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Echter Kerzenschein gehört in vielen Kindergärten und Schulen zur Adventszeit. So lernen die Kinder früh, verantwortungsbewusst mit Feuer umzugehen. 

Kein Spiel mit dem Feuer

Brandschutz: Wie besinnlich darf die Adventszeit noch sein? 

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Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Oder doch nicht? Oft kommt Brandschutz mittlerweile vor Gemütlichkeit. Doch in vielen Kindergärten und Schulen im Landkreis haben sich LED-Lichter noch nicht durchgesetzt. Denn Kerzenschein ist nicht nur schön, sondern auch pädagogisch wertvoll.

Bad Tölz-Wolfratshausen – In der Früh versammeln sich die Mädchen und Buben im Kindergarten an Wolfratshauser Kräuterstraße im Morgenkreis und zünden die Kerzen auf dem Adventskranz an. „Sie sollen den Advent erleben“, sagt Rosi Schwarze. Die Leiterin der Einrichtung legt Wert darauf, dass die Kinder die Flamme sehen, den Duft von Kerzen und Tannengrün schnuppern. „Natürlich geschieht das nur unter Aufsicht“, betont Schwarze. „Aber es ist wichtig, den Kleinen auch ein Stück Verantwortung zu geben.“ Deshalb wird das Thema Brandschutz auch besprochen und Feueralarm-Übungen werden durchgeführt. „Die Kinder sollen das lernen.“ Schwarzes Konzept hat sich bislang bewährt. „Ich bin seit über 25 Jahren hier. Bisher ist noch nie etwas passiert.“

Ausnahmen für pädagogische Zwecke

Das Thema Brandschutz ist in der Vorweihnachtszeit besonders aktuell. Überall brennen Kerzen. Im schlimmsten Fall nicht nur die: Bereits wenige Sekunden reichen, um Tannengrün oder Holzdekorationen in Flammen zu stecken. Besonders in Kindergärten und Schulen greifen daher strenge Regeln. Laut der Brandschutzordnung für die Schulen im Landkreis ist offenes Feuer grundsätzlich verboten, erklärt Marlis Peischer. „Jedoch gibt es Ausnahmen für pädagogische Zwecke“, sagt die Sprecherin des Landratsamts. „Dazu zählen besondere Anlässe wie Brandschutzübungen, Geburtstage oder eben die Vorweihnachtszeit. „Wie weit dieses Verbot jeweils gelockert wird, entscheidet die Einrichtungsleitung in eigener Verantwortung.“

Die Montessori-Schule in Dietramszell nimmt die Regelung sehr genau. Sie veranstaltet jedes Jahr zur Einstimmung auf die Adventszeit ihr Lichterhaus. „Da sind wir heuer von echten auf elektrische Teelichter umgestiegen“, erklärt Gero Jaeger. Den einzigen Adventskranz der Schule – er steht im Schulbüro – zieren ebenfalls LEDs. Wegen der Feuergefahr gebe es sonst keine. „Das kann man einfach nicht machen“, sagt der Geschäftsführer. Um trotzdem in Weihnachtsstimmung zu kommen, haben die Schüler Bilder gemalt und Tannenbäume aus Kleiderbügeln gebastelt.

Der Wassereimer steht griffbereit

Selbstgemachtes schmückt auch die Klassenzimmer an der Isardammschule in Geretsried. „Allerdings muss die Fensterdeko sehr dezent ausfallen“, sagt Rektorin Monika Bauer. Wenn über längere Zeit viel Fensterfläche beklebt sei, können die Glasscheiben springen. Ansonsten sei es im Gebäude überall gemütlich. „In den Klassenzimmern brennen Kerzen im Morgenkreis“, sagt Bauer. „Natürlich auf einer feuerfesten Unterlage und mit einem Eimer Wasser daneben.“ Von übermäßig vielen LED-Lichtern hält die Rektorin nichts. „Da kann man’s auch bleiben lassen.“

Wie wichtig echter Kerzenschein ist, betont auch Karin Faul, die stellvertretende Leiterin der Kindertagesstätte Kokita in Kochel am See. Dort werden im Stuhlkreis ebenfalls die Kerzen am Adventskranz entzündet. „So lernen die Mädchen und Buben von klein auf, richtig mit Feuer umzugehen.“ Selbstgebasteltes aus Papier gehört auch hier zur weihnachtlichen Deko. „Nur an den Lampen darf nichts hängen“, sagt Faul.

„Es ist Quatsch, Feuer ganz fern zu halten“

In der Grund- und Mittelschule Gaißach dagegen darf gar keine Papierdeko an den Wänden hängen – aus Feuerschutzgründen. „Das ist schon immer so“, sagt Alois Angermaier, der dort seit 1991 als Hausmeister arbeitet. Die Weihnachtsdekoration fällt an seiner Schule eher spärlich aus. „In der Aula haben wir einen großen Kranz. Der wird aber nur zu speziellen Veranstaltungen angezündet.“ Ob es kleine Ableger davon auch in Klassenzimmern gibt, weiß Angermaier nicht. „Dafür ist der Lehrer verantwortlich.“

Verantwortung ist das Stichwort von Maria Girmann. „Die müssen die Kinder ja lernen“, sagt die Leiterin des Kindergartens Arche Noah in Bad Tölz. „Es ist Quatsch, Feuer ganz fern zu halten.“ Weil Panikmache nicht angebracht sei, zeigen die Erzieherinnen den Kindern lieber, wie man richtig mit offenem Feuer umgeht. „Kürzlich haben sie selbst Kerzen gegossen“, sagt Girmann. Eigenverantwortliches Lernen sei besser als starre Verbote.

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