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Tretminen sind ein stetes Ärgernis. Vor allem in Geretsried häuften sich derzeit die B eschwerden. 

Beschwerden nehmen in jüngster Zeit zu

Haufenweise Ärger: So gehen Kommunen mit dem Hundekot-Problem um 

Wenn im Frühling der Schnee schmilzt, kommen nicht nur Krokusse zu Tage. Oft tauchen auch Dinge auf, die man eigentlich nicht sehen möchte: Hundehaufen zum Beispiel.

Wolfratshausen Im Geretsrieder Rathaus gingenin jüngster Zeit vermehrt Beschwerden über derartige Verunreinigungen ein (wir berichteten) – und das trotz der 22 Beutelspender, die es den Hundebesitzern erleichtern sollen, ihrer Pflicht nachzukommen. Die größte Stadt im Landkreis mit gut 24 000 Einwohnern ist auch das Zuhause von 1170 Hunden – mindestens, denn einige laufen ohne Steuermarke herum. Weil die Tiere ihre Hinterlassenschaften nicht selber wegräumen können, stehen Herrchen und Frauchen in der Pflicht: „Die Stadt hat eine Verordnung über die Reinhaltung und Reinigung der öffentlichen Straßen erlassen“, sagt Thomas Loibl, Pressereferent der Stadt. „Wird dagegen verstoßen, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit.“ Im Falle eines solchen Verstoßes können theoretisch Bußgelder verhängt werden. In der Praxis gestaltet sich das allerdings schwierig.

Verursacher oft schwer zu finden

Hubert Bernwieser vom städtischen Ordnungsamt Wolfratshausen bestätigt das: „In solchen Fällen sind die Verursacher oft schwer zu finden. Wenn aber jemand erwischt wird, und ein Zeuge meldet das bei uns, kann man schon was machen.“ Prinzipiell seien die Beschwerden in jüngster Zeit häufiger als sonst: „Das plätschert immer so dahin“, sagt Bernwieser. „Immer wieder bekommen wir Hinweise von Bürgern, wo ihrer Meinung nach noch Mülleimer hinmüssten. Diese Vorschläge werden in der Regel auch umgesetzt.“

70 Dogstations in der Loisachstadt

In Wolfratshausen haben neben rund 19 000 Einwohnern etwa 650 Hunde ihren Hauptwohnsitz. Mit laut Bauhof knapp 70 so genannten Dogstations, also Beutelspendern, hat man das Problem in der Flößerstadt anscheinend ganz gut im Griff. Die Tütenstationen scheinen auch in Icking Wirkung zu zeigen: „Vereinzelt gehen bei uns schon Beschwerden ein“, berichtet Franz Lachner vom Ordnungsamt. „Seit wir um die 15 Dogstations haben, ist es aber viel besser geworden.“ Für die 295 in der Gemeinde gemeldeten Zamperl der 3815 Ickinger reichen die wohl. „Wenn doch einmal etwas liegen bleibt, nehmen das meistens die Bauhofmitarbeiter mit. Aber es kommt meines Wissens nicht allzu oft vor“, sagt Lachner.

Wer macht die Häufchen weg?

Wer für die Hinterlassenschaften zuständig ist, lässt sich nicht so einfach beantworten. Denn theoretisch bleibt nichts liegen, weil die Hundebesitzer ja alles mitnehmen müssen. „Das ist nicht wie mit der Schneeräumpflicht der Anwohner“, gibt Hubert Bernwieser zu bedenken. „Meistens machen sie es trotzdem weg, weil man sowas ungern vor seinem Haus liegen hat. Auf öffentlichen Flächen übernehmen das die Bauhofsmitarbeiter.“ Auch Geretsrieds Pressereferent Thomas Loibl sieht bei öffentlichen Flächen die Stadt in der Pflicht. Zugleich ruft er alle Bürger dazu auf, Ordnungswidrigkeiten unbedingt zu melden. Aber, so schreibt er auf Anfrage unserer Zeitung: „Von all dem unberührt verbleibt es selbstverständlich bei der grundsätzlichen Reinigungspflicht der Vorder- beziehungsweise Hinterlieger.“

Einzelne schädigen den Ruf der Hundebesitzer

Das große Problem sei, „dass Einzelne den Ruf aller anderen kaputt machen“, kommentiert Angelika Kassner von den Hundesportfreunden Königsdorf die Problematik. Hundehaufen auf dem Vereinsgelände müssen, wie woanders auch, die Frauchen und Herrchen entfernen. „Mit allen, die neu dazukommen, wird das gleich geklärt. Wer sich nicht daran hält, gehört nicht dazu.“ Dogstations findet Kassner wichtig, verweist aber auch auf den sonstigen Müll: „Wenn wir schon über Verunreinigungen reden, könnte man die Leute vielleicht auch da sensibilisieren. Was gerade in der Umgebung von Spielplätzen oft herumliegt, da kann man sich nur wundern.“ Selbstverständlich seien Hundehaufen oft sehr unangenehm. Falle ein Kind aber in eine Glasscherbe, „ist das oft noch viel schlimmer“. Damit will Kassner jedoch nicht vom eigentlichen Thema ablenken: „Wer einen Hund hat, muss auch seine Hinterlassenschaften entsorgen. Das sollte sich jeder Hundebesitzer auf die Stirn schreiben.“

Auch der Waldkindergarten klagt über Hundekot

Das Thema Hundekot hat es auch in den Wolfratshauser Kulturausschuss geschafft. Gerlinde Berchtold (SPD) fragte in der jüngsten Sitzung an, ob es möglich sei, mehr Schilder aufzustellen, die Hundehalter dazu bewegen, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner zu entsorgen. „Ich war vor kurzer Zeit zu Besuch im Waldkindergarten“, berichtete die Familienreferentin des Stadtrats. Die Leiterinnen hätten ihr von einem Problem berichtet: „Die freilaufenden Hunde sind für die Kinder eine Katastrophe.“ Der Grund: „Wenn die Kinder im Wald spielen, ist überall Hundekot. Dem müssen wir doch entgegenwirken“, meinte Berchtold. Schließlich sei das nicht nur unappetitlich, sondern noch dazu gesundheitsgefährdend. „Es kann doch niemand wollen, dass ein Kind mit der Kacke eines Hundes spielt.“ Ein Hinweisschild ging Walter Daffner (Bürgervereinigung) noch nicht weit genug: „Können wir uns nicht Gedanken über eine allgemeine Anleinpflicht machen?“ fragte er. Das, so entgegnete Rathausmitarbeiter Martin Melf, sei rechtlich nicht möglich. Besser sei es, an die Vernunft der Hundehalter zu appellieren. Grünen-Rätin Anette Heinloth begrüßte den Vorschlag, Schilder aufzustellen: „Vielleicht zwickt ja doch den ein oder anderen das Gewissen, wenn man darauf hinweist, dass Kinder an dieser Stelle spielen.“

Von Carina Sappl und Dominik Stallein

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