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Blick nach vorn: Die Baugenossenschaft zog eine positive Jahresbilanz.

„Der Bedarf ist akuter denn je“

Knapper Wohnraum: Baugenossenschaft schlägt Alarm

Wolfratshausen –Der Wohnraum in Wolfratshausen ist knapp. Geld für Neubauprojekte hätte die Baugenossenschaft, aber es fehlt an Grundstücken. Das ist in der Jahresversammlung deutlich geworden.

Freude und Ärger liegen bekanntlich oft nah beieinander: Das bestätigte sich auch im Jahresrückblick der Baugenossenschaft Wolfratshausen (BGW). In der Mitgliederversammlung vor einem Jahr hatte Vorstandsmitglied Winfrid Borcherdt seinen Jahresbericht mit dem Wunsch beendet, im Jahr 2016 mit dem Bau einer neuen Anlage für einkommengeförderte Wohnungen beginnen zu können, konkret an der Rothbachstraße in Waldram. Daraus wurde nichts.

„Es hat leider nicht funktioniert“, sagte Borcherdt am Freitagabend – noch immer sichtlich enttäuscht über das Scheitern. Die Argumentation der Gegner des Projekts seien so nicht nachvollziehbar. „Es ist ja absolut legitim, dass Bürger sich damit auseinandersetzen. Aber Unterschriften sammeln sie immer nur dann, wenn es gilt, dagegen zu sein. Eigentlich hätte es eine Liste für den Bau geben müssen.“

Auf eine Reaktion des damals gegründeten Arbeitskreises warte man bis heute, sagte Borcherdt. „Nach neun Monaten gibt es nicht mal ein Zwischenergebnis. Man dreht sich und dreht sich und dreht sich.“ Borcherdt blickte etwas neidisch nach Geretsried, wo der soziale Wohnungsbau mit der geplanten Wohnanlage auf dem ehemaligen Lorenz-Areal allmählich Fahrt aufnimmt (wir berichteten).

Umso größer ist die Freude, dass ein weiteres Großprojekt der Baugenossenschaft kurz vor der Vollendung steht: Der Neubau am Poignring liege voll im Zeitplan, erläuterte Vorstandsmitglied Josef Wehbe. Voraussichtlich am 16. Oktober – und damit früher als geplant – könnten die 28 neuen Wohnungen bezogen werden. Die veranschlagten Baukosten von rund 6,4 Millionen Euro würden eingehalten, sagte Wehbe. Derzeit liege man sogar unterhalb der ursprünglichen Kostenrechnung.

Etwas komplizierter gestalte sich jedoch die Vergabe der Wohnungen, zumindest bei den 16 einkommengeförderten Einheiten, erklärte Britta Wurm. Sie ist für Paul Brauner in den Vorstand gerückt. Durch die verschärfte Situation im Hinblick auf anerkannte Asylbewerber, die jetzt in den Wohnungsmarkt drängen würden, habe die Regierung von Oberbayern die Vergabekriterien zum Erhalt des Wohnungsberechtigungsscheins in den jeweiligen Einkommensstufen deutlich angehoben, sagte Wurm. „Das führt dazu, dass Mieter, die früher am Poignring 15 bis 25 gewohnt haben und jetzt wieder dort einziehen möchten, den erforderlichen Schein nicht mehr bekommen.“ Diese Entwicklung sei bedauerlich, könne von der BGW aber nicht beeinflusst werden. Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum sei akuter denn je, warnte Wurm. Die finanziellen Mittel für neue Projekt seien vorhanden, nur an günstigen Grundstücken fehle es in der Stadt. Wurm: „Deshalb sind wir auf einen Zukauf von Flächen dringend angewiesen, um unserer Aufgabe weiter nachkommen zu können, Wohnungen zu schaffen.“

Das sieht Christian von Stülpnagel, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Baugenossenschaft, genauso. „In Wolfratshausen ist es fünf vor Zwölf“, mahnte er in seiner Rede in der Jahresversammlung. Aktuell gebe es 30 Bewerber auf eine Wohnung der Genossenschaft. „Ich hoffe auf Weitsicht im Stadtrat, damit wir auch in Zukunft in Wolfratshausen investieren können und nicht ins Umland gehen müssen“, sagte Stülpnagel.

von Rudi Stallein

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