Josef Brustmann auf der Flussbühne
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Grandioses Heimspiel zum Start des Flussfestivals: Josef Brustmann (Mitte) und seine Begleitmusiker.

Auf der Bühne an der alten Floßlände

Brustmanns Lust eröffnet Flussfestival : Großartig und a bisserl g‘schert

  • Bettina Sewald
    VonBettina Sewald
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Endlich: Nach der langen Corona-Unterbrechung bekamen die Zuschauer am Eröffnungstag des Flussfestivals von Josef Brustmann und seinen Mitstreitern wunderbare Unterhaltung geboten.

Wolfratshausen – Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Und so beendete Josef Brustmann mit seiner „Brustmanns Lust“ den gelungen Eröffnungsabend des Flussfestivals nach eigenen Worten „a bisserl grob, a bisserl g’schert und a bisserl roarroarroar“. Das Publikum tobte. Nach viel musikalischer Abwechslung gab’s also ein paar bitterböse Gstanzl, die man sich auf dem Nachhauseweg wie saure Drops auf der Zunge zergehen lassen konnte. Und doch bekommt man die trefflichen Formulierungen des alten Bühnen-Hasen kaum mehr auf die Reihe. Irgendwas wie: Wenn man ihn gendert, dann is’ er Frau Baerbock? Und dass er den Spahn auch nicht gewählt hätte, wenn er (Spahn oder Brustmann?) bisexuell gewesen wäre? A bisserl g’schert halt. Und wie vorher schon saugut.

In seiner unnachahmlichen Art, nämlich mit kabarettistischen Wortbeiträgen auf das nächste Musikstück hinplaudernd, gab Josef Brustmann neben vielem anderen Einblicke in seine Kindheit, die er nur wenige Kilometer entfernt von der Bühne im Ortsteil Waldram verbracht hatte. Mit vielen Geschwistern – alle saßen im Publikum – und noch mehr Musik. So wie im Hintergrund die Loisach vorbeirauschte, plätscherte der Abend leicht und mühelos dahin. Wie der Mond, der Lichtreflexe ins Wasser zauberte, setzte Brustmann Anekdoten und mit Unterstützung seiner Band Lieder in ein großes, gelungenes Ganzes. Franz Schuberts „Winterreise“ spielten die international erfolgreichen Musiker Benni Schäfer (Geretsried, Bass, Tuba und Gesang), Martin Regnat (Bad Tölz, Diatonische Ziehharmonika, kanadische Timple – ähnlich einer Ukulele – und Gesang), Luke Cyrus-Goetze (USA, vielseitiger Gitarrist mit Dobro, Steel- und E-Gitarre) und Mathias Götz (München, Posaune) am Freitagabend am Loisachufer spürig und seelenvoll. Die irische Trash-Polka „Hägarts Tanz“ kam schmissig daher. Mitreißend die „Berg-Vagabunden“ und tiefsinnig das Lied vom „Häuptling Abendwind“. Eigentlich unglaublich, dass die Formation „Brustmanns Lust“ in dieser Zusammensetzung tatsächlich erst das zweite Mal vor Publikum gespielt hat.

Brustmann gab zunächst reguläre Zugaben – „ohne erst hinter der Bühne zu verschwinden“, wie er anmerkte. Darunter war das legendäre Gedicht „Müller, du 0“ und das anrührende Liebeslied „Es ist schön“ des österreichischen Lyrikers Theodor Kramer. Einige Damen im Publikum huschte bei letzterem eine dezente Röte über die Wangen. Sie waren überzeugt, dass es das schönste Lied des Abends war. Selten wurde Sinnlichkeit so einfühlsam in Musik verwandelt. Das tosende Publikum erklatschte sich sogar noch eine weitere Zugabe. Für die kam der Künstler, der eingangs den BR-Werbeslogan „I bin der Josef – und da bin i dahoam“ persifliert hatte, noch einmal ganz allein auf die Bühne. Mit dem melancholischen Lied „Roter Mond“ fing er alle Nuancen des Abends nochmals ein. Ein echtes Heimspiel für den gebürtigen Waldramer – und das endlich wieder vor Publikum.

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