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Unter die Lupe genommen: Dieter Langnickel (li.) und Emanuel Rüff, einer der wenigen jungen Briefmarkensammler im Verein Isaria. 

Verein Isaria feiert 95-jähriges Bestehen

Briefmarken, eine besondere Passion

Wolfratshausen - Im Verein Isaria aus Wolfratshausen treffen sich Briefmarkensammler bereits seit 95 Jahren. Am Freitag wird das groß gefeiert. 

Wolfratshausen – Sie sammeln Unikate und sind inzwischen selber welche: Die Rede ist von Briefmarkensammlern. Im Verein Isaria aus Wolfratshausen verbinden sich die Philatelisten bereits seit 95 Jahren. Noch nicht ganz so lange – aber immerhin seit 70 Jahren – sammelt Dieter Langnickel die Postwertzeichen.

Nicht nur der Verein ist alt: „Auch unsere Mitglieder werden immer älter“, sagt der 82-Jährige. Lediglich zwei Sammler sind Mitte 20, „das sind Studenten, die unser Faible teilen“. Langnickel und seine Vereinskollegen sind inzwischen allein auf weiter Flur: „Es interessieren sich immer weniger Menschen für das Briefmarkensammeln.“ Warum das so ist? Langnickel hat eine Vermutung: „Früher waren Briefe das wichtigste Kommunikationsmittel.“ Heute, in Zeiten von WhatsApp und Facebook würden nur noch wenige per Post kommunizieren. Erschwerend kommt die Technologisierung vieler Unternehmen hinzu: „Durch Frankiermaschinen werden immer weniger Marken verwendet.“

Die Mitarbeiter der Postfilialen wissen schon Bescheid

Ein Trend, den Langnickel nicht mitmacht. Jeden Monat, pünktlich an dem Tag, an dem sieben oder acht neue Marken herausgegeben werden, marschiert der Wolfratshauser zu einer Postfiliale und kauft sich die Wertzeichen. „Wenn ich reinkomme, wissen die Mitarbeiter schon immer, was ich möchte. Da bin ich als Unikat bekannt.“ Seine Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt. Langnickel konnte sich seinen Traum erfüllen: Alle Briefmarken, die jemals in der Bundesrepublik herausgegeben wurden, befinden sich in seinem Besitz. Eine Sammlung die bis 1949 zurückreicht – über 3200 Einzelstücke. „Außerdem besitze ich noch ausländische Marken, Postwertzeichen aus Bayern, die nur bis 1914 gedruckt wurden, und einige Sammlermotive, zum Beispiel Malereien.“

Der Wolfratshauser brennt für seine Leidenschaft wie am ersten Tag – genauso wie die anderen Mitglieder des Vereins. Langnickel ist einer der erfahrensten Sammler der Isaria: Bereits 1947, als zwölfjähriger Bub, ergriff ihn das Sammelfieber. „Eine Schulkameradin hatte damals eine kleine Box dabei, in der sie ein paar Marken aufbewahrte“, erinnert sich der 82-Jährige. Als kurz darauf noch ein Freund von der Sammlung seines Vaters erzählte, und die beiden Buben das Album inspizierten, war es um ihn geschehen. „Seitdem sammle ich ohne Unterbrechung.“ Obwohl: „Als Jugendlicher waren die Frauen und Freunde dann doch etwas interessanter.“ Die Stücke, die er während dieser Zeit nicht kaufte, ergatterte der Philatelist später auf Messen, Börsen und Auktionen.

Für manchen Sammler steht der Wert der Marken im Vordergrund, „aber es ist viel mehr als das“, sagt der Wolfratshauser. „Man lernt zum Beispiel vieles über Geschichte. Oft sind kirchliche Symbole darauf, die man nicht kannte, oder es werden Malereien abgedruckt.“ Das Sammeln sei viel mehr „als bloß der Wunsch, das Album voll zu bekommen“, beschreibt Langnickel seine Passion. Dank dieser Leidenschaft lebt der Verein auch 95 Jahre nach der Gründung weiter. Die 95-Jahr-Feier des Briefmarkenvereins Isaria findet am Freitag, 15. Dezember, ab 19.30 Uhr im Wirtshaus Flößerei statt. Dominik Stallein

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