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Handwerker im Haus: Ob Maler, Elektriker oder Heizungsbauer – über ein Trinkgeld freut sich jeder.

Brotzeit muss nicht sein, aber...

Handwerker im Haus? Insider verraten: So verhalten Sie sich richtig bei Trinkgeld und Umgang

Ein Handwerker kommt ins Haus. Bietet man Getränke und eine Brotzeit an? Schaut man ihm bei der Arbeit zu? Wie viel Trinkgeld ist üblich? Das sagen die Betroffenen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Jakob Pertold hat in seinem Leben schon etwa 20.000 Kunden besucht. In seiner Firma für Heizung und Sanitär in Deining seien in den vergangenen 20 Jahren mindestens 60.000 Kundendienste angefallen, sagt er. Zwischen einer und drei Stunden würden seine Mitarbeiter sich in der Regel in einem Haushalt aufhalten: „Es hat sich eigentlich nichts geändert in den 50 Jahren meiner Tätigkeit“, meint Pertold. 

Handwerker im Haus: Kunden sollten Probleme sachlich und genau schildern

Zunächst erwarte er, dass der Kunde ihm sein Problem sachlich und möglichst genau schildere. Es sei hilfreich, wenn er während der Arbeiten im Haus bleibe, um für eventuelle Fragen zur Verfügung zu stehen. Schaue er dem Monteur aber beim Auswechseln eines WCs oder bei einer Heizungsmontage die ganze Zeit über die Schulter, sei das „eher störend“, sagt Pertold.

Handwerker im Haus: Besser nicht zu viele Fragen stellen

Auch viele Fragen zu beantworten sei schwierig, weil man sich ja konzentrieren müsse. „Gar nicht mochte ich es, wenn mir einer reingequatscht hat. Aber das ist zum Glück ganz selten vorgekommen“, sagt der 69-Jährige. Gerne würden es seine Mitarbeiter sehen, wenn man ihnen Mineralwasser oder auch einmal eine Tasse Kaffee anbiete. 

Trinkgeld für Handwerker: Der Zeitpunkt ist wichtig - der Betrag auch

Pertold: „Das schafft einfach eine gute Atmosphäre.“ Eine Brotzeit müsse nicht sein. Beim Trinkgeld rät der Deininger, es lieber vorher zu geben – „als Motivation“. Zwei bis fünf Euro für kleinere Reparaturen hält er für angemessen. „Bei zehn Euro für eine Tagesarbeit ist der Handwerker überglücklich“, sagt er.

Handwerker im Garten: Über Brotzeit freut man sich

Arbeiten im Garten dauern oft tage- oder sogar wochenlang. Sabrina Schmidt, Juniorchefin des Geretsrieder Gartenbauunternehmens Schmidt, weiß, dass manche Privatkunden den Gärtnern mittags eine Brotzeit, manchmal sogar ein warmes Mittagessen spendieren. „Wir haben einige muslimische Mitarbeiter. Einer hat mir erzählt, dass eine Kundin ihm einmal extra ein Hühnchen statt des Schweinefleischs, das sie den Kollegen servierte, gebraten hat.“ 

Das fand die Gartenbaumeisterin „überaus aufmerksam“. Sie selbst habe die Erfahrung gemacht, dass Frauen am Bau „sogar noch ein bisschen netter“ behandelt würden als Männer. Zum Trinkgeld könne sie keine pauschalen Angaben machen. Es sei sicher eine schöne Geste, aber über ein Essen oder ein Stück Kuchen würden sich die meisten genauso freuen.

Zehn Euro für einen Tagesauftrag findet Andreas Will vom gleichnamigen Münsinger Fachbetrieb für Elektroanlagen wie Telefon, Kabelfernsehen und Photovoltaik ein passendes Trinkgeld. „Unsere Monteure freuen sich natürlich, wenn man ihnen darüber hinaus ein Wasser oder einen Kaffee hinstellt“, sagt der Firmenchef. Eine Brotzeit würden nicht einmal fünf Prozent der Kunden anbieten. 

Handwerker im Haus: Betriebe freuen sich über positive Rückmeldungen

Hilfreich sei es, etwa bei aufwendigen Altbausanierungen, die Will ebenfalls übernimmt, wenn die Haus- oder Wohnungseigentümer während der Arbeiten vor Ort seien, um über versteckte Leitungen Auskunft geben zu können. „Bei der Elektrotechnik kann man ja nichts einsehen“, so Will. Oft müssten seine Elektriker bei der Fehlersuche auch von Raum zu Raum gehen. Das würden sie natürlich lieber mit dem Einverständnis der anwesenden Hausherren tun. Andreas Will sagt, er freue sich immer über positive Rückmeldung. „Bei Beschwerden hat man schnell den Telefonhörer in der Hand. Ruft aber jemand an, um sich zu bedanken und unsere Techniker zu loben, motiviert uns das.“

Benedikt Trischberger vom gleichnamigen Elektrohandel in Gaißach hat festgestellt, dass die Kunden für schnellere Reparaturen oft mehr Trinkgeld geben als für ganztägige Installationen. „Weil sie so froh sind, dass es gleich gemacht wird“, vermutet Trischberger, der Haushaltsgeräte aller Art vertreibt und repariert. Fünf bis zehn Euro Trinkgeld seien üblich. Früher sei es häufiger vorgekommen, dass er eine Brotzeit spendiert bekommen habe. Heute würden die meisten aber alkoholfreie Getränke und Kaffee zur Verfügung stellen. Ob Stammkunden oder Neukunden spiele eigentlich in allen Punkten keine Rolle, sagt Trischberger.

Video: Handwerker glättet Zement mit cleverem Trick

Der Malermeister Josef Huber aus Bad Tölz kann noch nicht aus langjähriger Erfahrung sprechen. Nur so viel bedauert der 28-Jährige: „Trinkgeld gibt es überhaupt keines mehr, egal ob als Chef oder Mitarbeiter einer Firma. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Handwerksleistung immer teurer wird.“ 

Natürlich erledige er seine Arbeit deshalb genau so gerne und gewissenhaft. „Mir ist ein gutes Verhältnis zum Kunden wichtig. Er sollte gerne dabei sein, während ich male, um eventuelle Fragen zu beantworten oder noch Wünsche zu äußern. Ständig reden mag man aber bei der Arbeit nicht, und Besserwisserei kommt auch nicht gut an.“

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Eindeutiges Angebot für Handwerker im Haus? Ein Erlebnis zum Schmunzeln

Auf die Frage, ob er während seiner langen Kundendienst-Tätigkeit auch einmal ein eindeutiges Angebot erhalten habe, fällt Jakob Pertold eine Begebenheit ein. Er wurde einmal wegen einer Störung an der Heizung nach München gerufen. Als er an der Haustür läutete, öffnete die gut situierte Hauseigentümerin diese nur einen Spalt und bat ihn, kurz zu warten. Pertold: „Ich dachte, vielleicht zieht die sich derweil aus“. Doch die Frau kehrte – angezogen – mit ihrem Mann und drei Gläsern Sekt in der Hand zurück. „Die beiden hatten an dem Tag etwas zu feiern und waren so froh, dass ein Handwerker kurzfristig ihre Heizung repariert, dass sie darauf mit mir anstoßen wollten.“

Tanja Lühr

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