Maibaum wird aufgestellt.
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Am 1. Mai 2019 hievten rund 80 Helfer auf Kommando von Andreas Huber den Maibaum an der alten Floßlände in Wolfratshausen in die Höhe. Keine zwei Jahre später muss der 30-Meter-Fichtenstamm wieder umgelegt werden.

Gutachter klopfte Fichten-Stämme ab

„Böse Überraschung“ für alle Maibaum-Freunde in Wolfratshausen

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Ein Baumgutachter hat ihr Todesurteil gesprochen: Beide Maibäume in der Stadt Wolfratshausen müssen unverzüglich gefällt werden.

  • Anfang Februar hat ein Baumgutachter die zwei Maibäume in Wolfratshausen geprüft.
  • Das Ergebnis: Beide sind von einem Pilz befallen, beide müssen umgelegt werden.
  • „Das ist bitter“, sagt Bürgermeister Klaus Heilinglechner.

Wolfratshausen – Bis dass der TÜV uns scheidet: Dieses Gelöbnis gilt nicht nur für die Fahrer der berühmt-berüchtigten Rostlauben, sondern auch für Bayerns Burschenvereine und ihre Maibäume. Nun hat’s die Weidacher Burschen und die Wolfratshauser Kolpingfamilie zeitgleich erwischt: Sowohl die 36-Meter-Fichte vor dem Gasthaus zum grünen Baum als auch der 30-Meter-Stamm an der alten Floßlände müssen schnellstmöglich umgelegt werden.

„Dumpfer Klang“ beim Klopftest

„Unser Baum hat die letzte Prüfung leider nicht bestanden“, berichtet Michael Baindl, der immer noch amtierende Mai-König in Weidach, im Gespräch mit unserer Zeitung. Beim sogenannten Klopftest habe der Prüfer Anfang Februar auf der Nordseite des Baumes, in etwa 20 Metern Höhe, einen „dumpfen Klang“ gehört. Dies deute für den Experten auf Pilzbefall hin. Die Folge: Der Maibaum, der am ersten Tag des Wonnemonats im Jahr 2018 aufgestellt worden ist, muss „unverzüglich“ umgelegt werden. Das hat der Vorsitzende des Weidacher Burschenvereins, Jonas Hummel, in dieser Woche per E-Mail von der Stadtverwaltung erfahren. Denn die Gutachter kennen kein Erbarmen: Ist der Stamm morsch, faul, vom Pilz befallen, ist irgendwo ein Riss erkennbar oder besteht auch nur der Hauch der Gefahr, dass er umstürzen könnte, müssen die Burschen die Axt anlegen. Niemand will riskieren, dass es im Fall des buchstäblichen Falles zu Sachschäden kommt – geschweige denn, dass irgendjemand verletzt wird oder gar sein Leben verliert.

Nur der Stumpf bleibt in Weidach stehen

„Es hilft ja nichts“, stellt Baindl pragmatisch fest. Schon für diesen Samstag ist ein Kran bestellt und der Baum, der in einem Wald bei Straßlach geschlagen worden war, wird umgelegt und zersägt. Nur der Stumpf bleibt stehen. „Den brauchen wir, um den Bandl-Tanz zu üben“, erklärt der Mai-König. Kraft dieses Ehrentitels ist Baindl übrigens noch immer für den Weidacher Maibaum verantwortlich – bis ein neuer in die Höhe gestemmt wird. Das geschieht in Weidach mutmaßlich 2023.

Sebastian Rid, Vorsitzender der Kolpingfamilie Wolfratshausen, spricht von einer „bösen Überraschung“. Auch den Maibaum der Kolperer klopfte der Gutachter aus Petershausen ab – und siehe da: Auf der Nordseite, in etwa 20 Metern Höhe, klang das Holz wie beim Artgenossen in Weidach dumpf. Das bedeutete das Todesurteil für die etwa zwei Tonnen schwere 30-Meter-Fichte am Loisachufer.

Passiert etwas, packt man die Stadt am Schlafittchen.“

Bürgermeister Klaus Heilinglechner

„Das Ganze ist ein wenig verwunderlich“, meint Rid. Zum einen, weil die Kolpingfamilie ihren weiß-blau lackierten Baum erst vor knapp zwei Jahren an der alten Floßlände mit Hilfe von Scherstangen in die Senkrechte hievte – und zum anderen: „Wir haben die Prüfung nicht in Auftrag gegeben.“ Dies habe nach seinem Wissen die Stadt getan, „ohne sich mit uns, dem Eigentümer des Baums, vorher in Verbindung zu setzen“. Zudem weist der Vorsitzende der Kolpingfamilie darauf hin, dass die Gesundheit eines Maibaums in der Regel erst drei Jahre, nachdem er aufgestellt worden ist, von einem Holzexperten abgeklopft werde. „Doch jetzt sind uns natürlich die Hände gebunden“, sagt Rid. Da offenbar Gefahr im Verzug sei, müsse nun kurzfristig das Umlegen des beanstandeten Stammes organisiert werden.

Wäre der Maibaum an der alten Floßlände bei der Klopfprüfung nicht durch dumpfe Klänge unangenehm aufgefallen, hätte er dort voraussichtlich bis ins Jahr 2024 gestanden. Ob’s jetzt in Wolfratshausen früher eine zünftige Maifeier geben wird? Darüber hat sich Rid noch keine Gedanken gemacht. Derzeit heißt „das Ende vom Lied“ für den Vorsitzenden der Kolpingfamilie: „In den nächsten Jahren wird in ganz Wolfratshausen kein Maibaum stehen.“ Das sei „sehr schade“ und „bestimmt nicht schön“, aber „eben nicht zu ändern“. Auf jeden Fall will sich Rid mit seinem Leidensgenossen Baindl beziehungsweise dem Weidacher Burschenchef Hummel absprechen wer, wann einen neuen Maibaum aufstellt. Denn dass es zeitgleich zwei Maifeiern in der Flößerstadt gibt, komme auf keinen Fall in Frage.

Früher war alles besser

Wolfratshausen ohne Maibäume: „Das ist bitter“, sagt Bürgermeister Klaus Heilinglechner. Die Stadt sei alle zwei Jahre zur Prüfung der Stämme angehalten, die Kommune habe die Versicherungspflicht. Das heißt: „Passiert etwas, packt man die Stadt am Schlafittchen.“ Das Urteil des Baumgutachters sei unumstößlich, betont der Rathauschef, „so leid es mir für die Weidacher Burschen und die Kolpingfamilie tut“. Früher war alles besser, auch die Qualität der Maibäume: „Die standen locker fünf Jahre“, erinnert sich Heilinglechner. Inzwischen sei es nicht ungewöhnlich, dass ein Stamm – zum Beispiel aufgrund Pilzbefalls – schon nach zwei Jahren aus dem Verkehr gezogen werden müsse. (cce)

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