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Mit Mikro und Megaphon: Fried-Thorsten Jantzen (re.) – hier bei der Demo für das Bürgerbegehren – und seine Mitstreiter sammeln weiter Unterschriften. Auch die SPD und Teile der CSU stehen hinter dem ínterkommunalen Hallenbad.

Äußerungen von CSU und SPD

Hallenbad: „Bürgervereinigung macht sich lächerlich“

Wolfratshausen - CSU-Fraktionssprecher Günther Eibl hofft auf neuen Stadtratsbeschluss in Sachen Hallenbad. Böse Worte gibt es in Richtung Bürgervereinigung.

Vorsichtig optimistisch zeigten sich CSU-Stadtrat Günther Eibl und Ortsvorsitzende Susanne Thomas im Rahmen der CSU-Bürgerrunde in der Gaststätte Flößerei. Sie glauben, dass einige Mitglieder der Bürgervereinigung Wolfratshausen doch noch ihre Meinung ändern und in einer der kommenden Stadtratssitzungen für eine Betriebskostenbeteiligung am interkommunalen Bad in Geretsried stimmen könnten. Auch in den eigenen Reihen – die drei CSU-Stadträte Renate Tilke, Dr. Manfred Fleischer und Helmuth Holzheu hatten ebenfalls gegen das Bad gestimmt – sei eine Wende laut Eibl nicht ausgeschlossen.

Paul Brauner, ehemaliger CSU-Stadtrat und Vize-Bürgermeister, würde diesen Stimmungsumschwung sehr begrüßen. „Es gehört mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern und dies dann öffentlich zu vertreten, als auf seinen Standpunkten zu beharren“, konstatierte Brauner. Günther Eibl sieht das genauso. „Andernfalls geht die Bürgervereinigung als Betonfraktion in die Stadtgeschichte ein“, befürchtet er.

Ungeachtet dessen stellte der Ascholdinger Josef Maier am Donnerstagabend erneut die Größe des geplanten Bads infrage. „Für kommende Generationen wird dieses Bad sicher zu klein“, prognostizierte er. Zudem sei mehr als ungewiss, ob es Platz für die etwa 5300 Schüler im Nordlandkreis biete.

Fried-Thorsten Jantzen, Mit-Initiator des Wolfratshauser Bad-Bürgerbegehrens, hält diesen kritischen Ansatz zum jetzigen Zeitpunkt für wenig zielführend: „Jetzt noch über mehr Wasserfläche zu diskutieren, ist verdammt spät.“

Günther Eibl gab ihm Recht. „Unsere Aufgabe sollte es jetzt sein, die notwendigen politischen Rahmenbedingungen für ein neues Bad zu schaffen“, forderte der CSU-Fraktionssprecher. Die Debatte über die Verteilung von Belegungsplätzen werde er sicher nicht führen, zumal dies vor allem in die Zuständigkeit der Stadt Geretsried falle. „Da wollen wir Wolfratshauser uns nicht einmischen.“

Dass Bürgermeister Klaus Heilinglechner und BVW-Fraktionssprecher Josef Praller vor einer Woche neue Bedingungen für eine Wolfratshauser Beteiligung an den Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller gestellt haben (wir berichteten), kann Eibl deshalb nicht nachvollziehen: „Die Bürgervereinigung hat sich dadurch lächerlich gemacht und sicher nicht zur Verbesserung der interkommunalen Zusammenarbeit beigetragen“. Dem Bürgerbegehren wünsche er deshalb einen deutlichen Erfolg mit „mehr als 3000 Stimmen“. Fried-Thorsten Jantzen vermeldete derweil stolz, dass er sich am Donnerstag die Unterschriften eines prominenten Wolfratshauser Ehepaares gesichert habe: „Wie versprochen haben nun auch Edmund und Karin Stoiber unterzeichnet.“

von Peter Herrmann

SPD: „Der ganze Landkreis lacht sich kaputt“

Die Wolfratshauser SPD hat genug von der Hallenbad-Diskussion. Der ehemalige Ortschef Hans Gärtner fand auf der Monatsversammlung des Ortsvereins klare Worte: „Es muss jetzt langsam zu einem Ende der Peinlichkeiten kommen.“ Der Wolfratshauser spielt auf die Öffentlichkeitsarbeit des Bürgermeisters und seiner Fraktion an, der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW). „Der ganze Landkreis lacht sich darüber kaputt.“

Auch Fraktionssprecher Fritz Meixner ist nicht glücklich mit dem Vorgehen der größten Stadtratsfraktion. „Es geht mir darum, wie mit der Sache umgegangen wird.“ Die Entscheidung und die nachträglichen Lösungsvorschläge, Pressekonferenzen und öffentlichen Diskussionen hätten einen „enormen Flurschaden“ hinterlassen. Manfred Menke sieht darin eine „übertriebene Aktivität“.

Die findet – so die SPD-Meinung – nicht zum Wohl der Kommune statt. „Der Ruf der Stadt ist durch die causa Hallenbad enorm beschädigt“, befindet Fritz Meixner. Er selbst habe sich in den vergangenen Wochen „oft auf die Zunge beißen müssen“, um das Vorgehen nicht zu kommentieren.

Ein Verhalten, dass sich Hans Gärtner von mehreren Wolfratshausern wünscht. „In der Debatte werden Grenzen überschritten.“ Zwar begrüße er es, wenn sich die Wolfratshauser „konsequent für das Hallenbad“ aussprechen, persönliche Beleidigungen würden jedoch übers Ziel hinaus schießen. Auch Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller forderte, „den menschlichen Respekt nicht zu verlieren.“ Die öffentliche Debatte laufe „grenzwertig“ ab.

Meixner hofft, dass das bald ein Ende hat: „Es muss Schluss sein mit Wortklaubereien und neuen Ideen.“ Stattdessen, so der Tenor der zwölf Anwesenden, solle alle Konzentration dem Bürgerbegehren für eine Beteiligung der Stadt am Betriebskostendefizit des Hallenbads gelten. Eine solche Beteiligung hatte der Stadtrat im September mit zwölf zu zwölf Stimmen abgelehnt. Eine Initiative sammelt seither Unterschriften, um das Votum des Gremiums zu korrigieren. „Wenn wir eine Lösung haben, wird der Umgangston vielleicht wieder normaler“, hofft Schnaller.

von Dominik Stallein

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