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Rund 40 Mitglieder kamen zur Jahresversammlung der Baugenossenschaft Wolfratshausen, links im Bild der Aufsichtsratsvorsitzende Christian von Stülpnagel.

Kritik in der Mitgliederversammlung

Bezahlbarer Wohnraum: Baugenossenschaft hadert mit Stadt

Kritik an der Politik hagelte es in der Mitgliederversammlung der Baugenossenschaft. Die Vorstandsmitglieder beklagten, dass es ihnen als Bauwerber schwer gemacht werde, bezahlbaren Wohnraum in ausreichender Zahl zu schaffen.

Wolfratshausen Als jüngstes Beispiel nannten die Vorsitzenden der Baugenossenschaft Wolfratshausen (BGW), Josef Wehbe und Winfrid Borcherdt, die Blombergstraße in Farchet. Dort wollte die BGW 65 einkommensgeförderte Wohnungen bauen. Genehmigt wurden vom Bauausschuss 40 plus eine Generalsanierung von 20 bereits bestehenden. Dem Ausschuss und auch dem Landratsamt erschien die erste Planung als zu hoch und zu massiv.

Die Behörden würden immer weniger Wohnfläche, dafür mehr Tiefgaragenplätze fordern, kritisierte Josef Wehbe. Das sei für einen Bauherren unwirtschaftlich, insbesondere wenn er günstigen Wohnraum schaffen wolle. „Wir brauchen einen anderen Weg“, so Wehbe. Winfrid Borcherdt ergänzte, dass die Kosten für Baugrund, Bauarbeiten, Genehmigungsverfahren und Auflagen wie Brandschutz stetig steigen würden.

„Es ist unser eigenes Problem, das wir lösen müssen“

Deutliche Worte fand die dritte Vorsitzende im Bunde, Britta Wurm. Sie erinnerte an den von Landrat Josef Niedermaier kürzlich genannten zu erwartenden Bevölkerungszuwachs von zehn Prozent im Landkreis, was 12.000 Einwohnern entspreche. Wurm: „Das ist kein Problem, das uns die Stadt München aufdrückt, wie es möglicherweise einige Wolfratshauser Stadträte sehen. Es ist unser eigenes Problem, das wir lösen müssen.“ Allein die BGW verzeichne aktuell 344 Vormerkungen für eine bezahlbare Wohnung (im Vorjahr seien es zur selben Zeit 300 gewesen). 270 Bewerber stammten aus Wolfratshausen und Geretsried.

Wunsch: partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Stadt und Baugenossenschaft

Wurm schloss sich der jüngst vom Landrat ausgegebenen Devise an, dass künftig dichter und höher gebaut werden müsse – auch gegen den Widerstand aus der Bevölkerung. Die Vorstandsvorsitzende hält zudem eine angepasste Stellplatzsatzung für notwendig, wie sie der Stadtrat auf Antrag der Grünen kürzlich abgelehnt hat. In Geretsried und München funktioniere eine solche Regelung. „Dass für Bauwerber wie Baugenossenschaft oder Stäwo, die bezahlbaren Wohnraum schaffen und sich damit jahrzehntelang binden, dieselben Bedingungen gelten wie für Bauträger, die berechtigterweise in erster Linie eine Gewinnmaximierung im Blick haben, ist für uns nicht nachvollziehbar“, sagte Wurm. 

Ausdrücklich lobte sie, dass der Stadtrat der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (Stäwo) auf der Coop-Wiese die Errichtung von 50 Wohnungen im geförderten Wohnungsbau genehmigt habe. Mit Verweis auf die Verkehrsproblematik sei der BGW allerdings zuvor ein Projekt in der Nähe des Friedhofs verwehrt worden. Wurm hat den Eindruck, hier werde mit zweierlei Maß gemessen. Sie würde sich „eine ähnlich partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Stadt und Baugenossenschaft wünschen wie in Geretsried.“

Tanja Lühr

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