Eine alte Frau am Telefon
+
Bei Anruf Betrug: Eine Wolfratshauserin wäre fast um ihre Ersparnisse gebracht worden.

83-Jährige erzählt, wie sie beinahe Opfer eines Enkeltrick-Betrugs geworden wäre

Bei Anruf Betrug: Eine 83-Jährige verlor beinahe all ihre Ersparnisse

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
    schließen

Der Sohn sitzt im Gefängnis - und bleibt dort, wenn Mutter nicht 42000 Euro in Bar bezahlt. Diese Geschichte wurde einer Seniorin aus Wolfratshausen am Telefon aufgetischt. Fast hätte sie das Geld tatsächlich übergeben und hätte es nie wieder gesehen. Gisela Schmidt reagierte im letzten Moment

Wolfratshausen – „Hier ist Dein Sohn – hilf mir bitte. Ich habe bei einem Unfall eine Frau totgefahren.“ Als im Januar bei Gisela Schmidt aus Wolfratshausen das Telefon klingelte, ahnte sie nicht, dass sie dieses Gespräch um ein Haar all ihre Ersparnisse gekostet hätte. Sie entging knapp einem hinterhältigen Betrug. Nun will sie mit ihrer Geschichte andere warnen.

Die Stimme am anderen Ende war brüchig, der Mann schluchzte. So habe ich noch nie mit meinem Sohn gesprochen. Ich dachte wirklich, er wäre es.“

Gisela Schmidt

„Ich hatte gar keinen Zweifel, dass ich mit meinem Sohn spreche“, erzählt die 83-Jährige, die im Nachgang ein Gesprächsprotokoll erstellte. „Die Stimme am anderen Ende war brüchig, der Mann schluchzte. So habe ich noch nie mit meinem Sohn gesprochen. Ich dachte wirklich, er wäre es.“ Der Anrufer gab an, von der Polizei festgehalten zu werden. „Sie verlangen 42 000 Euro in bar, sonst werde ich bis zur Verhandlung in frühestens sechs Monaten eingesperrt.“ Gisela Schmidt war wie erstarrt. Durch geschickte Fragestellungen erkundigte sich der Mann am anderen Ende nach Bargeld und Wertpapieren. „Kannst Du die nicht verkaufen?“ Die 83-Jährige verriet dem vermeintlichen Sohn, dass sie noch ein Sonderkonto mit einem höheren Betrag hätte. „Heb es ab“, kam umgehend die Aufforderung. „Aber sprich mit keinem darüber, sag nicht, wofür Du es brauchst. Die Polizei ermittelt noch, und da darf nichts nach außen dringen.“

Der Seniorin schaudert es bei der Erinnerung an den Betrugsversuch noch heute

Gisela Schmidt legte den Hörer zur Seite, radelte zu ihrer Bank und bekam noch kurz vor Schließung das Geld. Zuhause griff sie wieder zum Hörer. „Ich habe das Geld – aber es ist ja nicht genug.“ Der falsche Sohn holte einen ebenso falschen Polizisten an den Apparat. Dieser versprach, eine Ausnahme zu machen, setzte Schmidt aber weiter unter Druck. „Die Frau, die ihr Sohn getötet hat, war eine 32-jährige alleinerziehende Mutter von drei kleinen Kindern.“ Schmidt schaudert es bei dieser Erinnerung noch heute. „,Oh Gott, hab’ ich mir gedacht, was kommt jetzt noch auf mich zu? Inwieweit muss ich mich jetzt hier kümmern?“

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.

Die „Polizisten“ machten Druck - und Schmidt tat das einzig Richtige

Inzwischen gab der angebliche Polizist die Anweisung, sie möge das Geld in München bei der Gerichtskasse an der Pacellistraße einzahlen. Als Schmidt zögerte, fragte der ihr Unbekannt, ob der Streifenwagen bereits da gewesen sei. Man würde eine Streife schicken, um ihre Personalien zu überprüfen. In einer Gesprächspause kam die 83-Jährige kurz zum Nachdenken und beschloss, sich schleunigst abzusichern, indem sie bei der Polizei in Wolfratshausen anruft. „Vielleicht wissen die ja was davon.“ Gisela Schmidt machte das einzig Richtige: Sie legte auf und wählte die 110.

Lesen Sie auch: Die Wolfratshauser Polizei hat eine neue Vize-Chefin.

Der Betrugsversuch ist kein Einzelfall. Die Täter zu finden, ist aber schwierig

Kurz darauf stand die richtige Polizei vor ihrer Tür. „Wir hatten ein Passwort ausgemacht, damit ich weiß, dass es keine Betrüger sind.“ Die Beamten begleiteten die Seniorin zur Bank, um das Bargeld wieder einzuzahlen, und sensibilisieren die Bankmitarbeiter für diese Art der Betrugsmasche. „Sie machten mir klar, dass ich auf eine Enkeltrick-Variante hereingefallen war.“ Im Nachhinein kann Gisela Schmidt nur den Kopf schütteln. „Wie hinterhältig kann man nur sein.“ Sie selbst hatte bereits von dieser üblen Masche gehört – und sogar darauf gewartet, dass es sie einmal trifft. „Doch wenn es soweit ist, vergisst man alles.“

Vorgang liegt bei der Staatsanwaltschaft - der Ausgang ist ungewiss

Solchen Trickbetrügern auf die Spur zu kommen, erweist sich als schwierig. „Es gibt keine Telefonnummer, die man zurück verfolgen kann“, heißt es von Seiten der Polizeiinspektion Wolfratshausen. „Wie haben den Vorgang an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.“ sh

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare