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Heilinglechner steht hinter Marktmeister

Bürgermeister kann Urteil des Amtsgerichts nicht nachvollziehen 

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Auf den Märkten in Wolfratshausen haben Wurstspezialitäten unentgeltlich den Besitzer gewechselt. Das Amtsgericht wertete das als „Anschein der Käuflichkeit“. Nun äußerte sich der Bürgermeister zu den Vorwürfen gegen die städtischen Marktmeister.

Wolfratshausen– Nach den Urteilen des Amtsgerichts gegen den ehemaligen Marktmeister der Stadt Wolfratshausen sowie seinen Amtsnachfolger hat sich Bürgermeister Klaus Heilinglechner in der Stadtratssitzung am Dienstagabend zu dem Ergebnis der Verhandlung geäußert. Wie berichtet hatte Amtsrichter Helmut Berger den pensionierten Marktmeister wegen Vorteilsannahme zu 3300 Euro Geldstrafe verurteilt. Er habe von 2011 bis 2016 von einem Wurst- und Käsehändler aus Mittenwald, der auf dem Grünen Markt in der Flößerstadt vertreten ist, 18 Stücke Kaiserspeck im Gesamtwert von rund 180 Euro angenommen. Der Händler versprach sich von dem Geschenk einen gut frequentierten Standplatz. Der Nachfolger des Marktmeisters muss 600 Euro Geldstrafe zahlen. Der, so der Richter, habe sich ein Paar Kaminwurzen im Wert von 3,50 Euro zustecken lassen. Berger begründete seine Urteile unter anderem mit dem Hinweis, dass bereits „der Anschein der Käuflichkeit“ von Kommunalbeamten bestraft werden müsse.

Marktmeister spendierte Wurst nicht dem Rathaus

Das Urteil gegen den ehemaligen Marktmeister könne er „grundsätzlich nachvollziehen“, stellte Bürgermeister Heilinglechner in der Stadtratssitzung fest. Die Waren, die der 66-Jährige regelmäßig von dem Fieranten angenommen habe, „waren für den Verkauf bestimmt“. Heilinglechner widersprach der Darstellung des Ex-Marktmeisters gegenüber dem Gericht, er habe Wildsalami und andere geräucherte Spezialitäten jeweils den Rathausmitarbeitern für eine Brotzeit spendiert. Diese Behauptung, das erklärte der Bürgermeister, habe sich nach interner Recherche „als haltlos herausgestellt“.

Das Urteil gegen den neuen Marktmeister Hubert Bernwieser, der das Amt im Frühjahr 2017 angetreten hat, könne er „nicht nachvollziehen“, betonte Heilinglechner. Der Beamte hatte die Annahme der Kaminwurzen vor Gericht entschieden abgestritten, ein Beweis für den Vorwurf „wurde nicht erbracht“, schlug sich Heilinglechner auf die Seite seines Mitarbeiters. Dass derselbe Amtsrichter wenige Tage später gegenüber einem 41-Jährigen, der sich wegen des Besitzes von Kinderpornos verantworten musste, bei seinem Urteilsspruch aufgrund der wirtschaftlichen Situation des Mannes „Milde“ haben walten lassen, irritiert den Wolfratshauser Rathauschef sehr: „Was sind das für Grundsätze? Ich stelle das hier mal in Frage.“

Ex-Marktmeister kassierte 2008 eine Abmahnung

„Hubert Bernwieser genießt auch weiterhin mein vollstes Vertrauen“, sagte der Bürgermeister. Der Münsinger mache einen „sehr guten Job“, so Heilinglechner, das zeigten ihm entsprechende Rückmeldungen. „Ich stelle mich als Bürgermeister ganz klar hinter Marktmeister Bernwieser“, ließ Heilinglechner keinen Zweifel an der Loyalität gegenüber seinem Mitarbeiter.

Der ehemalige Marktmeister, der von 1984 bis 2017 im Rathaus beschäftigt war, hatte sich bereits 2008 eine Abmahnung seines Dienstherrn eingehandelt. Der Grund für den damaligen Bürgermeister Reiner Berchtold war eine „unzulässige Interessenskollision“. Der Beamte war seinerzeit für die Organisation der städtischen Flohmärkte verantwortlich – tat dasselbe allerdings auch in seiner Funktion als Mitglied eines Wolfratshauser Vereins. Ein Jahr nach der Abmahnung erhob der Verein schwere Vorwürfe gegen den Ehrenvorsitzenden: Bei der Abrechnung von Flohmärkten sei es zu Unregelmäßigkeiten gekommen, unterm Strich würden einige Tausend Euro fehlen. Die Parteien einigten sich außergerichtlich, als „Wiedergutmachung“ überwies der Beschuldigte 1300 Euro aufs Vereinskonto. Nach 30-jähriger Mitgliedschaft kehrte er dem Verein den Rücken – die Ehrenmitgliedschaft war ihm zuvor entzogen worden.

Die vergangene Woche ergangenen Urteile gegen den Ex-Marktmeister, seinen Nachfolger sowie gegen den freigiebigen Wursthändler (1200 Euro Geldstrafe wegen Vorteilsgewährung) sind noch nicht rechtskräftig. Das teilte am Mittwoch ein Sprecher des Amtsgerichts auf Nachfrage mit. Weitere Details wollte er nicht preisgeben. Es ist davon auszugehen, dass mindestens einer der drei Herren Einspruch gegen das jeweilige Urteil eingelegt hat. 

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