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„Trugbilder des Lebens“ nennt Nikola Trafojer-Nartik aus Südtirol seine Werke, die jetzt im Wolfratshauser Amtsgericht zu sehen sind. Viele haben eine kritische Botschaft.

Bilder von Nikola Trafojer-Nartik

Surreales im Amtsgericht

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Wolfratshausen – Eine neue Ausstellung zeigt Bilder von Nikola Trafojer-Nartik, der im Stil von Salvador Dali malt. Die Bilder sind im Amtsgericht zu sehen.

Es war auf dem Sommer-Tollwood im vergangenen Jahr. Dort trafen sich zwei Menschen, die sich über Gott und die Welt unterhielten. Der eine: Dietmar Galuschka, seit drei Jahren pensionierter ehemaliger Geschäftsleiter des Wolfratshauser Amtsgerichts. Er initiiert regelmäßig Ausstellungen im Obergeschoss des Gerichtsgebäudes. Der andere: Nikola Trafojer-Nartik (23) aus Bozen in Südtirol. Er malt surrelistische Ölbilder. Als Galuschka von der Kunst seines Gegenübers erfuhr, lud er ihn für eine Ausstellung ein. Und so kommt es, dass in den nächsten Tagen und Wochen Werke des jungen Südtirolers im Amtsgericht zu sehen sind.

Erst seit einem Jahr beschäftigt sich Nikola Trafojer-Nartik mit Pinsel und Ölfarben. Zehn großformatige Arbeiten auf Leinwand sind in dieser Zeit entstanden. Dietmar Galuschka ist begeistert: „Surrealismus im Stil von Salvador Dali hatten wir hier noch nie.“

Seit vier Jahren lebt Trafojer-Nartik in München und hat inzwischen sein Studium der Mediengestaltung und Digitalfilm mit Diplom abgeschlossen. Bisher waren sein Handwerkszeug der Fotoapparat und der Computer, sein Thema Konzepte von Science Fiction-Welten. Mittels „YouTube“ brachte er sich bei, wie man mit Pinsel und Farbe umgeht, wie man Licht und Schatten setzt und so räumliche Tiefe ins Bild bringt. Die fließenden Uhren und brennenden Giraffen von Dali sind seine Vorbilder.

Trafojers Themen befassen sich mit der Ideologie von heute, wie etwa der Smartphone-Kommunikation junger Leute, der Konsum der westlichen Gesellschaft, Großmut und Anpassung. Ein großflächiges Bild mit dem Titel „Verbindung mit Mensch“ zeigt ein stelzenhaftes, kopfloses Wesen, dessen Gehörgang an einer Kabelverbindung ausgelagert im freien Raum schwebt und irgendwie eine unüberwindliche Distanziertheit suggeriert.

Trafojer nennt seine Bildmotive „Trugbilder des Lebens“. „Wir wissen doch alle nicht genau, wer wir sind und in wie weit uns das Umfeld beeinflusst“, philosophiert der 23-jährige Südtiroler. Sozialkritische Themen verpackt er in Form, Perspektive und Ästhetik und setzt seine Gefühle und Gedanken in symbolisierte Darstellungen um. Die Figuren sind maskenhaft anonym oder gar kopflos. „Der versinkenden Wuchs“ heißt ein Diptychon, der den Lebenszyklus in Form von nackten Brüsten darstellt.

„Jeder soll sich bei meinen Bildern seinen eigenen Kopf machen.“ Die Themen sind Sozialkritik, Weltkonflikte, Ausbeutung. Trafojers Surrealismus ist frei und frech. So frech, dass Dietmar Galuschka mit dem Gedanken spielte, die Bilder des jungen Mannes zu zensieren. Insbesondere die nackten Brüste könnten so manchen Besucher provozieren. Ob sie wirklich zu sehen sein werden? Abwarten. Schließlich ist der Ausstellungsort das Amtsgericht. Und dort herrscht Recht und Ordnung.

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