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Es herrscht reger Flugverkehr: Ranko Jankovic, neuer Vorsitzender des Imkervereins, vor dem Bienenstock im Wolfratshauser Bergwald.

Artenvielfalt

Baumstumpf statt Stock: 50 000 Bienen im Wolfratshauser Bergwald

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Selten wurde so intensiv über Artenvielfalt gesprochen wie derzeit. Eine große Bedeutung hat hierbei der Wald. Er bedeckt (noch) knapp ein Drittel des Bundesgebiets und auch ein Drittel der weltweiten Landflächen. Wie es um die Biodiversität in unseren Wäldern bestellt ist, ist Inhalt einer Serie. Heute geht es um eher seltene Waldbewohner: die Honigbienen.

Wolfratshausen – Eigentlich haben Honigbienen ihr Zuhause in einem Stock, der oft im heimischen Garten eines Imkers steht. Dort werden sie gehegt und gepflegt. Doch auch im Wolfratshauser Bergwald sind Honigbienen anzutreffen. Ursprünglich lebten dort, an der Station 14 des Erlebnislehrpfads, einmal Wildbienen – und auf die stieß Revierförster Robert Nörr eher zufällig.

Transparente Trennwand: Wenn die Läden geöffnet sind, können die fleißigen Wabenbauer durch eine Plexiglasscheibe beobachtet werden.

„Der Erlebnislehrpfad wurde 2009 errichtet und umfasste anfangs 13 Stationen“, berichtet Nörr. „Aber die Wolfratshauser Imker wollten auch eine Station haben.“ Denn Honigbienen seien auch ein Teil des Ökosystems, argumentierten sie. So kam es, dass der Lehrpfad um die Station Nummer 14 ergänzt wurde. Bei der Suche nach einem geeigneten Standort fiel dem Revierförster eine marode Buche ins Auge. „Der Baum hatte ein Loch, und da waren Wildbienen drin“, erzählt Nörr. Damit die Buche noch möglichst lange hält, wurde die Krone abgeschnitten und der verbleibende Stumpf in ein paar Metern Höhe mit einer Platte versehen. „Die Bienen tolerierten das“, sagt der Wolfratshauser. „Im nächsten Jahr waren sie noch drin, dann aber sind sie weitergezogen.“ Lange Zeit blieb die Buche nicht unbewohnt. Nörr: „Inzwischen haben wir eine Milliarde Nachmieter, so viele Pilze und Kleinstinsekten sind da bestimmt drin.“

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Nur Wildbienen ließen sich dort nicht mehr nieder. Der Imkerverein baute eine sogenannte Klotzbeute, eine Behausung, die aus einem ausgehöhlten Baumstamm besteht. Mitglied Florian Madaus siedelte Honigbienen an. Seitdem lebt dort nun ein Bienenvolk. Vereinschef Ranko Jankovic schätzt, dass es etwa 50 000 Tiere sind. „Wir schauen, dass sie so wenig wie möglich von Menschen betreut werden“, sagt der 52-Jährige. Nur wenn es extrem lange regnet und die Bienen nicht fliegen können, werden sie mit Futter unterstützt. Ansonsten sind sie auf sich allein gestellt.

„Damit die Bienen ausreichend Nektar finden, versuchen wir, einen möglichst gestuften Waldrand zu haben“, ergänzt Revierförster Nörr. So wachsen am Rand des Bergwalds verschiedene Strauch- und Baumarten, wie die früh blühende Salweide, Hasel, Kirschen und Vogelkirschen. Weil die Kirsche es gerne hell mag, habe man die Bäume teilweise gezielt freigestellt. Bäume und Sträucher gehen laut Nörr fließend in Krautgewächse mit verschiedenen Blumen über, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen. „So haben wir den ganzen Sommer über eine bunte Vielfalt mit genügend Blüten, sodass die Bienen überleben können.“

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Seit 2009 haben die Honig-lieferanten ihr Zuhause in der Klotzbeute. In diesen zehn Jahren versuchte einmal ein anderer Waldbewohner, ihnen ihr Zuhause streitig zu machen. Davon zeugen ein Riss im Stamm und eine Metallverblendung. „Ein Specht wollte hier mal einziehen“, sagt Jankovic. „Aber wir haben den Spalt geflickt und das Loch zugemacht.“

nej

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