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Im Visier der Polizei: Am Mittwoch war wieder Blitzermarathon. Auch in Öhnböck wurde kontrolliert.

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Blitzermarathon: Dieses Fazit zieht die Polizei

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Es ist der Mittwoch, 19. April. In ganz Bayern gibt es einen Blitzermarathon. Die Polizei zieht ein positives Fazit: „Die Autofahrer waren sehr brav.“

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Autofahrer in Öhnböck sind vorgewarnt. Ganz langsam rollt der Verkehr durch den Eglinger Ortsteil. Eine Dreiviertelstunde müssen die Polizisten Tony Lechner und Katrin Schwarz warten, dann lohnt es sich das erste Mal, dass sie ihre Laserpistole einsetzen. Schwarz richtet das Messgerät auf einen schwarzen VW Touareg mit Münchner Kennzeichen, drückt auf einen schwarzen Knopf, Sekundenbruchteile später leuchten rote Ziffern auf: 60 Stundenkilometer statt der erlaubten 50. Lechner zückt seine Polizeikelle und winkt das Auto an den Straßenrand. „Hallo, Sie wissen, dass Sie etwas zu schnell gefahren sind“, sagt Lechner. Der Touareg-Fahrer gibt sich reumütig und entgegnet: „Ah blöd. Tut mir leid. Ich hab’ das Auto einfach in den Ort reinrollen lassen.“ Der Polizei-Hauptkommissar lässt sich die Fahrzeugpapiere und den Führerschein zeigen – und kann sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Der Mann auf dem Führerschein-Foto und der Mann vor ihm haben scheinbar gar nichts gemeinsam. In dem grauen Führerschein klebt ein Foto, das einen gertenschlanken Jüngling mit wallendem Haar zeigt. Vor ihm steht dagegen ein etwa 50 Jahre alter Geschäftsmann mit schwarzem Anzug und Krawatte. Seine Haare haben sich längst verabschiedet. Dafür sind viele Kilogramm Körpergewicht hinzugekommen. Lechner prüft kurz die Papiere, belässt es bei einer Ermahnung und warnt: „Passen Sie auf. Heute stehen noch viele Kollegen von mir am Straßenrand.“

Ermessensspielraum bei geringen Überschreitungen

Als der Mann davonfährt, sagt Lechner: „So selbstkritische Autofahrer wünscht man sich.“ Er und seine Kollegen haben bei geringfügigen Geschwindigkeitsüberschreitungen einen Ermessensspielraum. 15 Euro hätte der Mann zahlen müssen, wenn er uneinsichtig gewesen wäre und sich eine Bemerkung erlaubt hätte wie: „Habt Ihr nichts Besseres zu tun?“

Bayernweite Aktion gegen Raser

Auch im Eglinger Ortsteil Öhnböck wurde kontrolliert.

Der fünfte bayerische Blitzermarathon war eine bayernweite Aktion gegen Raser. 24 Stunden lang gab es Geschwindigkeitskontrollen auf Bayerns Straßen. Rund 1900 Polizisten und 50 Messtechniker kontrollierten die Geschwindigkeit an 1900 Stellen. „Wir wollen, dass sich die Leute die Beschilderung und die eigene Geschwindigkeit bewusst machen“, sagt Lechner. Um 6 Uhr morgens startete die Aktion in Wolfratshausen. Los ging es an der Äußeren Beuerberger Straße. Die Weidacher Hauptstraße war die zweite Etappe. „Auch da waren die Autofahrer sehr brav“, sagt Lechner. „Man merkt, dass sie vorgewarnt sind. Wegen des Schneefalls fuhren die meisten ohnehin vorsichtig.“ Anschließend machten die Polizisten Station in Öhnböck. Ein Ort, den die Ordnungshüter bewusst gewählt haben, denn hier gibt es einige kritische Punkte: eine Straßeneinmündung, ein Bushäuschen und etliche Einfahrten und Ausfahrten zu Grundstücken.

Es gibt auch Kritik am Blitzermarathon. Der Automobilclub „Mobil in Deutschland“ hält ihn für eine reine Show, die unnötig viel Personal bindet. Dem widerspricht Lechner mit Nachdruck: „Uns liegt die Verkehrssicherheit am Herzen. Ich finde so eine gemeinsame Aktion absolut in Ordnung.“

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