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Brunnen am Marienplatz: Die geplante Versetzung polarisiert

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Von: Dominik Stallein

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Hans-Georg Haase vor dem Marienbrunnen
„Blödsinn“: Hans Georg-Haase hat eine klare Meinung zur Brunnen-Verschiebung. Eine Umfrage unserer Zeitung zeigt: Die Einschätzungen der Wolfratshauser gehen weit auseinander. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Due Altstadt von Wolfratshausen soll noch ansprechender werden. Zu einer Maßnahme - der Verschiebung des Marienbrunnens - gehen die Meinungen weit auseinander.

Wolfratshausen – Es mutet ein bisschen skurril an: Mit einem Bürgerbegehren machen einige Wolfratshauser ausgerechnet gegen das Ergebnis aus einer Bürgerbeteiligung in der Loisachstadt mobil. Konkret geht es um die Versetzung des Marienbrunnens. Die Verschiebung, einige Meter näher an die Straße, hatte der Stadtrat beschlossen. Über 2650 Menschen haben sich inzwischen in einer Unterschriftenaktion dagegen ausgesprochen. Was das Gros der Bevölkerung wirklich möchte, bleibt unklar. Unsere Zeitung hat an einem Freitagmittag versucht, ein Stimmungsbild einzufangen – und auch hier gingen die Meinungen weit auseinander.

Brunnen am Marienplatz Wolfratshausen: Die geplante Versetzung polarisiert

Hans-Georg Haase hat sich festgelegt und wählt durchaus deutliche Worte: „Von dem Blödsinn habe ich gehört“, meint er zur Brunnen-Debatte. In seinen Augen sei das Vorhaben „Unfug“. Der Marienbrunnen mit seiner Säule „steht hier seit zig Jahren, und jetzt soll er ein bisschen vorgeschoben werden“ – der Sinn hinter dieser Maßnahme erschließt sich Haase nicht. „Da könnte man genauso gut darüber nachdenken, die Kirche näher zum Bergwald und das Rathaus näher zur Loisach zu schieben“, spöttelt er. „Das wäre dasselbe.“

Marienbrunnen: Versetzung ist „Blödsinn“, sagt ein Wolfratshauser

Während der Wolfratshauser spricht, spielen zwei kleine Kinder vor dem Brunnen, die Mutter hält beim Blick auf die wasserspeienden Löwenköpfe kurz inne. „Man sieht es doch: Der Platz wird schon jetzt von den Menschen genutzt.“ Haase hat für das Bürgerbegehren der Wolfratshauser Liste zum Erhalt des Marienplatzes in seiner jetzigen Form unterschrieben – „natürlich“, wie er unterstreicht. 2650 Menschen haben insgesamt unterschrieben.

Konzerte, Theater und Märkte in der Altstadt: Der Marienplatz könnte ein Kultur-Hotspot werden

Etwas anders sieht das Stephanie Wiest. Sie saß ein paar Minuten im Schatten auf dem Marienplatz, hin und wieder genießt sie dort die Ruhe. „Es ist ein schöner Ort“, sagt sie. Das Ansinnen, den Brunnen zu verschieben, findet sie dennoch nachvollziehbar. Wenn das Bauwerk mit seiner imposanten Mariensäule näher an die Bundesstraße rücke, „kann man den Platz besser für Veranstaltungen nutzen“. Ideen hätte sie dafür: „Konzerte wären dort möglich oder Theater-Auftritte. Man könnte auch Märkte dort ausrichten.“ Sollte der Brunnen versetzt werden, müsse die Stadt den Marienplatz aber auch tatsächlich regelmäßig als Veranstaltungsort nutzen. „Sonst ist es rausgeschmissenes Geld.“

Sabine Färber
„Der Marienplatz sollte ein Ort sein, an dem man Ruhe findet“, sagt Sabine Färber. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Bürgerbegehren gegen Bürgerbeteiligung: Die Meinungen zum Marienplatz gehen weit auseinander

Mit etwa 200 000 Euro rechnet die Stadt für die Maßnahme. Nicole H. – sie möchte anonym bleiben – würde diese Summe lieber in andere Projekte investieren. „Man könnte es für Veranstaltungen ausgeben – zum Beispiel für Kinder. Da wäre es besser aufgehoben.“ Die Wolfratshauserin bezweifelt, dass die Brunnen-Verschiebung irgendetwas bewirke: „Es geht darum, die Stadt zu beleben und mehr Menschen anzulocken. Das schaffen Geschäfte und Restaurants oder Veranstaltungen.“ Ein neu platzierter Brunnen könne das nicht bieten. Für H. steht fest: „Der Brunnen soll bleiben, wo er ist.“

Wolfratshausen: Wie der Marienplatz aussehen wird, ist offen

Sabine Färber ist sich da nicht so sicher. Sie hat sich noch nicht festgelegt, auf welcher Seite sie steht. „Wenn es gute Gründe gibt, würde ich mich der Verschiebung nicht verschließen“, sagt sie. Sie schätzt den zentralen Ort in der Altstadt, den viele Menschen zur Rast nutzen. „Mir wäre wichtig, dass er seinen ruhigen Charakter behält“, meint die Wolfratshauserin. „Der Marienplatz sollte ein Ort sein, an dem man Ruhe finden kann. Wenn das so bleibt, wäre ich schon zufrieden.“

Stadtrat zur Altstadt-Gestaltung wieder gefragt: Kommt es zum Bürgerentscheid

Derzeit ist unklar, wie es mit dem Projekt weitergeht. Die erste Abstimmung im Stadtrat war eindeutig: 15 Räte stimmten für die Versetzung des Brunnens, fünf dagegen. Vermutlich in der nächsten Sitzung beschäftigt der Marienbrunnen das Gremium erneut. Dann müssen die Stadträte über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens befinden. Danach gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder revidiert der Stadtrat seinen Beschluss oder es kommt zu einem Bürgerentscheid. Dann haben alle Wolfratshauser Wahlberechtigten das Wort.

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