Männer sitzen auf Stühlen.
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Kulturreferent Alfred Fraas (Mitte) hat ein eigenes, nach seinen Worten etwa 34 Millionen Euro teures Konzept für ein Schulzentrum in Wolfratshausen ausgearbeitet. Das wird nun auf Beschluss des Stadtrats von einem Ingenieur überprüft.

Neues Schulzentrum in der Innenstadt

Bürgermeister erklärt: Dafür will Wolfratshausen 60.000 Euro ausgeben

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Der Gegenentwurf von Kulturreferent Alfred Fraas für ein Schulzentrum in Wolfratshausen wird geprüft. Jetzt wird ein „Projektsteuerer“ für diese Aufgabe gesucht.

Wolfratshausen – Der Sprecher der SPD-Fraktion, Fritz Meixner, gab unumwunden zu, dass er in seiner Funktion als Schulreferent des Stadtrats eng mit dem Großprojekt „Schulzentrum am Hammerschmiedweg“ verwoben sei – und die Planungen des Münchner Büros „karlundp“ Architekten gut heiße. Dennoch habe er sich mit dem Gegenentwurf, den Kulturreferent Alfred Fraas (CSU) erarbeitet hat, „intensivst auseinandergesetzt“, erklärte Meixner am Mittwochabend in der Stadtratssitzung. Sein Fazit: „Die notwendige Funktionalität einer Schule ist hier nicht gegeben.“

Die notwendige Funktionalität einer Schule ist hier nicht gegeben.“

Schulreferent Fritz Meixner zum Fraas-Vorschlag

Auch Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) betrachtet das Fraas-Konzept äußerst skeptisch. Doch das Gros des Stadtrats entschied sich wie berichtet für die Prüfung des Werks. Nun sucht der Rathauschef nach eigenen Worten einen „Projektsteuerer“, der diese Aufgabe übernimmt.

Entscheidung fiel mit 13:12 Stimmen

Die Prüfung des Fraas-Konzepts hatten die fünfköpfige CSU-Fraktion sowie die drei Vertreter der Liste Wolfratshausen beantragt. Ihnen schlossen sich bei der Abstimmung Fritz Schnaller (SPD), Dr. Hans Schmidt (Grüne) sowie die drei BVW-Räte Josef Praller, Peter Ley und Helmuth Holzheu an. Das reichte für die knappe Mehrheit von 13:12 Stimmen.

Wie geht’s nun weiter? „Um die Sache zu befrieden“, zitiert Bürgermeister Heilinglechner den Liste-Wolfratshausen-Stadtrat Dr. Manfred Fleischer, werde jetzt ein Bauingenieur gesucht, der als „Projektsteuerer“ den von Fraas erarbeiteten Schulbau prüfen soll. Heilinglechner legt Wert auf die Feststellung, dass das Untersuchungsergebnis „später nicht in der Tiefe vorliegen wird“, um es „objektiv“ mit der detaillierten Planung und der Kostenschätzung von „karlundp“ vergleichen zu können. Fraas, so der Rathauschef, sei bei seinem Entwurf von anderen Voraussetzungen ausgegangen als die Münchner Architekten. Die hätten im Übrigen reichlich Erfahrungen mit Blick auf die Sanierung, den Umbau und Neubau von Schulen, betont Heilinglechner.

Was darf die Prüfung kosten?

Zu den Kosten der zusätzlichen Prüfung gab’s in der Stadtratssitzung nur vage Aussagen. Während Helmut Forster (Liste Wolfratshausen) bereit war, „300 000 oder 400 000 Euro“ zu investieren, um eventuell beim Schulzentrumprojekt „einige Millionen“ sparen zu können, meinte Fritz Schnaller (SPD), dass deutlich weniger ausgegeben werden müsse: Für 50 000 Euro lasse sich die „fundierte und neutrale Meinung“ eines Dritten einholen. Ähnlich sah es Fleischer, denn „bei einem Stundensatz von 150 bis 200 Euro kann viel geprüft werden“.

Bisherige Planungskosten: 700.000 Euro

Der Rathauschef hat eine Obergrenze von 60 000 Euro für den Projektsteuerer festgelegt, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. Sobald der Experte gefunden ist, werde die Verwaltung ganz genau definieren, „was er tun soll“. Vor der Auftragsvergabe werde er diese Liste „noch einmal mit den Sprechern der Stadtratsfraktionen diskutieren“. So will Heilinglechner verhindern, dass es im Nachgang zu Kritik an der Prüfungstiefe beziehungsweise am Prüfungsverfahren kommt. Für die bisherigen Planungen hat die Stadt wie berichtet bereits rund 700 000 Euro ausgegeben.

Wann mit dem Ergebnis der Untersuchung des Fraas-Vorschlags zu rechnen ist, lässt sich laut Bürgermeister nicht vorhersagen. Ihm sei „natürlich an einer schnellen Prüfung“ gelegen. Doch mutmaßlich „wird die Arbeit mehrere Monate in Anspruch nehmen“. Bis dahin sei das Großprojekt, das vor knapp fünf Jahren seinen Anfang nahm, auf Eis gelegt. (cce)

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