1. Startseite
  2. Lokales
  3. Geretsried-Wolfratshausen
  4. Wolfratshausen

Briefmarken als „kulturelles Gedächtnis“: Mehr als nur ein Hobby

Erstellt:

Von: Peter Herrmann

Kommentare

Führte die Besucher in die Geheimnisse des Briefmarkensammelns ein: „Isaria“-Vorsitzender Dieter Langnickel (li.). Der Verein besteht heuer seit 100 Jahren.
Führte die Besucher in die Geheimnisse des Briefmarkensammelns ein: „Isaria“-Vorsitzender Dieter Langnickel (li.). Der Verein besteht heuer seit 100 Jahren. © Hans Lippert

100 Jahre „Isaria“: Der Briefmarkensammlerverein feiert mit einer Jubiläumsausstellung das Bestehen und lockt zahlreiche Sammler ins Waldramer Pfarrheim.

Wolfratshausen – Ein bisschen enttäuscht war Dieter Langnickel schon. Akribisch hatte der 87-Jährige mit den Mitgliedern des Briefmarkensammlervereins „Isaria“ eine besondere Ausstellung zum 100-jährigen Bestehen der Vereinigung im katholischen Pfarrheim organisiert (wir berichteten). Hauptattraktion sollte der Jubiläums-Sonderstempel sein. Doch das beauftragte „Event-Team Philatelie der Post“, das den Schriftzug am Samstag verteilen sollte, war zu seinem großen Bedauern nicht erschienen. Gut, dass zumindest Zweiter Vorsitzer Emanuel Rüff ein paar vorgestempelte Briefumschläge dabei hatte.

„Die Absage ist natürlich schade, dennoch hat sich das Kommen für die Besucher gelohnt“, bilanzierte Rüff. Der 29-jährige kam als Teenager vor 15 Jahren zufällig zu einer „Isaria“-Ausstellung und wurde dort als junger Briefmarkensammler so freundlich empfangen, dass er sich dem Verein spontan anschloss. „Mein Allgemeinwissen verdanke ich auch Briefmarken: Sie sind ein kulturelles Gedächtnis“, so der Waldramer.

Alle Nachrichten aus Wolfratshausen lesen Sie hier.

Warten auf Olaf Scholz: Über sechs Monate für ein Autogramm

Wer sich von Dieter Langnickel durch die verschiedenen Motivsammlungen führen ließ, wusste, was Rüff mit seiner Aussage meinte. So stellte Langnickel eine Bilder- und Markenreihe mit Bundespräsidenten und Kanzlern zusammen. „Konrad Adenauer kannte ich persönlich, weil ich als Mitarbeiter des Bundesgrenzschutzes das Palais Schaumburg zu bewachen hatte“, erinnerte er sich. Im Gespräch mit unserer Zeitung würdigte Langnickel die Höflichkeit des 1967 verstorbenen CDU-Politikers. „Der zog immer den Hut vor mir, wenn er mich sah.“ Der spätere Bundespräsident Heinrich Lübke setzte seinen Schriftzug sogar direkt auf eine von Langnickels Briefmarken. Lang warten musste der „Isaria“-Vorsitzende auf ein Autogramm des aktuellen Bundeskanzlers Olaf Scholz. „Das hat über ein halbes Jahr gedauert“, sagte Langnickel.

Unzählige Briefmarken mit verschiedensten Motiven: Sammeln „bedeutet für mich Entspannung zu meinem beruflichen Alltag“.

Auf anderen Tafeln der Ausstellung waren Burgen, Schlösser, Oldtimer, Tiere und Päpste sowie eine Darstellung der Postgeschichte von 1490 bis heute zu sehen. Der Wolfratshauser Klaus Rollbühler präsentierte Briefmarken mit Raumfahrtmotiven. „Das Sammeln macht mir einfach Spaß und bedeutet für mich Entspannung zu meinem beruflichen Alltag“, verriet der Pflegelehrer. Am Tag der Ausstellung kamen zudem einige Besucher, die den Wert ihrer auf dem Dachboden gefundenen Briefmarken schätzen lassen wollten. Langnickel empfahl ihnen, die „Isaria“-Vereinsabende an jedem ersten Mittwoch im Monat um 19 Uhr im Klubraum im katholische Pfarrheim in Waldram zu besuchen. Langnickel: „Gäste sind immer herzlich willkommen.“

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare