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Die Reittherapie des Inselhauses hilft, eine neue Bindung zwischen Mutter und Kind zu knüpfen. Die Gründe, warum es in Familien Schwierigkeiten gibt, sind vielfältig.

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Begleiter, Freund und Kummerkasten

Wolfratshausen – Tiere schaffen Nähe und öffnen Herzen. Mithilfe von besonderen Pferden und Reittherapeuten versucht das Inselhaus, traumatisierten Kindern und Jugendlichen zu helfen. Die Gründe für die Therapie sind vielfältig.

Kuscheln und Streicheln eines warmen Körpers mit weichem Fell ist Balsam für die Seele. Auch für den 14-jährigen Alex (Name geändert), der die zerrüttete Beziehung zu seiner Mutter neu aufbauen muss. Er nutzt die Reittherapie der Insehlhaus Kinder- und Jugendhilfe. Schon im Kleinkindalter war die Familie durch verschiedene Gründe in Unordnung geraten, Alex konnte nie eine sichere Bindung zu seinen Eltern aufbauen. Jetzt, mitten in der Pubertät, ist auch noch der Papa gestorben. Seine Mutter muss in Vollzeit arbeiten und hat kaum Zeit für ihren Sohn.

„Eine normale Mutter-Kind-Kommunikation ist nicht möglich. Immer endet alles im Streit“, erklärt Elke Burghardt, die im Inselhaus für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Sie schildert Alex’ anonymisierte Geschichte. Das soll verdeutlichen, warum die ambulante Erziehungshilfe so wichtig ist, in der Familien aus dem Nordlandkreis in schwierigen Lebensphasen zu Hause bei der Bewältigung des Alltags unterstützt werden. Im Rahmen von tiergestützter Pädagogik bietet das Inselhaus auch heilpädagogisches Reiten an. Das hilft wiederum Alex. Eine Reittherapeutin versucht, die Verbindung zwischen Mutter und Sohn zu stärken. Sechs ausgebildete Pferde gibt es dafür.

Vielfältige Anlässe für Therapie mit Tieren

Elke Burghardt: Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe

Die Anlässe für so eine Reittherapie sind vielfältig, Alex’ Fall ist nur ein Beispiel. Oft sind es Schicksalsschläge, es geht aber auch um Krankheit, Alkohol, Missbrauchsfälle und Gewalt, sagt Burghardt. „Es gibt viele Gründe, warum Eltern, die eigentlich immer nur das Beste für ihr Kind wollen, scheitern.“

Das Inselhaus betreut derzeit 110 Kinder- und Jugendliche. Es gibt 18 Kinder, die durch den Umgang mit einem Pferd wieder tragfähige Beziehungen erleben und Vertrauen fassen können, sagt Burghardt. In der heilpädagogischen Tagesstätte in Wolfratshausen gibt es dazu noch zwei Hunde, die für die Kinder Freund und Kummerkasten zugleich sind.

Breites Tätigkeitsfeld

Das Tätigkeitsfeld des Inselhauses ist noch breiter: Kinder und Jugendliche, deren Eltern sich nicht mehr kümmern können oder dürfen, sind beispielsweise im Kinderheim in Eurasburg, der Wohngruppe in Geretsried im Sternstundenhaus und in der Wohngruppe Unisono in Wolfratshausen untergebracht. In letzterer leben minderjährige, teilweise schwer traumatisierte unbegleitete Flüchtlinge.

Die Reittherapie, Schulmaterialien für die Kinder in den Heimen und Unterstützung für die Besucher der Tagesstätte: Das alles kostet viel Geld. „Die sozialen Leistungen des Staates sind teilweise so gering, dass Eltern, deren Kinder die Heilpädagogische Tagesstätte besuchen, noch nicht mal das Geld für einen Schulranzen haben“, sagt Burghardt. Ein anderes Kind dort bräuchte dringend eine Brille. Die Krankenkasse zahlt aber nur einen Zuschuss von 20 Euro, erklärt die Mitarbeitern der Kinder- und Jugendhilfe. Einige Flüchtlingskinder seien sehr gläubig und würden jeden Sonntag in die christlich-orthodoxe Kirche nach München gehen. Die Bahntickets dafür sind teuer. „Pro Kind bekommen wir 700 Euro im Jahr von der Sozialhilfe. Wenn dann schon 200 Euro für MVV-Karten abgezogen werden müssen, dann bleibt nicht mehr viel für alles andere Lebensnotwendige“, rechnet Burghardt vor.

Dank Spendengeldern, auch aus unserer Weihnachtsaktion „Leser helfen helfen“, wird Kindern und Jugendlichen geholfen.

Von Jessica Höck

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