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Gegen die Massentierhaltung fordert Biobauer und Landtagskandidat Hans Urban ein Tierwohlgesetz.

Diskussionsveranstaltung  „Zukunft für die Bauern: Landwirte als Naturschutz-Unternehmer“

Bezirkstagskandidat Buchwieser  fordert Agrarwende auf eigene Faust

„100 Prozent Bio muss nicht sein“: Die Grünen diskutieren in Wolfratshausen über die Zukunft der Landwirtschaft.

Wolfratshausen – In der Landwirtschaft ist alles auf Wachstum ausgerichtet. Insekten sterben aus wegen der intensiven Bewirtschaftung von Flächen und der Verwendung von Pestiziden. Andere Tiere wie Vögel und Igel folgen. Die Massentierhaltung wird nicht weniger, obwohl Verbraucher sie ablehnen. „So kann es nicht weitergehen“, sagt Dr. Hans Schmidt.

Der Grünen-Ortssprecher, Kreis- und Stadtrat hatte deshalb zu einer Diskussionsveranstaltung unter dem Motto „Zukunft für die Bauern: Landwirte als Naturschutz-Unternehmer“ eingeladen. Gäste waren der Eurasburger Biobauer und Direktkandidat für die Landtagswahl, Hans Urban, der Bezirkstagskandidat Georg Buchwieser sowie der ehemalige Bundestagskandidat und Agrarexperte beim Umweltinstitut München, Karl Bär.

Alle drei Politiker fordern, dass EU und Freistaat das Fördersystem für Landwirte umstellen. 80 Prozent der Mittel erhalten Bauern bisher für ihre Flächen. Nur 20 Prozent werden für Umweltschutzmaßnahmen und andere Investitionen ausgeschüttet. Der Fokus müsste nach Meinung von Karl Bär viel stärker auf den Umweltprogrammen liegen. So sollten Landwirte für die Pflege der artenreichen Magerwiesen deutlich mehr Geld bekommen als bisher, verlangen Bär wie auch Georg Buchwieser. Der Umstieg auf ökologische Landwirtschaft müsste noch lukrativer werden. Bär wünscht sich nach dem Vorbild der Energiewende eine Agrarwende mit dem Ziel, dass bis zu einem bestimmten Datum nur noch Bio-Landwirtschaft betrieben wird.

Das sieht Hans Urban, selbst Biobauer, nicht ganz so streng. „100 Prozent Bio muss nicht sein“, sagt er. Stattdessen will er sich als Landtagskandidat gegen die intensivierte Tierhaltung einsetzen. „Wir haben die Kuh von der Weide genommen, das Schwein und das Huhn in Mastbetrieben zusammengepfercht“, kritisiert er. Die Großställe führten nicht nur zu einem vermehrten Ausstoß von Methan und Kohlendioxid. Der Verbraucher fordere auch ganz deutlich eine Tierhaltung nach ethischen Gesichtspunkten. Urban plädiert für ein Tierwohlgesetz, eine Kennzeichnungspflicht für Fleisch, wie es sie bei Eiern gibt. Außerdem will er sich für ein klares Gentechnikgesetz stark machen.

Nicht für alles sind nach Meinung von Bezirkstagskandidat Buchwieser Gesetze nötig. Die Landkreise und Kommunen könnten die Agrarwende auf eigene Faust vorantreiben, sagt er. Die Grünen im Kreistag von Garmisch-Partenkirchen hätten – teilweise erfolgreich – Anträge dazu eingebracht. So verzichte Garmisch-Partenkirchen bei seinen eigenen Flächen auf die Verwendung von Glyphosat. Einen Runden Tisch mit Politikern, Umweltverbänden und Landwirten wollen die Grünen im Nachbarlandkreis gerne noch installieren.

Hans Urban warnte vor einem weiteren Höfesterben. In Bayern gebe es aktuell rund 90 000 landwirtschaftliche Betriebe. Ein Drittel davon werde im Nebenerwerb bewirtschaftet, berichtete er. Neben einer neuen Förderpolitik will der Eurasburger den regionalen Handel forcieren. Hier sei auch der Verbraucher gefragt.Tanja Lühr

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