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Ins rechte Licht rücken sollen die Strahler die Flößerskulptur im Gewerbegebiet. Im Ergebnis ist genau das Gegenteil der Fall.

„Idee vermutlich an Stammtisch entstanden“

Aktion sorgt für Entsetzen: Bauhof-Mitarbeiter bohrt Löcher in Skulptur - er meinte es nur gut

Seit 2016 steht eine große Flößerskulptur in Wolfratshausen. Vor einigen Tagen wurde sie unfreiwillig verschönert. Der Bauhofmitarbeiter meinte es nur gut.

Wolfratshausen – Wenn man es positiv formulieren möchte: Der Grundgedanke war ein guter. Die Flößerskulptur, die den Kreisverkehr im Wolfratshauser Gewerbegebiet ziert, sollte stimmungsvoll illuminiert werden. Die Ausführung erfolgte handwerklich ohne Fehl und Tadel, unter künstlerischen Gesichtspunkten aber dilettantisch. Der Künstler, der die Skulptur schuf, ist alles andere als begeistert.

Direkt ins Holz des Flößer-Kunstwerks wurden die neuen Lampen geschraubt.

Kraftfahrer, die vom Autobahnzubringer B11a auf die Pfaffenrieder Straße abbiegen, empfängt seit zwei Jahren das gut zwei Meter hohe, vier Tonnen schwere Kunstwerk aus Stahl und Eichenholz. Entworfen hat die Skulptur Jürgen Batscheider aus Memmingen. In einem von Stadtverwaltung und dem Verein Lebendige Altstadt initiierten Wettbewerb, an dem 15 Künstler teilnahmen, setzte sich Batscheiders Entwurf bei der Jury mit einem deutlichen Vorsprung durch.

Wolfratshausen und Künstler waren sich einig: Skulptur soll beleuchtet werden - aber...

Künstler und Kommune waren sich von Anfang an einig, dass man den stolzen Flößer auf seinem Gefährt in den Abendstunden beziehungsweise in der Nacht beleuchten sollte. 

Spott und Empörung in Wolfratshausen: Am Tag nach Montage staunt man nicht schlecht

So weit, so gut. Seit einigen Tagen wird die imposante Skulptur angestrahlt – die Ausführung entsetzt allerdings Künstler Batscheider sowie alle Ästheten. Das Beleuchtungskonzept, das ein Mitarbeiter der Wolfratshauser Stadtwerke in Eigenregie installiert hat, hat laut Batscheider seinen Namen nicht verdient. Zwei der vier silbernen Scheinwerfer sind nämlich direkt ans Kunstwerk geschraubt worden. „Das sieht schlimm aus“, sagt der Memminger, „wirklich schlimm“.

„Die Idee ist vermutlich an einem Stammtisch entstanden.“

Batscheider reagiert auf die in seinen Augen misslungene Initiative mit Galgenhumor: „Die Idee ist vermutlich an einem Stammtisch entstanden.“ Er hätte sich im Vorfeld der Maßnahme „dann doch über einen Anruf gefreut“, räumt der renommierte Künstler ein. Was er dem Monteur empfohlen hätte? „Dass ich es zum Beispiel für keine gute Idee halte, die Lampen direkt in meine Skulptur hineinzuschrauben.“ So etwas mache man nicht ohne Rücksprache mit dem Erschaffer. Batscheider glaubt, dass er mit seiner Meinung nicht alleine dasteht. „So ein Kunstwerk kann Identität stiften. Da schauen die Leute natürlich genau hin“ – und seien womöglich überrascht über „so wenig Fingerspitzengefühl“.

Einer, dem es genau so geht, ist Bürgermeister Klaus Heilinglechner. Der Rathauschef hatte sich ursprünglich gefreut, dass das Kunstwerk beleuchtet wird. „Aber als ich gesehen habe, wie das jetzt aussieht, stand für mich sofort fest: Dass kann so nicht bleiben.“

Der Künstler selbst tut sich schwer, den Vorstoß des Stadtwerke-Mitarbeiters zu akzeptieren. „So etwas muss man doch im Vorfeld wissen.“ Er, Batscheider, habe sich bereits vor der Aufstellung der Flößerskulptur im Mai 2016 um eine Beleuchtung bemüht. Batscheider wollte Strahler im Boden verankern, die man bei Tageslicht nicht bemerkt und wollte die Beleuchtung so regeln, dass „es gut aussieht und gleichzeitig nachhaltig ist“. Zwei Attribute, die er den nun montierten Lampen nicht zwingend zuschreiben möchte. Er glaubt, dass sich die Flößerstadt mit der Aktion selbst ein Ei gelegt hat: „Für eine schöne Beleuchtung hätten sie ein Lob bekommen. So lacht man darüber.“

Bürgermeister Heilinglechner hat die Stadtwerke-Mitarbeiter inzwischen beauftragt, die „unglücklich“ platzierten Leuchter wieder zu entfernen. „Wir suchen nach einer neuen Lösung“, betont er. Am Mittwochvormittag haben die Stadtwerke prompt reagiert und die Strahler vom Kunstwerk entfernt.

Dominik Stallein

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