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Noch eine provisorische Grube: Über den Dächern der Flößerstadt wird ein Auffangbecken gebaut. Mit Pumpen wird das gesammelte Wasser in den Rauschergraben geleitet. Ein Video von den Arbeiten im Wolfratshauser Bergwald gibt’s auf der Facebookseite des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur zu sehen.

„Schwanz wedelt mit dem Hund“

Bergwald: Bürgermeister weist Stadtrats-Vorwürfe zurück

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Wolfratshausen – Die tonnenschwere Gerölllawine, die vor knapp einer Woche vom Wolfratshauser Bergwald hinab in den Untermarkt stürzte, hat einen heftigen Disput ausgelöst.

Die Stadträte Alfred Fraas (CSU) und Dr. Hans Schmidt (Grüne) halten Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) und der Verwaltung vor, die Sicherung des Bergwaldhangs verschlafen zu haben. Nur „träge und schwerfällig“ hätten der Rathauschef und seine Mitarbeiter bislang trotz der latenten und seit langem bekannten Gefahr reagiert.

Heilinglechner bezeichnet die Kritik als „maßlos“. Er hält öffentliche Schuldzuweisungen grundsätzlich für falsch. Zudem erinnert der Rathauschef daran, dass der Bauausschuss umfangreiche Sanierungsmaßnahmen westlich des alten Wasserspeichers nahe der Bergwaldbühne im April dieses Jahres mit 4:6 Stimmen abgelehnt hat. Zwei Varianten hatte das von der Kommune beauftragte Wolfratshauser Ingenieurbüro Wehbe dem Gremium seinerzeit präsentiert. Kostenpunkt: zwischen 400 000 und 500 000 Euro. Beides Vorschläge, die die Technische Universität München – die der Stadtrat auch noch eingeschaltet hatte – bestätigte. Heilinglechner sowie seine Fraktionskollegen Dr. Ulrike Krischke, Peter Ley und Josef Praller plädierten für die Sanierung, die Räte Fraas, Claudia Drexl, Richard Kugler (alle CSU), Gerlinde Berchtold, Fritz Schnaller (beide SPD) und Schmidt (Grüne) sagten Nein.

„Ein Beschluss zum Bergwald ist im April definitiv nicht gefasst worden“, betont der Bürgermeister im Gespräch mit unserer Zeitung. Bis auf den Tag sei aus Stadtratskreisen auch kein Antrag zu dem Thema bei ihm eingegangen. Zwar hatte Fraas im April gefordert, dass ermittelt wird, „wie viel Wasser runterkommt“ und darum gebeten, dass das Thema „spätestens im Februar kommenden Jahres mit Ergebnissen wieder auf der Tagesordnung stehen soll“. Einen entsprechenden Antrag, um den Bauamtsleiter Dieter Lejko Fraas in der Bauausschusssitzung vor zwei Monaten bat, stellte der CSU-Stadtrat indes nicht.

„Alles, was seither in puncto Bergwaldsicherung geschehen ist, erfolgte auf meine Anordnung“, stellt Heilinglechner fest. Dazu zählt vor allem der Bau eines Rückhaltebeckens (wir berichteten), von dem sich der Rathauschef viel verspricht. Ihm nun Trägheit vorzuwerfen – „da platzt mir der Kragen“, sagt Heilinglechner. Dass genau die Stadträte, die im April noch die Meinung vertreten hätten, dass man „abwarten könne“, nun wortgewaltig auf die Tube drücken, ist für den Rathauschef schwer nachvollziehbar. Und: Dass man weder dem Ingenieurbüro Wehbe noch der Technischen Universität München Glauben schenke und stattdessen auf eine eigene Expertise setze, lässt für Heilinglechner nur den Schluss zu: „Da wedelt der Schwanz mit dem Hund.“

Schmidt und Fraas haben wie berichtet die Idee geboren, den Wall am östlichen Rand des Golfplatzes in Richtung Nordwesten zu verlängern und das Wasser um den Hochbehälter herum über ein bereits vorhandenes Abwasserrohr in den Rauschergraben zu leiten. „Das hätte man innerhalb eines Tages machen können“, urteilt Fraas. Von dem Fassungsvermögen des in den vergangenen Tagen angelegten Rückhaltebeckens über den Dächern der Flößerstadt sind beide Kommunalpolitiker wenig überzeugt.

Nach Rücksprache mit Experten kommentiert der Bürgermeister den Vorschlag des Trios mit den Worten: „Das wäre zu kurz gesprungen.“ Unter anderem müsse bei der Umleitung des Regenwasser nach Nordwesten eine kleine Steigung überwunden werden – das würde laut Bauhofleiter Mathias Schmidberger schwierig.

Schlagabtausch geht am Dienstag weiter

Bis zur nächsten Runde des Schlagabtausches wird nicht viel Wasser die Loisach hinabfließen: In der Stadtratssitzung am kommenden Dienstag (18 Uhr, Rathaus) will Schmidt unter anderem eine Antwort auf die Frage, ob das Landratsamt für den durch den Murenabgang am vergangenen Sonntag entstandenen Schaden in Höhe von etwa 150 000 Euro aufkomme. Denn: Die Kreisbehörde weiß laut Schmidt seit Monaten von der prekären Situation im Wolfratshauser Bergwald, aber habe das „lange geplante und beantrage Auffangbecken“ am nordöstlichen Rand des Golfplatzes Bergkramerhof bislang nicht genehmigt.

cce

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