Unterschriftenübergabe
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Fast 400 Unterschriften übergab Helmut Forster (re., Liste Wor) in der Stadtratssitzung an Wolfratshausens Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW). Damit unterstreicht die Liste Wor ihr Nein zur angedachten Versetzung des Marienbrunnens.

Aufwertung der Altstadt

Bürgerbeteiligung ist keine „Spinnerei“: SPD-Stadtrat geht mit „ewig Gestrigen“ hart ins Gericht

  • Carl-Christian Eick
    VonCarl-Christian Eick
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Mit ihrer Kritik an den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung in Sachen Altstadt-Aufwertung schoss die Liste Wor weit übers Ziel hinaus: Diese Meinung vertritt (nicht nur) SPD-Stadtrat Fritz Schnaller.

Wolfratshausen – Die geplante Aufwertung der Altstadt zwischen Musikschule und Paradiesweg fusst auf den Ergebnissen eines Bürgerbeteiligungsprozesses. Nicht zum ersten Mal haben jetzt die drei Stadträte der Wolfratshauser Liste einige Vorschläge des Souveräns scharf kritisiert – überhaupt solle die Umgestaltung der historischen Innenstadt offenbar „gegen den Willen der Bevölkerung“ durchgeboxt werden, meint Dr. Manfred Fleischer (Liste Wor). Rathauschef Klaus Heilinglechner (BVW) hält die Wortwahl des Trios für „unklug – um es vorsichtig auszudrücken“.

Bloß weil zwei oder drei Spinner auf die Idee kommen, dass sie die Platanen stören, machen wir so einen Zinnober.“

Dr. Manfred Fleischer, Stadtrat der Liste Wor

Zwischen Herbst 2018 und Frühjahr 2019 brüteten die Bürger in öffentlichen und nicht öffentlichen Zusammenkünften darüber, wie sich die Aufenthaltsqualität in der Altstadt optimieren ließe. Ideen gibt’s viele, dazu zählen unter anderem die Versetzung des Marienbrunnens sowie der dazugehörenden Platanen, der Austausch der sogenannten Brockard-Lampen gegen moderne Beleuchtungskörper, die Anhebung der Marktstraße auf Gehweg-Niveau und die Verbannung der Parkplätze aus dem Innenstadtkern. Während das Gros des Stadtrates den Vorschlägen offen gegenübersteht, meldete die Fraktion der Liste Wor schon früh Bedenken an. Grundsätzlich habe die Bürgerbeteiligung „keinerlei Repräsentativität“, schickte Fleischer voraus. Nur ein Bruchteil der Wolfratshauser – rund 200 – hätten sich eingebracht, von einem Mehrheitswillen könne keine Rede sein.

Bürgermeister drückt sich sehr diplomatisch aus

Die Liste Wor stemmt sich vor allem gegen die angedachte Verlegung des Marienbrunnens nebst Platanen – das Ensemble schmückt derzeit die Freifläche vor der Stadtpfarrkirche. „Bloß weil zwei oder drei Spinner auf die Idee kommen, dass sie die Platanen stören, machen wir so einen Zinnober“, wetterte Fleischer wie berichtet in einer Pressekonferenz am vergangenen Sonntag.

Er habe diese Äußerungen „zur Kenntnis genommen“, sagte Bürgermeister Heilinglechner vor der Stadtratssitzung am Dienstagabend auf Nachfrage unserer Zeitung. Er halte es für „gewagt“, dem Bürger, „dem Wähler so gegenüberzutreten“. Es sei klar, dass einzelne Maßnahmen zur Aufwertung der Innenstadt nicht jedem gefallen. Doch ehrenamtliches Engagement „als Spinnerei abzutun“ – das hält der Rathauschef für „sehr fragwürdig“. Die Innenstadt zu beleben, sei das erklärte Ziel. „Und wenn wir sie beleben wollen, dann brauchen wir die Bürger dazu. Denn das sind die, die sie beleben“, so Heilinglechner.

Es wäre gut gewesen, erst einmal die Präsentation abzuwarten.“

Fritz Meixner, Sprecher der SPD/FDP-Fraktion

Um ihrer Ablehnung von Teilen des Vorhabens Nachdruck zu verleihen, sammelte die Liste Wor knapp 400 Unterschriften, die Fraktionssprecher Helmut Forster zu Beginn der Stadtratssitzung am Dienstag in der Loisachhalle dem Rathauschef übergab. Jetzt vorschnell Planungsaufträge zu vergeben, warnte Forster, sei „irrational“.

Nur „die Schnapsidee einiger weniger“, wie Fleischer sagte? „Das ist mehr als ein politischer Missgriff“, stellte Fritz Schnaller (SPD) fest. Diese Bewertung des Bürgerengagements „weise ich entschieden zurück“. Annette Heinloth (Grüne) fand es „irritierend“, dass Forster in einem „großen Vortrag“ Kritik anbrachte – bevor das Büro Mahl-Gebhardt-Konzepte am Dienstagabend die Entwurfsplanung überhaupt vorgestellt hatte. „Es wäre gut gewesen, erst einmal die Präsentation abzuwarten“, pflichtete Fritz Meixner, Sprecher der SPD/FDP-Fraktion, der Dritten Bürgermeisterin bei. In seinen Augen wäre es nicht irrational „jetzt in die Planung einzusteigen, stattdessen ist es notwendig“.

„Schnapsidee“: Fleischer bleibt unnachgiebig

Schnaller erinnerte an eine Debatte, die 45 Jahre zurückliegt. Seinerzeit habe der Stadtrat vor der „richtungsweisenden Entscheidung“ gestanden, eine Umgehungsstraße über Weidach bauen zu lassen. Die „positiv Denkenden“ seien damals gegenüber den „ewig Gestrigen“ in der Minderheit gewesen. Bei der Aufwertung der Altstadt appellierte Schnaller an die Räte, den Blick nach vorne und nicht zurück zu richten.

In puncto Schnapsidee blieb Fleischer unnachgiebig: Die Versetzung des Marienbrunnes und die Fällung der Platanen mache für ihn auch keinen Sinn, „nur weil man länger darüber redet“. (cce)

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