.

Umweltreferent erinnert an Ausrufung des Klimanotstands

Der promovierte Ingenieur im Ruhestand erinnerte an die Ausrufung des Klimanotstands im September 2019 (wir berichteten). Zu diesem Zeitpunkt habe der Stadtrat „die Eindämmung der Klimakrise und ihrer schwerwiegenden Folgen als Aufgabe von höchster Priorität anerkannt“. Die dramatisch anmutende Ausrufung des Klimanotstandes sollte nicht nur Signalwirkung haben und „ein Bekenntnis zu den kommenden Generationen sein“: Sie sollte die Grundlage bilden, „um Klimaschutzmaßnahmen in Wolfratshausen schneller umzusetzen und dafür benötigte Geldmittel umzuwidmen“. Schmidt: „Alle zukünftigen Beschlüsse des Stadtrates und alles zukünftige Verwaltungshandeln sollen sich an dieser Aufgabe orientieren.“ Er habe als Umweltreferent die Aufgabe, Stadtrat, Bürgermeister und Verwaltung „immer wieder auf diesen Beschluss hinzuweisen“. Es gehe konkret um die Umsetzung des „ambitionierten Energienutzungsplans“ der Kommune mit Nahwärmenetzen, Gebäudedämmung, mehr Photovoltaik, Wärmepumpen und der Förderung des nicht motorisierten Verkehrs.

Baumschutz: Andere Fraktionen hielten sich nicht an „Zusicherung“

Ein weiteres Thema: „Weniger Versiegelung, damit das Wasser bei Starkregen nicht zu Überschwemmungen führt.“ Immerhin, so Schmidt, „gehört unser Landkreis mit Garmisch-Partenkirchen und Miesbach zu den drei am meisten von Starkregen betroffenen Landkreisen in Deutschland“.

„Ganz konkret“ habe er seit Amtsbeginn Bäume begutachtet, die aus Gründen der Verkehrssicherung zur Fällung bestimmt waren und sich dafür stark gemacht, dass mehr Bäume auf Baugrundstücken stehen bleiben können. Aber: Die „Zusicherung“ der anderen Fraktionen vor der Kommunalwahl, dass in Wolfratshausen eine Baumschutzverordnung beschlossen werde, „wurde bisher nicht umgesetzt“.

Abschließend stelle ich fest, dass die Themen Thema Klimawandel und Klimafolgen-Anpassung noch nicht den Stellenwert im Stadtrat haben, den sie nach unserem Klimanotstandsbeschluss haben sollten.

Dr. Hans Schmidt

Ein weiterer Kritikpunkt: Bei seinem Bemühen um Lärmschutz in Tempo-30-Zonen vermisste der Grünen-Rat die Unterstützung der Verwaltung. So sei ihm „die Einsicht in die Messprotokolle der elektronischen Zeigefinger verwehrt“ worden.

Schmidts Bilanz nach 14 Monaten: Die Themen Klimawandel und Klimafolgen-Anpassung hätten im Stadtrat noch nicht den Stellenwert, den sie laut Klimanotstandsbeschluss haben sollen. Er bat die Verwaltung um „noch mehr proaktives Verhalten und Planen, denn die Kosten für die Beseitigung der Folgen der Klimakrise werden viel höher sein als die für Vermeidung der Klimakrise“. Von seinen 23 Stadtratskollegen „und von Ihnen, Herr Heilinglechner, wünsche ich mir ein offeneres Ohr und einen wachen Verstand für Vorschläge zur Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen“. Redezeit: knapp fünf Minuten, eine Aussprache erfolgte nicht. (cce)

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