„Kleine Geister diskutieren Personen“

Bürgervereinigung ärgert sich über Nadelstiche aus den Reihen der CSU

Erfolg bringt Neid. So ist das auch bei der Bürgervereinigung Wolfratshausen. Einige sollen sie als „Feindbild“ ausgemacht haben.

Wolfratshausen – Konstruktive Vorschläge gegen die Parkplatznot, Lösungen zur Linderung der Wohnraumknappheit, Schaffung von zusätzlichen Freizeitangeboten: Die Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW) stellte sich in ihrer Jahresversammlung selbst ein sehr gutes Zeugnis aus (wir berichteten). In den Reihen der anderen Stadtratsfraktionen löste der Erfolg allerdings offenbar Neid aus. Einige Räte hätten die politische Gruppierung um Bürgermeister Klaus Heilinglechner und Fraktionschef Josef Praller sogar als „Feindbild“ ausgemacht, berichtete BVW-Vorsitzender Eichberger. Das sei für ihn „irritierend“.

„Wir wollen Partner sein und arbeiten mit jedem zusammen. Aber wir lassen uns nicht vorführen“: Bürgermeister Heilinglechner hat kein Verständnis für scharfe Rhetorik. „Diese Einstellung enttäuscht mich, auch wenn es vielleicht nur einzelne Stimmen sind.“ Der Rathauschef erklärt sich die verbalen Attacken in Richtung BVW mit der guten Arbeit der politischen Gruppierung – die offensichtlich von einigen Gremiumsmitgliedern neidisch beäugt werde.

„Für uns geht‘s ums Anpacken“

Wen Eichberger und Heilinglechner konkret meinten, war allen klar: die Wolfratshauser CSU. „Vielleicht gehören Nadelstiche gegen den Bürgermeister und seine Fraktion zum politischen Geschäft“, meinte Eichberger. „Aber für uns geht es ums Anpacken.“ Der BVW-Vorsitzende nannte ein Beispiel: Vertreter der Christsozialen hätten der Bürgervereinigung vorgeworfen, die Idee, an der alten Floßlände in den Wintermonaten eine künstliche Eisfläche zu schaffen, aus dem Wahlprogramm der CSU „abgeschrieben“. „Es geht aber nicht darum, was in einem Programm steht, sondern was gemacht wird“, stellte Eichberger fest.

Heilinglechner stieß ins selbe Horn: „Wir sollten die Stadt voranbringen und keine Machtkämpfe schüren.“ BVW-Stadträtin Dr. Ulrike Krischke stellte die Fraktionsarbeit unter ein Motto – und zitierte dafür die amerikanische Menschenrechtsaktivistin und ehemalige First-Lady der USA, Eleanor Roosevelt: „Große Geister diskutieren Ideen, kleine Geister diskutieren Personen.“

Dass die Bürgervereinigung mitunter geschnitten werde, machte der Rathauschef an einem Beispiel fest: Parallel zur BVW-Jahresversammlung fand in der Flößerei eine Veranstaltung der Jungen Union und der CSU mit dem Generalsekretär der Partei, Andreas Scheuer, sowie dem Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan statt. „Den Zweiten Bürgermeister haben sie dazu eingeladen – mich nicht“, sagte Klaus Heilinglechner. „Ich weiß aber nicht, ob ich überhaupt hingegangen wäre.“

Dominik Stallein

Rubriklistenbild: © Hans Lippert

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